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Die 3 Posträuber

A 1998. R,B: Andreas Prochaska. B: Ivo Schneider. K: Michi Riebl. S: Evi Romen. M: Erwin Kiennast, McGregory's. P: Wega. D: Rudolf Kowalski, Claude Oliver Rudolph, Thierry van Werveke, Dolores Schmidinger, Gusti Wolf, Jane Tilden u.a.
93 Min. AFM ab 16.3.00
Von Oliver Baumgarten Um Kinder an ein Medium heranzuführen, gibt es sicher unterschiedliche Wege. Das nicht für Subtilität geliebte Fernsehen zum Beispiel erfindet artikulationsschwache, grenzdebile Filzpuppen mit im Körper integrierten Bildschirmen, um eine Identifikation mit dem Medium gleich miteinzuschließen. Das ist ziemlich plump. Sehr viel schlauer wäre es, einfach gutes Fernsehen zu machen, so, wie Andreas Prochaska zum Beispiel hervorragendes Kinderkino schuf. Der Cutter von Michael Haneke adaptierte ein Buch Christine Nöstlingers, tat sich mit Robert Dornhelms Kameramann zusammen und versah die überaus komischen 3 Posträuber mit zahlreichen filmischen Anspielungen.

Gleich am Beginn führt eine Kranfahrt, verbunden mit vertrauten Westernklängen, unverblümt zu Sergio Leone, Mission: Impossible klingt ebenso an wie zahlreiche Motive aus »Kalle Blomquist«, Erich Kästner und Stand By Me. Claude Oliver Rudolph nimmt in seiner Rolle als mittlerer Posträuber herrlich selbstironisch seinen aktuellen Bond-Bösewicht voraus, und Dolores Schmidinger gelingt eine treffsichere Hommage an die aufgekratzten Figuren der legendären Komödiensirene Ruth Stephan.

Bei diesen sehr unaufdringlichen filmischen Referenzen kommt es nicht darauf an, daß sie erkannt werden. Viel erstaunlicher ist die Homogenität, die Prochaska mit den verspielten Elementen erzielt und die sich zugunsten der ungetrübten Freude von jeglicher Didaktik freispricht. Prochaska verschont die Zuschauer nicht nur mit einer moralischen Botschaft, sondern auch mit erzählerischem Ballast, der das flotte Tempo ausbremsen könnte.

Zwischen den drei Posträubern, die von zwei rivalisierenden Jugendbanden beschattet werden, wovon es der einen am Ende gelingt, sie dingfest zu machen, entwickeln sich urkomische Szenen. So gehört der Kampf zwischen Claude Oliver Rudolph und Thierry van Werveke, wer denn im Auto vorne sitzen darf, zum Besten, was ich von Figuren derselben Anlage seit langem gesehen habe, zumal die Pointe dieser Einstellung erst durch einen simplen Schwenk zum Tragen kommt. Die 3 Posträuber transportiert eine diebische Freude seiner Macher am Kino: Und das macht Kinder froh… 1970-01-01 01:00

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Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #17.
© 2012, Schnitt Online

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