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Alt, neu, geliehen und blau

Se til venstre, der er en svensker. DK 2003. R: Natasha Arthy. B: Kim Fupz Aakeson. K: Rasmus Videbæk. S: Kasper Leick. M: Kaare Bjerkø. P: Nimbus Film. D: Sidse Babett Knudsen, Lotte Andersen, Björn Kjellman, Søren Byder u.a.
90 Min. Senator ab 3.6.04

Szenen vor einer Ehe

Von Frank Brenner Wenn im Kino geheiratet wird und die Zeremonie als solche in den Mittelpunkt der gesamten Handlung rückt, geht dies zumeist mit einer Unzahl an Problemen einher. Erinnert sei an dieser Stelle nur an das Robert-Altman-Ensembledrama Eine Hochzeit, die rasante britische Komödie Vier Hochzeiten und ein Todesfall oder den jüngsten Beitrag Rana's Wedding, in dem eine junge Palästinenserin ihren zukünftigen Ehemann in den besetzten Gebieten auffinden und rechtzeitig ihrem Vater vorstellen muß.

Auch in Natasha Arthys Film hat es die Braut Katrine, um die die Handlung kreist, wenige Tage vor dem großen Ereignis nicht gerade leicht. Ihre Schwester Mette sitzt seit einigen Monaten in der geschlossenen Abteilung einer psychiatrischen Klinik, und Katrine kann sich nicht dazu durchringen, Mette von ihrer Hochzeit zu berichten. Sie macht sich Vorwürfe, weil es ihr eigentlich ganz recht ist, daß das Nervenbündel bei ihrer Vermählung mit Jonas nicht dabei sein kann. Ausgerechnet dann taucht auch noch Thomsen auf, der Mette vor zwei Jahren ohne Begründung verließ und sich in Afrika durchgeschlagen hatte. Das Chaos nimmt seinen Lauf, als sich Thomsen mehr und mehr als ernsthafte Konkurrenz zum Bräutigam in spe zu entpuppen beginnt.

Arthys Film ist eine gewöhnungsbedürftige Mischung aus Charakterstudie, Drama und Komödie. Zunächst verbreitet der Film nämlich eine recht depressive Stimmung, wenn bei den Kommunikationsversuchen zwischen den Protagonisten immer wieder alles fehlschlägt und eine Hiobsbotschaft auf die nächste folgt. Mit dem Auftauchen Thomsens kommt eine leichtfüßige Komödienqualität hinzu, die sich immer weiter in ein temporeiches Wirrwarr hineinsteigert. Dazwischen gibt es die geradezu surrealistisch anmutenden Gesangseinlagen aus der Gedankenwelt respektive dem Walkman der labilen Mette. Diese sind für die Synchronfassung gleichermaßen übersetzt worden, was wahrscheinlich unbeabsichtigt aber trotzdem zusätzlich verstörend wirkt.

So richtig anfreunden kann man sich mit den dänischen Szenen vor einer Ehe nicht, auch wenn die Darsteller, allen voran Sidse Babett Knudsen in der Rolle der Katrine, überzeugen können. Dazu bleibt der Film zu sehr in einem Niemandsland zwischen Drama und Komödie stecken. Es ist zwar mal ganz nett, aus Dänemark etwas anderes als einen Dogma-Film zu sehen zu bekommen, aber wenn das Ergebnis dann belanglos-unentschlossen ausfällt, hätte man eigentlich auch darauf verzichten können. 1970-01-01 01:00
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