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25 Grad im Winter

25 degrés en hiver. B/F/E 2003. R,B: Stéphane Vuillet. B: Pedro Romero, Stéphane Malandrin. K: Walther vanden Ende. S: Anne-Lore Guégan. M: Tristan Vuillet. P: Man's Films, Lancelot Films u.a. D: Carmen Maura, Jacques Gamblin, Ingeborga Dapkunaite u.a.
93 Min. Arsenal ab 27.1.05

Etwas zu wenig

Von Dietrich Brüggemann Es gibt diese alte Festival-Faustregel, daß man nach einer halben Stunde auch gehen kann, wenn der Film bis dahin nichts zu bieten hat. Besser wird's dann nämlich auch nicht mehr. Keine Regel ohne Ausnahme, denn 25 Grad im Winter wird erst am Ende interessant. Vorher kann man seinem Helden Miguel dabei zusehen, wie er hilflos durch den Tag driftet, von einer versprengten Ukrainerin gekapert wird, seiner kleinen Tochter und sich selbst vormacht, seine Frau würde eines Tages aus New York zurückkehren, überall zu spät kommt und sich von seiner spanischen Mutter mit südländischem Klischee-Temperament herumschubsen läßt.

Das ist manchmal recht lustig, wenn Miguel zum Beispiel die Schwarzarbeit, die er für das Reisebüro seines Bruders leistet, kaschieren muß und Flugtickets mit großer Entschlossenheit persönlich ausliefert. Meist ist es leider eher langweilig, halbherzig entwickelt und vor allem ohne den rechten Rhythmus inszeniert und geschnitten. Erst am Ende wird die Sache etwas pointierter, da werden die Konflikte ausgetragen, von denen vorher immer nur geredet wurde, und man gewinnt so etwas wie Sympathie für die Figuren.

Insgesamt ist das zu wenig für einen abendfüllenden Film, und wäre man nach der Festivalregel gegangen, hätte man nie davon erfahren. Immerhin zeigte die Berlinale, Leistungsschau des Weltkinos, Defilée der profiliertesten Filmkünstler aller Herren Länder, 25 Grad im Winter letztes Jahr als Abschlußfilm. Daraus lernen wir mal wieder, daß das Ende das wichtigste am Film ist. Warum aber manche Zwergstaaten, man denke etwa an Dänemark, große Kinonationen sind, andere nicht, bleibt eines der vielen Rätsel auf dieser verwirrenden Welt. 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #37.
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