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The 6th Day

USA 2000. R: Roger Spottiswoode. B: Marianne Wibberley, Cormac Wibberley. K: Pierre Mignot. S: Mark Conte, Dominique Fortin, Michel Arcand. M: Trevor Rabin. P: Phoenix Pictures. D: Arnold Schwarzenegger, Tony Goldwyn, Michael Rapaport, Michael Rooker, Robert Duvall, Sarah Wynter u.a.
120 Min. Columbia ab 14.12.00

I’ll be back

Von Frank Brenner Als Arnold Schwarzenegger zu Beginn von The 6th Day einen Laden für geklonte Haustiere verläßt, sagt er zum Angestellten: »I might be back«, worauf dieser erwidert: »You will be back!« Obwohl er diesen Laden im Laufe des Films nicht wieder betreten wird, steckt eine ganze Menge Wahrheit in diesem selbstironischen Wortwechsel. Schwarzeneggers letzter Leinwandauftritt nach einer längeren Zwangspause verlief 1999 nicht ganz so gut wie erwartet. End of Days war, gemessen an seinem Budget und dem Einspielergebnis, ein Flop. The 6th Day könnte indessen die Rückkehr des österreichischen »Äktschn«-Kolosses einleiten.

Am sechsten Tag schuf Gott den Menschen nach seinem Bilde, heißt es in der Bibel. Der Film spielt in einer nicht allzu fernen Zukunft, in der Wissenschaftler Gott diese Aufgabe längst abgenommen haben. Es werden nicht mehr nur Schaf-Dollys oder menschliche Ohren auf Mäusen gezüchtet, sondern unlängst verstorbene Menschen einfach geklont und somit um ihren Tod gebracht und mit dem Geschenk des ewigen Lebens belohnt – Gedanken und Erlebtes werden in die Doppelgänger einfach eingespeist und nach zwei Stunden ist der Verstorbene wieder voll da.

Die ethische Debatte um eine derartige, von Schriftsteller Aldous Huxley schon vor Jahrzehnten in ihren Grundzügen vorausgeahnten »Schönen neuen Welt« ist schon seit einer ganzen Weile im Gange. Wie weit darf der Mensch der Natur (oder Gott) ins Handwerk pfuschen? Wo sind die Grenzen zwischen dem noch Akzeptablen und dem bereits Unverantwortbaren? Roger Spottiswoode bezieht in seinem Film recht eindeutig Stellung. Zwar zeigt er dem verblüfften Zuschauer immer wieder die faszinierenden Möglichkeiten der neuesten Technologien, nicht nur beim Einsatz modernster Spezialeffekte und Computertricks. Er präsentiert uns in der Tat eine schönere, neuere Welt, in der der Kühlschrank merkt, wenn keine Milch mehr da ist und per Knopfdruck neue bestellt werden kann, oder in der man nur noch ins Auto einsteigt, um dem Bordcomputer den Bestimmungsort mitzuteilen.

Auch wenn Spottiswoode uns mit dem schönen Schein ködern will, warnt er uns doch letzten Endes vor den im Film beschriebenen Errungenschaften. Psychologische Aspekte spielen hinein, wenn der Klon durch die Übertragung seiner Gedanken auch mit der schmerzvollen Erfahrung seines bereits erlebten Todes zurecht kommen muß. Und was geschieht, wenn man noch vor seinem Tod geklont wird und plötzlich nicht mehr einzigartig ist, sondern sich gegen sein eigenes eineiiges Zwillingsdouble behaupten muß?

Spottiswoodes Film ist in erster Linie perfekt gemachte Actionunterhaltung, aber indem er all diese existentialistischen Überlegungen mit einbezieht, hebt er sich von anderen Genreproduktionen deutlich ab. Nicht zuletzt kommt auch der Humor nie zu kurz, was wohl hauptsächlich an der erfrischenden Selbstironie Schwarzeneggers liegt. In Pressemitteilungen ließ er verlauten, daß er diesen Film absichtlich weniger gewalttätig angelegt habe (er ist auch einer der Produzenten), damit er ihn auch mit gutem Gewissen seinen Kindern vorführen kann. Ob die Kleinen The 6th Day nun wirklich anschauen durften, weiß nur Familie Schwarzenegger; diese Aussage jedenfalls parodiert der Film in einer Szene auf hervorragende Weise. 1970-01-01 01:00
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