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Cable Guy – Die Nervensäge

The Cable Guy. USA 1996. R: Ben Stiller. B: Lou Holtz Jr. K: Robert Brinkmann. S: Steven Weisberg. M: John Ottman. D: Jim Carrey, Matthew Broderick, Leslie Mann, George Segal u.a.
105 Min. Columbia ab 10.10.96
Von Hasko Baumann Deutschland haßt Jim Carrey. Den Eindruck hat man, wenn man immer wieder hören muß, wie er aufgrund seiner extremen Form der physical comedy als eine Art Grimassenfatzke dargestellt wird. Dabei wird beständig ignoriert, welches Talent in Carrey kocht und wie energiegeladen er die Leinwand beherrschen kann. In Cable Guy spielt er den Fernsehtechniker Chip, den sich der gerade von seiner Freundin vor die Tür gesetzte Steven (Matthew Broderick) zwecks Legung eines neuen Kabelanschlusses in die Wohnung bestellt. Pech für Steven: Chip will jetzt unbedingt sein bester Freund sein und mischt sich fortan penetrant in Stevens Leben. Als Steven genug hat von Chips aufdringlicher Lebenshilfe, übernimmt der cable guy kurzerhand die Kontrolle.

Obwohl Cable Guy natürlich hauptsächlich von den vielseitigen Eskapaden des Komik-Kraftpakets Carrey lebt, ist dies Carreys erste Hauptrolle, die seinen Stil sinnvoll in die Story einbindet. Dabei kommt ihm zugute, daß Ben Stiller Carreys performances nicht einfach abfilmt, sondern flüssig und visuell einfallsreich inszeniert. Sicher, der Film hat Hänger, zudem wirkt Broderick in der zugegebenermaßen undankbaren Rolle des Reagierenden zu steif.

Diesen kleinen Mankos stehen aber hinreißend komische Szenen gegenüber: Carrey, wie er mit eigenwilligem Aufwärmen und aggressivem Spielstil ein Basketballspiel ruiniert; Carrey, wie er eine Karaoke-Party mit einer energischen Version von Jefferson Airplanes »Somebody To Love« in einen psychedelischen Trip verwandelt; Carrey, wie er in pupillensprengendem 70er-Outfit zu Mayfields »Pusherman« durch ein Restaurant gleitet; Carrey, wie er mit Brodericks Familie »Porno-Paßwort« spielt. Schade nur, daß der Film in ein furchtbar sülzig-ernstes Finale mündet, welches Chip als TV-Opfer reinwäscht. Vielleicht wird sich ein US-Film irgendwann trauen, eine Nervensäge zu porträtieren, die um des Nervens Willen nervt und es einfach genießt, jemanden kaputt zu machen. Aber bis dahin ist Cable Guy schon mal eine gute Wahl. 1970-01-01 01:00

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Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #04.
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