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2 Fast 2 Furious

USA 2003. R: John Singleton. B: Michael Brandt, Derek Haas. K: Matthew F. Leonetti. S: Bruce Cannon, Dallas S. Puett. M: David Arnold. P: Original Film, Neal H. Moritz Productions. D: Paul Walker, Tyrese Gibson, Eva Mendes, Cole Hauser u.a.
108 Min. UIP ab 19.6.03

Raser und Drängler

Von Dietrich Brüggemann Was ist die wahre Bestimmung des Kinos? Ist es Kunst? Moralische Anstalt? Hat es was mit Intelligenz zu tun? Oder ist es doch nur Jahrmarkt und Raserei?
Je nachdem, für welche Antwort man sich entscheidet, wird man diesen Film hassen oder lieben. 2 Fast 2 Furious wendet sich so entschlossen von aller Kunst, Moral und Intelligenz ab, daß es eine wahre Freude ist. Oder grauenerregend, je nachdem.

Paul Walker spielt wieder seine Rolle aus dem ersten Teil, ach was, »spielt« ist der falsche Begriff, Paul Walker ist als Schauspieler ungefähr so gut wie ein blondierter Schimpanse. »Verkörpern« ist das passendere Wort. Paul Walker verkörpert also wieder den Ex-Undercover-Cop – drei schöne Dinge in einem Wort – der erneut in der illegalen Rennszene zu tun hat. Die Story ist zwar bescheuert, gleichwohl aber nicht total egal, sondern halbwegs nachvollziehbar und zugänglicher als in vielen Filmen, die so etwas wie Wert auf ihre Story legen. Es geht um einen lustigen, fiesen Drogengroßhändler mit kreativen Foltermethoden, dem sein finsteres Handwerk zunächst nachgewiesen und dann gelegt werden soll. Der Mann soll mit seinem schmutzigen Geld zusammengebracht werden, zu diesem Behufe heuern unsere Helden beim Finstermann als Fahrer an. Der Rest ergibt sich.

Das Schöne an diesem Film ist im Vergleich zum Vorgänger die Abwesenheit des unangenehm aufgeblasenen Vin Diesel, der sich durch überhöhte Gagenforderungen ins Abseits schoß und sich stattdessen in xXx breitmachte. Das andere Schöne ist der hierzulande weithin unbekannte R'n`B-Sänger, MTV-Moderator, Topmodel und Schauspieler Tyrese Gibson, der seinen Kollegen durchweg komplett an die Wand spielt. Lustig, böse, albern, entschlossen, ausgelassen oder eingeschüchtert: Tyrese kann einfach alles.

Zusammen mit Walker, der einfach gar nichts kann, ergibt sich wie von selbst das schwarzweiße Buddy-Movie nach klassischer Bauart. In einwandfreier Verarbeitung geliefert, begeistert es durch liebevolle Details im Finish. Und auch der Fahrtest ergibt keine Beanstandungen: In ca. 3 Minuten von null auf Höchstgeschwindigkeit, fährt es sich reibungslos durch alle Kurven, einzig eine leichte Neigung zum Übersteuern fällt negativ auf. Ein Spielzeug für große und nicht ganz so große Jungs, herrlich anzuschauen und überzeugend in den inneren Werten.

Und dann, ja, dann ist der hübsch animierte Nachspann vorbei, die pöbelnden Proleten, die sich solche Filme überwiegend ansehen, sind längst weg, und bevor die Titel rollen, erscheint ein Warnhinweis auf der Leinwand: Alles professionelle Stunts auf abgesperrten Straßen. Bitte nicht nachmachen.

Die Realität hat uns wieder. Vor dem inneren Auge sieht man auf einmal, wie Horden von zurückgebliebenen Muskelprotzen sich in ihre aufgemotzten Mantas stürzen und ohne Sinn und Verstand losrasen, und das Grauen, das einen da befällt, ist tiefer, als jeder Schreck im Kino es sein kann. Da bleibe ich doch lieber im Kino und sehe mir noch einen Film an. Notfalls noch mal denselben.

Die weitere Begutachtung von 2 Fast 2 Furious überlassen wir den Motorjournalisten, die sind da kompetenter. 1970-01-01 01:00

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