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30 über Nacht

13 Going on 30. USA 2004. R: Gary Winick. B: Josh Goldsmith, Cathy Yuspa. K: Don Burgess. S: Susan Littenberg. M: Theodore Shapiro. P: Revolution, Roth/Arnold. D: Jennifer Garner, Mark Ruffalo, Judy Greer, Andy Serkis, Kathy Baker u.a.
95 Min. Columbia ab 9.9.04

Rundum-zufrieden-Film

Von Oliver Baumgarten Ein wirklich charmantes Märchen, das die What Women Want-Autoren da ausgesponnen haben: An Jennas 13. Geburtstag versteift sich ihr jugendlicher Zickenwunsch, endlich dreißig zu sein, in ein respektables Wunder. Sie wacht morgens auf und findet sich in ihrer eigenen Zukunft wieder. Jenna entdeckt, was für ein durchtriebenes Karriereluder sie geworden ist, die für den Erfolg alle Freunde und alle Vertrauten verraten würde. Sie beginnt zu ahnen, in welchem Moment ihrer Jugend die Tugenden über Bord gingen und rettet, was zu retten ist.

Was für eine schöne Grundlage, um bigotte amerikanische Lieblingsthemen wie Familienzusammengehörigkeit, Werteverlust und Moralappelle durch das Hollywood-Horn in die weite Welt zu posaunen. Herrliche Slapstick-Ideen paaren sich mit feister, weil doch recht verlogener Gutmenschpropaganda, die allerdings derart naiv präsentiert wird, daß sie sich ganz einfach wegschmunzeln läßt. 30 über Nacht ist in erster Linie aber das lang erwartete Vehikel, das Alias-Star Jennifer Garner endlich zu verdienten Kinoweihen verhelfen soll. Und so legt sie in den ersten Minuten ihres Auftritts (Jenna realisiert, daß sie plötzlich 30 ist) gleich kräftig los und spielt das kleine naive Mädchen mit einer Energie, der weder sie selbst noch der Zuschauer gewachsen ist. Stets eine Terz über der Glaubwürdigkeit und durchtrainiert wie ein afghanischer Windhund weckt sie in den ersten Minuten vor allem Mißtrauen. Ist der turbulente Beginn jedoch erst einmal überstanden, beginnt Jennifer Garner, es sich in ihrer Figur bequem zu machen und findet das richtige Tempo, indem sie ihre nervöse Mimik reduziert. Und irgendwann ist sie plötzlich voll da, beherrscht ihre Szenen und sammelt beim Zuschauer die nötigen Punkte, um die Romantic Comedy zu tragen.

Lustig also, charmant und unterhaltsam erzählt der Film von der reizvollen Möglichkeit, in seine persönliche Zukunft hineinzublicken. Ob das wirklich wünschenswert wäre, bleibt zu diskutieren. Der Film hingegen will diesbezüglich keine Fragen offen lassen und kann sich eine allerletzte Szene nicht verkneifen, in der dann aber auch wirklich alles, alles erzählt wird. Für mich eines der nervigsten Hollywood-Attitüden der letzten Jahre: Dem Zuschauer wird auch die kleinste Chance der eigenen Vorstellungskraft genommen durch gnadenloses, aufdringliches und entmündigendes Zuendeerzählen. Jeder Gag wird erklärt, jede offene Drehbuchsituation mit Erzählkitt geschlossen – eine Rundum-zufrieden-Lösung für den geneigten Zuseher. In solchen Momenten lobe ich mir die Servicewüste europäischer Film. 1970-01-01 01:00
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