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7 Zwerge – Männer allein im Wald

BRD 2004. R,B: Sven Unterwald jr. B: Otto Waalkes, Bernd Eilert. K: Jo Heim. S: Julia von Frihling. M: Joja Wendt. P: Zipfelmützenfilm, MMC Independent u.a. D: Otto Waalkes, Mirco Nontschew, Boris Aljinovic, Markus Majowski, Heinz Hoenig u.a.
95 Min. UIP ab 28.10.04

Familienfernsehfilm

Von Constanze Frowein Es war einmal der Familienfilm. Da herrschten noch die aus dem Mittelalter geretteten Tugenden wie Ehre, Treue und Mut, und jedes Familienmitglied durfte sich unschuldig-herzlich über eine Filmfigur freuen. Mama freute sich an der figürlichen Umsetzung des Patriarchats in seiner verführerischsten Form, Töchterchen bewunderte die wimpernklimpernde prinzessinnengleiche weibliche Hauptdarstellerin, ganz jungfräulich und brav, der Sohn durfte die tollkühnen Abenteuer des Helden den Körper im Kinositz windend miterleiden und Vater, der verglich – ganz wissend – die Buchvorlage mit der filmischen Adaption.

Sven Unterwaldts 7 Zwerge geben die klassische Rollenverteilung gänzlich auf. Denn Zwerg zu sein bedeutet nicht wie in der Grimmschen Vorlage, kleinwüchsig und langbärtig zu sein, sondern das Leiden an weiblichen Wesen. Die sieben Männer haben allesamt eine bittere Enttäuschung am heute als stark geltenden Geschlecht erlitten und sich so in einer WG im frauenfreien Wald zusammengeschlossen. Das Schneewittchen selbst ist nicht, wie im Original Produkt einer Liebe, die bei der Königinmutter erst mit dem Erblühen der töchterlichen Schönheit das Herz umkehrt. Die haßerfüllte Monarchin war zur Geburt des Kindes eine machtgierige Hebamme, die das Kind Kaspar-Hauser-ähnlich zum Zweck der Machtergreifung in ein Waisenhaus sperrt, um den König anschließend zu entthronen. Mit dieser Aktualisierung des Kindes als unbrauchbarem Produkt in einer Konsum als höchstem Gut verherrlichenden Gesellschaft hat der Film schon beinahe sein schöpferisches Ende erreicht. Denn Ottos Produktion lebt durch den Wiedererkennungswert aus einer Schwemme von Comedyserien. Nina Hagen spielt eine düstere Königin des Punk, Atze Schröder mimt den miniplisgekrönten Vorstadtprinzen, Otto hüpft giggelnd-geifernd als intellektfreier Ostfriesenzwerg durch den Wald, Mirco Nontschew harakirit im Andenken an eine einstmals samstagnächtliche Erfolgscomedysendung, um nur Beispiele zu nennen.

Der Familienfilm lebt – als fernsehverherrlichendes Medium, das zu einer Endlosschlaufe der totalitären Fernsehwelt führt. Denn nach dem Film können sich Mutter, Vater, Kind getrost auf die Couchgarnitur lümmeln, um zu beteuern, wie sehr Atze, Otto und alle anderen vertrauten Gesichter doch das sind, was sie sein sollen. Ihr eigenes Image. 1970-01-01 01:00
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