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Annas Sommer

D 2000. R,B: Jeanine Meerapfel. K: Andreas Sinanos. S: Bernd Euscher. M: Floros Floridis. P: Integral u.a. D: Herbert Knaup, Michalis Mitroussis, Angela Molina, Dimitris Katalifos u.a.
107 Min. Basis ab 10.1.02
Von Thomas Waitz »Verschwindet, ihr Geister. Die Nacht ist zuende«, sagt ganz am Anfang Anna. Doch während sie durch das alte Anwesen Ihrer Familie an der Ägäis streift, sind die Toten wieder da: Max, ihr kürzlich verstorbener Mann, oder Leon, der übermächtige Vater. Sie greifen nach einem Platz in Annas Leben. Durch ein paar Worte, mögen sie noch so energisch gesprochen sein, lassen sie sich nicht verjagen.

Über den Zeitraum eines Sommers beschreibt Jeanine Meerapfels Film anhand der Hauptfigur den Prozeß einer Selbstfindung – zwischen einer sich überlagernden Erinnerung und einer ungewissen Zukunft in Griechenland, in Deutschland, woanders. Typisch für Identitätskonstruktionen findet diese Verhandlung in Form von Selbsterzählungen statt, die sich filmisch mit der Erinnerung an Gegenstände der sichtbaren Welt – Bücher, Andenken, Dokumente – und der Ebene erträumter Vorstellungen verknüpft. Dabei werden die Lieblingsdiskurse der Brigitte-Leserinnen fleißig abgeklappert: Olivenöl, Älterwerden und deutsche Vergangenheitsbewältigung. Wenn die Kamera eine gerade Reihe auf dem Boden drapierter Kleidungsstücke abfährt, um schließlich zum Kader der im Bett versunkenen Liebenden zu gelangen, zeigt sich zudem die ganze visuelle Hilflosigkeit tausendmal gesehener Bilder. Ein Film, der rundum gefallen und »poetisch« sein will. Und das ist so ziemlich das schlechteste, was sich überhaupt sagen läßt. 1970-01-01 01:00

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Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #25.
© 2012, Schnitt Online

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