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2LDK – 2 Zimmer, Küche, Bad

J 2002. R,B: Yukihiko Tsutsumi. K: Satoru Karasawa. S: Noboyuki Ito. M: Nobuhiko Morino. P: Micott, Basara. D: Maho Nonami, Eiko Koike u.a.
70 Min. REM ab 13.5.04

Aragami

J 2002. R,B: Ryuhei Kitamura. K: Takumi Furuya. S: Shuichi Kakesu. M: Nobuhiko Morino. P: Micott. D: Takao Osawa, Masaya Kato, Kanae Uotani u.a.
80 Min. REM ab 29.4.04

Duell ohne Sieger

Von Matthias Grimm Wenn Filmfanatiker unter sich sind, stellt dies selten ein wünschenswertes Schauspiel dar: Meist beginnt das Gespräch damit, sich in polemischer Aussagelosigkeit zu übertreffen, immer bedacht darauf, möglichst unnützes Insiderwissen anbringen zu können. Prinzipiell wird dem anderen widersprochen, vor allem dann, wenn man eigentlich keine Meinung hat oder insgeheim die des anderen teilt. Wenn der Abend dann länger und der Alkoholpegel höher wird, zeigt man sich in streitbarer Weise versöhnlich und gibt vor, die Auseinandersetzung konstruktiv nutzen zu wollen.

So geschehen bei den japanischen Regisseuren Ryuhei Kitamura und Yukihiko Tsutsumi. Als Produkt einer durchzechten Nacht auf der Berlinale beschlossen beide, ihre Nerdigkeit in einem fairen Wettkampf auf die Probe zu stellen und jeweils einen Film zu drehen, denen ein gemeinsames Thema und die vereinbarte Drehzeit von sieben Tagen als Dogma gilt. »Duell« lautet das Thema, und die Inszenierung als Kammerspiel bildet die weitere Bedingung.

Als erstes geht Aragami ins Rennen, Kitamuras Beitrag als mythisch angehauchter Martial-Arts-Film: Ein Samurai gelangt schwer verletzt nach überstandener Schlacht in ein einsames Bergkloster, wo er sich mit dem scheinbar einzigen Bewohner zunächst in belanglosem Dialog zu duellieren scheint, bis sich sein Gegenüber als Kriegsgott Aragami offenbart und das schwertschwingende Gehüpfe an Decken und Wänden entlang beginnt, wie man es aus asiatischen Filmen auch in unserem Kulturkreis seit längerem hinreichend gewohnt ist. Daß Kitamura die Wette zunächst nicht ernst genommen und erst nach mehrmaligem Gemahnen durch Tsutsumi seinen Aragami während der Pre-Production-Phase von Osumi als dessen Machbarkeitsstudie inszenierte, ist dem Endprodukt und seiner Einfallslosigkeit anzumerken.

Dabei kann die Kampfszene in visueller Hinsicht gelegentlich sogar beeindrucken, speziell am Ende, als mit den Kerzen die einzige Lichtquelle im Raum erlischt, der Film sich damit seiner Bildhaftigkeit völlig verweigert und erst allmählich, zunächst vereinzelt, dann jedoch immer schneller und schließlich in stroboskophafter Hektik dorthin zurückfindet, indem die Szenerie nur durch die Funken der sich kreuzenden Klingen beleuchtet wird. Eine wundervolle Metapher für das Filmbild und seine technische Appartur an sich, für die filmische Welt, die nur durch die Imagination des Dargestellten entsteht.

Runde 2: 2LDK – 2 Zimmer, Küche, Bad beginnt stark und ganz anders. Zwei in ihrem Wesen gänzlich unterschiedliche Schauspielerinnen teilen sich eine Wohnung und konkurrieren um dieselbe Rolle. Tsutsumis Film begeistert zu Beginn vor allem durch seine formelle Strenge, wie man sie aus asiatischen Filmen auch in unserem Kulturkreis seit längerem hinreichend gewohnt ist. Der anfänglich heimliche, aber durch die aus dem Off kommentierenden Gedanken der Protagonisten für den Zuschauer erkenntliche Zickenkrieg wird im weiteren Verlauf immer expliziter, bis er sich zu einer an hinlänglich bekannten Horrorvorbildern orientierte Metzelorgie entwickelt.

Daß beide Beiträge auf eigenartige Weise wie Kurzfilmexperimente anmuten, liegt nicht daran, daß sie kurz oder kurzweilig wären, sondern weil sie gleichermaßen mager an Ideen und Handlung sind. Auf Festivals liefen die beiden Filme übrigens in der Regel im Doppel-Feature; im Anschluß daran durften die Besucher den Gewinner wählen. Gewonnen hat 2LDK.

Verloren hat allerdings nur der Zuschauer. 1970-01-01 01:00

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