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Collateral

USA 2004. R,B: Michael Mann. B: Stuart Beattie, Frank Darabont. K: Paul Cameron. S: Jim Miller, Paul Rubell. M: James Newton Howard. P: DreamWorks, Paramount, Edge City Films. D: Tom Cruise, Jamie Foxx, Jada Pinkett Smith, Mark Ruffalo u.a.
120 Min. UIP ab 23.9.04

»I do this for a living«

Von Maxi Braun Tom Cruise ist ein Held. Ob als Geheimagent, Vietnamveteran oder zuletzt konvertierter Samurai – egal, wie fragwürdig er sich im Verlauf seiner Filme auch verhalten mag, am Schluß ist er stets der breit lächelnde Gewinner. Und wie alle Helden hat er wohl irgendwann die Nase voll gehabt vom ewigen Heroismus und Michael Mann um eine Rolle in Collateral angehauen.

Was anno in Road to Perdition jedoch nicht einmal Tom Hanks vergönnt war, darf Cruise jetzt bis zum bitteren Ende auskosten: Als Auftragskiller Vincent ist er tatsächlich richtig fies.

Wie üblich verzichtet Regisseur Michael Mann auch in Collateral nicht auf laute Schußwechsel und fliegende Blechkarossen, aber er ist klug genug, diesen Bombast immer wieder durch intime Momente zu unterbrechen, in denen er seine Figuren miteinander interagieren läßt. Collateral beginnt ganz leise mit einer zunächst aus dem Kontext genommenen, viertelstündigen Taxifahrt über die Highways eines wenig pittoresken L.A. Eine Frau und ein Mann kommen sich näher, der Regen prasselt von außen gegen die Scheiben, und diese ersten Augenblicke des Kennenlernens zwischen zwei Fremden inszeniert Mann mit geradezu federleichter Zärtlichkeit. Flüchtige Blickkontakte im Rückspiegel reichen aus, um Vertrautheit auf engstem Raum zu erschaffen, bis das Wageninnere auf einen Mikrokosmos zusammenschrumpft.

Natürlich muß das große Schlachten letztlich beginnen, und nachdem Taxifahrer Max, angenehm zurückhaltend dargestellt von Jamie Foxx, sich von der schönen Jada Pinkett Smith verabschiedet hat, trifft er auf Vincent, der ihn immer tiefer in den Strudel aus Gewalt und Mord hineinreißt. Der Killer und sein unfreiwilliger Chauffeur kommen sich dabei ebenfalls näher, nur bläst sich das arg ramponierte Taxi diesmal auf gigantische Ausmaße auf, bis die beiden Männer Welten voneinander zu trennen scheinen.

Durch perfekt choreographierte Actionsequenzen unterbrochen, verbinden sich diese ganz den Schauspielern gehörenden Szenen zu einem spannenden Wechselspiel, das auf den unweigerlichen (und etwas konstruierten) Showdown zusteuert.

Und Everybody's Darling Tom Cruise? Der darf, ohne eine Miene zu verziehen, seine Todesliste abarbeiten und wirklich böse sein. »I do this for a living!« ist denn auch die einzige Erklärung, die er lapidar für sein skrupelloses Verhalten gibt, und wir glauben ihm sofort, daß er seine Profession äußerst gewissenhaft ausübt. Manchmal tut es gut, Helden fallen zu sehen; aber noch schöner ist es, wenn sie endlich mal richtig fiese Schweine sein dürfen. 1970-01-01 01:00

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