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1:1 – Eins zu Eins

En til en. DAN/GB 2005. R: Annette K. Olesen. B: Kim Fupz Aakeson. K: Kim Høgh. S: Molly Steensgaard. M: Kåre Bjerkø. P: Zentropa, Den der sover, TV2. D: Mohammed-Ali Bakier, Joy K. Petersen, Anette Støvelbæk, Helle Hertz u.a.
90 Min. Arsenal ab 10.5.07

Die gerechte Stadt

Von Christian Lailach Zu Beginn des 20. Jahrhunderts sollten die Städte Europas beginnen, eine folgenreiche Entwicklung zu vollziehen. Landwirtschaft: Adé! Industrialisierung: Hereinspaziert! Die Stadt sog die Menschen an, und diese blieben kleben wie Metallspäne an den Rändern eines Magneten. Das Vierrad blies den Traum von der autogerechten Stadt geradewegs in die Köpfe der Städteplaner, während manch anderer von Menschen träumte, die im harmonischen Miteinander normierte Ställe bewohnten. Weit draußen entstanden Satelliten, eigenständig, umspült nur vom ewig fließenden Verkehr; innen platt und grün und Platz für tausend kleine Individuen.

Da sitzt du nun, in Chorweiler, Marzahn und Silberhöhe. Hamburg, London, Paris. Du willst hier raus, du hast sie nie gewollt. Genauso wenig wie Shadi und Søs in Kopenhagen. Eine schöne Aussicht hat man doch von hier oben / woanders hängen sie abends auch auf der Straße rum / auf die Stadt und die kleinen fremden Menschen / trinken Bier im Park und schlagen sich die Köpfe ein. Du weißt es, du kommst hier nicht raus, nie wirst du es schaffen. Du würdest dich fürchten, fürchten, die Kontrolle zu verlieren über die Entwicklung fernab von dir – und doch nicht fern genug.

Olesen scheint diese Furcht zu kennen. Sie zeichnet ein Bild der jugendlichen Liebe zwischen einer Dänin und einem jungen Muslimen, nah an der Zeit, manchmal ein wenig zu nah. Doch liegen Vertrauen und Mißtrauen genau so grenzenlos nah beieinander. Der erwartete Glaube in einen anderen Menschen offenbart unvermittelt eine kulturelle Differenz, welche im Grunde doch nur ein verletztes Herz in sich birgt. Hingegen innerkulturell brechen Welten auf, die über das Maß des Vertrauens und der Liebe hinausreichen und diese jäh infrage stellen.

Jungen, weitestgehend unberührten Schauspielern verlangt Olesen eine Leistung ab, die diese ob ihrer Naivität und Erfahrungen in der Lage sind zu vermitteln. Der Kontrollverlust wird gleichsam dir – egal ob erneut oder erstmalig – bewußt, und du befürchtest, daß es diesen aufzuhalten der Energie eines Jeden bedarf. Ein derartiges, ernsthaftes und zugleich ehrliches Engagement aufzubringen werden jedoch nur wenig Menschen imstande sein. Der Weg zurück oder hin zu einer offenen Individualität scheint sich derweil im Massenverkehr der Großstädte in Umleitungen, Einbahnstraßen und Sackgassen zu verlieren. 1970-01-01 01:00

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