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Batman Begins

USA 2005. R,B: Christopher Nolan. B: David S. Goyer. K: Wally Pfister. S: Lee Smith. M: Hans Zimmer, James Newton Howard. P: Warner. D: Christian Bale, Michael Caine, Liam Neeson, Katie Holmes, Gary Oldman u.a.
140 Min. Warner ab 16.6.05

Lehrjahre eines Superhelden

Von Dietrich Brüggemann Es dauert ja immer eine Zeit, bis man merkt, daß eine Zeit abgeschlossen und vorbei ist. Die 90er zum Beispiel kommen jetzt erst in die Phase, in der man merkt: Es ist vorbei und kommt nicht wieder. Die Zeiten haben sich unversehens geändert.

Das kann man sich sehr schön vor Augen führen, wenn man die letzten beiden Batman-Filme von Joel Schumacher sieht. Dieses ganze knatschbunte Affentheater, das ist alles sowas von 90er Jahre, daß es einen graust. Natürlich gab es in den 90ern auch andere Sachen, aber irgendwie stehen diese zwei Filme schon recht exemplarisch für den kulturellen Mainstream eines Jahrzehnts.

Das fällt auf, weil jetzt der neue kommt. Batman Begins von Memento-Macher Christopher Nolan (dessen zwischendurch gedrehten Insomnia irgendwie niemand gesehen hat und der daher weiter als Memento-Macher bezeichnet werden darf) ist bestrebt, die größtmögliche Distanz zwischen sich selber und Schumachers Untaten zu bringen. Er ist finster. Er sieht echt aus. Er ist ernst. Alles gut. Zwischendurch wird er bierernst, und das ist dann nicht mehr gut.

Der Film behandelt, wie der Titel schon leise andeutet, die Lehr- und Wanderjahre eines Superhelden. Bruce Wayne, verwaister Millionärssohn, sitzt in einem KZ am Ende der Welt, also irgendwo in Asien, wird dort von Liam Neeson herausgeholt und zum Samurai ausgebildet. Dann (oder davor oder zwischendurch, der Film ist da etwas konfus geschnitten) kehrt er in seine Heimatstadt Gotham City zurück, bezieht das leerstehende Schloß seiner Eltern und verwandelt sich nach einigem Hin und Her in den dunklen Ritter der Nacht, wie wir ihn kennen.

Christopher Nolan orientiert sich im Visuellen ganz klar am Genreklassiker Blade Runner, ohne jedoch dessen inhaltliche Vielschichtigkeit zu streifen. Batman Begins ist ein respektabler Film geworden, der vieles richtig macht. Er läßt sein Personal in einer zwar nicht realen, aber plausiblen Welt wohnen. Er führt einige glaubwürdige, lebendige Figuren ein. Er zeigt die Entwicklung des Helden ohne die Hollywood-üblichen Auslassungen und Angebereien. Er hat große Bilder und große Szenen. Im Internet wird gejubelt, die Filmgemeinde ist restlos begeistert und hebt den Film in den Himmel. Und doch fehlen einige entscheidende Dinge.

Das fängt beim Drehbuch an. David S. Goyer, der zuletzt als Autor und Regisseur von Blade Trinity ausgesprochen unangenehm aufgefallen ist, erzählt eine brauchbare Geschichte mit einigen packenden Momenten – aber es gelingt ihm nicht, Akzente zu setzen, die daraus etwas Besonderes machen. Das zeigt sich am finalen Showdown, der so konventionell daherkommt wie eh und je. In der Handlung gähnen Löcher, Figuren werden halbherzig entwickelt, ab und zu schwärmen Fledermäuse durch die Gegend, und keiner weiß warum. Und was für einen Film von diesem Kaliber ein echtes Manko ist: Die Action-Sequenzen haben nicht viel greifbaren Bezug zur Handlung.

Christopher Nolan ist als Regisseur souverän genug, um den üblichen Dämlichkeiten des Comic-Action-Kinos aus dem Weg zu gehen. Er nimmt sein Aufgabe ernst und gibt sich große Mühe, dem Film einen eigenständigen Realismus zu verleihen. Doch gelegentlich geht er seinem eigenen Ernst auch in die Falle. Comic-Verfilmungen sind immer ein Spiel mit der eigenen Distanz zum Stoff – Joel Schumacher hatte deutlich zuviel davon, Tim Burton so etwa das richtige Maß, Christopher Nolan ist bisher nicht durch Humor aufgefallen und nimmt auch hier alles sehr ernst. Das Drehbuch hat ein paar Standard-One-Liner, aber die Inszenierung beschränkt sich darauf, Dinge echt aussehen zu lassen, hinterfragt niemals ihren eigenen Charakter, schwingt sich zu keiner Leichtigkeit auf, bleibt immer auf dem Boden der Tatsachen. Doch sie kann nicht verhindern, daß wir irgendwann dahinterkommen, daß das ganze ja doch eigentlich eine ziemlich platte Story ist, und das ist der Moment, da man zum Film auf Distanz geht, da er es selbst so gar nicht tut.

Nehmen wir zum Beispiel mal das Batmobil. Es sieht aus wie ein mißglückter Hummer-Sportwagen, fährt schnell und kann springen, und das war es dann auch. Das Dumme daran ist eben, daß es nicht lustig ist, sondern ernst sein will. Es haut nicht hin. Wo man lachen könnte, gähnt man.

Ernst ist auch der Hauptdarsteller. Christian Bale hatte in anderen Filmen einiges zu bieten, hier scheint ihm etwas langweilig zu sein. Was immer man von einem Batman-Darsteller erwarten könnte – Charisma? Geheimnis? Finstere Abgründe? – er hat es nicht so richtig. Er ist ernst und entschlossen, aber als Identifikationsangebot taugt das nicht so recht.

Wie gesagt: Batman Begins ist kein schlechter Film. Er ist wahrscheinlich das beste, das aus diesem Drehbuch herauszuholen war. Christopher Nolan feierte seinerzeit den Durchbruch mit einem gut inszenierten Film, dessen eigentlicher Geniestreich aber das Drehbuch war und dessen Hauptdarsteller einem die ganze Zeit ziemlich egal war. Hier liegen die Dinge ähnlich, nur ist das Drehbuch kein Geniestreich, dafür war mehr Geld da, so daß man tolle Bilder machen konnte, die an andere Filme erinnern. Keine eigene, große Vision, dafür enorm gute Detailarbeit und einige denkwürdige Szenen. 1970-01-01 01:00
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