— — —   DER SCHNITT IST OFFLINE   — — —

Swingers

USA 1996. R,K: Doug Liman. B: Jon Favreau. S: Stephen Mirrione. M: Justin Reinhardt. D: Jon Favreau, Vince Vaughn, Ron Livingston, Heather Graham u.a.
96 Min. Kinowelt ab 24.7.97
Von Christine Ehret Ein erfolgloser Komiker und seine Freunde jagen mit ihren Kisten durch das Nachtleben Hollywoods, um ein paar »pretty babies« aufzureißen. Dabei ist Komiker Mike eher unfreiwillig komisch: Vor sechs Monaten von seiner Collegeliebe Michelle verlassen, hängt er nun wie ein Häuflein Elend in den Seilen und kann der Baggerwut seiner Kumpels nur mit mäßigem Engagement nacheifern. Er läßt sich zwar von Frauenliebling Trent zu einem Las Vegas-Trip überreden, doch Mike weckt in den von Trent mühsam angeheizten Mädels mit seinem Liebeskummer sämtliche erotikkillenden Mutterinstinkte.

Auf den hippen Parties der Filmszene wird der Herzschmerz-Gebeutelte von den aufstrebenden Hollywood-Sternchen lediglich nach seiner Automarke gefragt. Als er dann eines abends tatsächlich eine ganz nette Frau kennenlernt, ruft er diese noch in der gleichen Nacht zwanzig Mal an, um ihr den Anrufbeantworter mit Seelenschrott vollzulabern. Erst nach weiteren Trauerritualen erreichen Amors Pfeile Mikes nun vom Ballast befreites Herz.

Drehbuchautor Jon Favreau hatte gewiß keine hochglanzgelackten Melrose-Place-Menschen und ihre Probleme mit der neuesten Zahnweiß-Zahnpasta im Sinn, als er sich diese witzige und zugleich gefühlvolle Komödie ausdachte. In Anlehnung an eigene Erfahrungen mit der Nightlife-Szene Hollywoods, beschreibt er in ihrer Alltäglichkeit rührende Männerfreundschaften mitsamt ihren draufgängerischen »Jagdausflügen« in swingende Nachtclubs. Es gelingt ihm in meisterhafter Weise, das Flirten und die dazugehörenden Bagger-Crash-Kurse in seiner ganzen naiven Verspieltheit zu vermitteln. Sowohl dem männlichen als auch dem weiblichen Kinopublikum wird mit »aus dem Nähkästchen geplauderten« Erkenntnissen über die menschlichen Schwächen in Gefühlsdingen ein mal liebevolles, mal hämisches Schmunzeln entlockt.

Durch die dokumentarische Leichtgewichtkamera von Regisseur Doug Liman bekommt das äußerst ungestellt wirkende Ambiente einen zusätzlichen Touch der Unmittelbarkeit. Auch die Unbedarftheit der erfrischend unbekannten Darsteller kommt der unbeschwerten Erzählweise dieser spritzigen Alltagsstudie zugute. Besonders hervorgehoben sei hier Drehbuchautor Jon Favreau himself: Als Mike vollzieht er eine glaubwürdig mühsame Verwandlung von der liebesverkümmerten Raupe zum aus Zuversicht bunt schillernden Schmetterling. 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #07.
© 2012, Schnitt Online

Sitemap