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'Ne günstige Gelegenheit

D 1999. R,K: Gernot Roll. B: Thomas Oliver Walendy. S: Hans Funck. M: Ulrich Reuter. P: Letterbox. D: Benno Fürmann, Armin Rohde, Rebecca Immanuel, Herbert Knaup u.a.
90 Min. Warner ab 18.11.99
Von Manuela Brunner Gute Geiseln sind selten, fand Ted Demme, und Lorenz Kellermann alias Herbert Knaup muß erfahren: Gute Geiselnehmer sind ebensowenig die Regel. Gosbert und Abo stehen mit ihrer Begabung in einer Reihe mit den Mrs. Stone-Entführern.

Nachdem Benno Fürmann und Armin Rohde der Versuch mißglückt ist, Kellermann unter einer Campingplatzdusche zu ersäufen, werden sie klug und versuchen, Kapital aus ihrem Fang zu schlagen, und stellen dabei fest, daß jener wirklich kein kleiner Fisch ist. Eine besonders unangenehme, aber bei weitem nicht die einzige Schwierigkeit, ergibt sich, als der potentielle Lösegeldzahler Karl Knaup statt eines ganzen Bruders, denselben lieber in appetitlichen Häppchen serviert haben möchte.

Eine neue Sorte von Komödie versucht gerade, in Deutschland Bahn zu brechen: Nach der Phase der klinisch sauberen Beziehungskomödien findet sich hier mit 'Ne günstige Gelegenheit ein Film, der dem Schweiß-und Schmutz-Film Texas näher steht als den Filmen der Eichinger- und Wortmann-Fraktion. »Kotz die Wand an« – Gosberts bis zum Erbrechen wiederholter Lieblingssatz mag als Symptom stehen.

'Ne günstige Gelegenheit hat zwar einen herrlich abgebrühten Herbert Knaup, ausgefallene »Zisch-Boing-Doing«-Sound-Effekte, die Comic-Atmosphäre erzeugen, und sekundenlang gelingt Roll sogar eine dramatische Situation mit faszinierend-dynamischer Kamera im großen Patt aller Gegenspieler. Das Bandrikistanisch der Russen-Mafia bereichert das Universum der Sprachen um eine weitere, fast so klangvolle Dimension wie das Klingonische: »Korrega Tabbs!«

Aber leider fehlt dem Film eine verdreht-bekifft-geniale Figur wie Oliver Korittkes Keek, der arme Armin Rohde wird als Stichwortgeber verheizt und Rebecca Immanuel wirkt wie ein weiterer Abklatsch der gutherzigen Latina-Hure, deren Figur schon länger nicht mehr funktioniert. Viele Gags wirken abgegriffen oder zumindest deutlich abgeschaut von amerikanischen Vorbildern, die es einfach besser können: Stichwort Fargo ist alles, was hier verraten sei.

Wenn alles nicht so friedefreude-eierkuchen enden würde, wäre der Film vielleicht zu retten gewesen. Die Bemühungen, das Ende zu überzeichnen und dadurch ironisch zu brechen, gehen nicht auf und so auch nicht die Rechnung, mit einer Mischung aus Konformität und Gegen-den-Strom-schwimmen die deutsche Komödie zu bereichern. 1970-01-01 01:00
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