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J 2001. R,B,D: Kazushi Watanabe. K: Masakazu Oka. S: Yoshio Sugano, Kazushi Watanabe. M: Knockers Records. P: GAGA Communications. D: Dajiro Kawaoka, Takeo Noro, Ryo Shinmyo u.a.
83 Min. Piffl Medien ab 5.11.02
Von Amin El-Arousi Der Student Usami fährt mit seinem Roller durch die Stadt, als er von den Insassen eines Autos nach dem Weg zum Image Park gefragt wird. Er willigt ein, vorauszufahren, da die drei jungen Männer sich nicht auskennen, wird dann aber während der Fahrt von ihnen gestoppt und entführt. So der Beginn des Films, der wie sein Ende auf einer tatsächlichen Begebenheit basiert. Usami wird schließlich von seinen Entführern wieder frei gelassen, muß in die Freiheit aber geradezu zurückgestoßen werden.

Innerhalb dieses authentischen Rahmens öffnet sich der Imagepark von Spielfilmdebütant Kazushi Watanabe, der nach gleicher Vorlage und unter gleichem Titel schon einen 8mm Kurzfilm drehte und neben einer Kameraassistenz bei Akira Kurosawas Träume zuvor als Darsteller in Visitor Q. von Takashi Miike hervortrat.

Es stellt sich die Frage, wovon Usami entführt wurde. Nach bescheidenem Widerstand und erster Akzeptanz seiner Situation als Geisel fragt er nach der Uhrzeit und deutet so eine Außenwelt an, in die er diesen Umstand einordnen muß. Er erhält die Gegenfrage, ob er etwas anderes zu tun habe, antwortet dann aber: »Nicht wirklich.« Im weiteren Verlauf zeigt sich die Außenwelt im Sinne eines gesellschaftlichen Hintergrundes nur zweimal: Die Servicekräfte einer Tankstelle zeigen sich grotesk-meisterlich in ihrem Fach, doch unfähig, anderes darüberhinaus wahrzunehmen. Die Polizisten einer Verkehrskontrolle setzen zwar alle Sorgfalt auf eine Vielzahl routinemäßiger Fragen, sehen aber über im Kofferraum entdeckte Waffen und die Konstellation der Autoinsassen hinweg. Jede Aktion setzt ein mit dem Ansatz zur Perfektion, kippt dann aber in deren extreme Banalisierung. Eine dumpfe Panik vermeidet jeden Blick auf den Grund allen Geschehens. So scheinen die durchaus gewaltbereiten und böse dreinschauenden Gangster und ihr Opfer Usami sich wie unter einer Saugglocke zu bewegen: Im Zoo essen sie Eis oder fingern erwartungsvoll Sammelbildchen aus Süßigkeiten. Der Soundtrack darf gerne als Hommage an Neil Youngs Gitarrenriffs zu Dead Man verstanden werden. Watanabe zeigt sich zwar auch Regisseur Jarmusch nahe, 19 ist aber auch in der Linie japanischer Produktionen wie Monday oder Uzumake zu sehen. Allerdings beweist der Film ein zu hohes Maß an Eigenständigkeit, als daß eine zu schnelle Zuordnung nötig wäre. 1970-01-01 01:00

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Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #28.
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