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8 Frauen

8 femmes. F 2001. R,B: François Ozon. K: Jeanne Lapoirie. S: Laurence Bawedin. M: Krishna Levy. P: Fidélité Productions. D: Catherine Deneuve, Isabelle Huppert, Emmanuelle Béart, Fanny Ardant, Virginie Ledoyen, Danielle Darrieux, Ludivine Sagnier u.a.
108 Min. Constantin ab 11.7.02
Von Ralph Eue Man könnte sagen, 8 Frauen ist die französische Version von Ocean's Eleven, und da die Grande Nation ein bißchen kleiner ist als die Weltmacht Nummer Eins, wird auch mit einer kleineren Ziffer operiert. Darum acht (da) statt elf (dort). Angenehm auch, daß sich beide Filme unbelasteter Zahlen bedienen, d.h. solcher, denen man keine Symbolik an den Hals reden kann. Deshalb keine dreizehn, keine sieben und keine neun, sondern irgendeine überschaubare Gruppenzahl, die dennoch genügend interne Aufschlüsselung zuläßt oder sogar erfordert.

Aber um den Tatsachen Rechnung zu tragen: Beide Filme sind ja nicht nur angenehm, sondern großartig! Und zu beider Großartigkeit trägt auch bei, daß sie das theoretische All-Star-Konzept – das dem Jazz musikalische Triumphe beschert hat, im Kino aber häufig nur zu implodierendem Overkill führte – mit Schauspielern konkretisieren, die einfach zu den besten ihrer jeweiligen Klasse gehören. Umgekehrt funktionieren aber beide Filme auch deshalb so gut, weil ihre Schauspieler Stars sind. Zusätzliche Bedingung: Sie müssen bereit sein, ihren Star-Status einerseits in die Waagschale zu werfen und ihn andererseits zur ironischen Disposition stellen. Denn es braucht das festgefügte Image einer Star-Schauspielerin wie zum Beispiel Isabelle Huppert, der kalt kochende Vulkan, daß man ihre Herrichtung zur alten Jungfer und noch mehr, zu einer Art weiblichem Louis de Funès wirklich goutieren kann.

Unverzichtbar jedenfalls in Ocean's Eleven wie in 8 Frauen: souveräne Haltung. Mißtrauen gegen die Psychologie. Schamlosigkeit. Stil(empfinden). Und, was bei 8 Frauen hinzukommt: ein Spirit, der der Welt der Neurosen und perversen Phantasmen nicht abgeneigt ist.

Worum geht's? Es ist tiefer Winter in der französischen Provinz. Irgendwo, mitten in einem großen Park, liegt ein Landhaus. Vielleicht geht es auf Weihnachten zu, jedenfalls schneit es. Suzon, die ältere Tochter des Hauses, kommt gerade zu Besuch aus ihrem englischen Internat. Man richtet sich auf ein paar Tage familiärer Harmonie ein, vielleicht mit Gesellschaftsspielen, sicher mit gutem Essen und vielen »Weißt du noch …«-Gesprächen. Ein Blick ins Zimmer des Hausherren offenbart, der Patriarch wurde in der Nacht erdolcht. Der Mörder (oder die Mörderin) muß eine der Frauen sein, mit denen das Opfer unter einem Dach zusammengelebt hatte. War es seine dominante Ehefrau? Seine altjüngferliche Schwägerin? Die kränkelnde Schwiegermutter? Vielleicht aber auch das anmaßende Hausmädchen oder die treue Haushälterin? Und nicht zuletzt ist gar denkbar, daß eine der beiden hübschen Töchter die Mörderin ist. Motive zumindest, so bringen die gegenseitigen Verdächtigungen nach und nach zu Tage, hätte jede. Warum jetzt niemand die Polizei ruft? Nun: Die Telefondrähte wurden gekappt. Man ist von der Außenwelt abgeschnitten, und dann naht auch noch durch den tiefverschneiten Park, völlig unerwartet, die elegant-verruchte Schwester des Ermordeten – und jetzt sind sie beieinander, die acht Frauen. Zusammengesperrt. Kein Entkommen möglich. Sieben, die vor Angst schlottern und eine, die vielleicht noch weitere Morde im Sinn hat. Aber wer sind die sieben, und wer ist die eine?

Das alles ist hochgradig irreal, wobei die Künstlichkeit noch dick unterstrichen wird durch herzzerreißend schöne und kitschige Chansoneinlagen – jede der Aktricen bekommt ihr Solo – was die Charaktere noch einmal zusätzlich, über Art und Farben ihrer eloquenten Garderoben hinaus, charakterisiert. Der Plot von 8 Frauen, reden wir nicht lange drum herum, ist mit heißer Nadel gestrickt und so durchscheinend wie Zellophan. Man könnte ihn mühelos als filmisches Musterbeispiel für Hitchcocks McGuffin heranziehen.

François Ozon, für den, wie er in verschiedenen Interviews erklärte, François Truffaut keine große Rolle spielte, erweist sich mit diesem Film ein weiteres Mal und überdeutlich als »der Mann, der die Frauen liebt(e)«. Was man daraus auch wieder ersehen kann: Filme wissen mehr als die Personen, die sie fertigen. 1970-01-01 01:00

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