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(T)Raumschiff Surprise – Periode 1

D 2004. R,B: Michael Herbig. B: Alfons Biedermann, Rick Kavanian. K: Stephan Schuh. S: Alexander Dittner. M: Ralf Wengenmayr, Stefan Raab. P: Herbx Film. D: Michael Herbig, Rick Kavanian, Christian Tramitz, Til Schweiger, Anja Kling, Sky Du Mont, Hans-Peter Hallwachs, Reiner Schöne u.a.
87 Min. Constantin ab 22.7.04

Bullys Tanten

Von Oliver Baumgarten Eine gewisse Skepsis war durchaus angebracht dem Nachfolgeprojekt eines deutschen 11-Millionen-Zuschauer-Films gegenüber. Würde Michael Herbig trotz dieses Erfolgsdrucks noch einmal die Chuzpe besitzen, so konsequent und unbeschwert die ihm eigene Art der Ausgestaltung von Figuren, Geschichten und Gags durchziehen zu können? Das Ergebnis ist ohne Übertreibung als riesige Überraschung zu bewerten. (T)Raumschiff Surprise ist auf der Ebene dessen, was er sein will, nämlich eine deutsche Blockbuster-Komödie, von selten gesehener Perfektion.

Michael Herbigs technischer Stab hat insgesamt Maßstäbe gesetzt, die für einen deutschen Mainstreamfilm in den letzten Jahren so gar nicht mehr denkbar erschienen. Und damit sind nicht allein die zahlreichen CGI-Effekte gemeint, dank derer Weltraum- und Großstadt-Panoramen geschaffen wurden, kleine Aliens und eine beachtliche Verfolgungsjagd im Stile des berühmten Star Wars-Rennens. Schon diese Leistungen sind dank der gelungenen visuellen Qualität für den deutschen Film einzigartig. Doch über die bloßen Ergebnisse der CGI-Abteilung hinaus faszinieren die Sorgfalt in der Bildauflösung, die liebevolle Ausstattung, der zuverlässige Taktschlag der brillanten Montage, ein saftiger Sound und das sitzende Timing der Erzählung. All das erzeugt eine erstaunliche visuelle Kraft, die es mit manchem internationalen Werk aufnehmen kann. Und so etwas gelingt nur dem, der eine wahre Leidenschaft für das Medium Film besitzt und sie mit aller Konsequenz umzusetzen versucht. Darauf etwa verweist auch die wunderbar spielerische und (für das zuletzt so gequält wirkende Genre des Parodiefilms) fast harmonische Art, mit der Herbig über ein Dutzend Verweise und Zitate auf Filme verschiedenster Genres in die Handlung einfließen läßt.

Weil Herbig vermutlich tatsächlich all das verwirklicht hat, was er am Kino liebt, ist (T)Raumschiff Surprise ein solch konsequentes Stück Kintopp geworden. Doch zu all dem, was Herbig liebt, gehört nun mal auch seine ganz eigene Art von Humor. Und auch die zieht er natürlich konsequent durch. Das ist dann manchmal etwas schwierig. Konnte man etwa beim Wixxer in einer deutschen Komödie einmal wieder durchatmen, weil der gänzlich ohne Tuntenklischee auskam, so wird das Raumschiff Surprise ja gleich von drei Klischeetunten manövriert, die sich über 90 Minuten mit sämtlichen Eititei-Gags der Bullyparade über Wasser halten. Seit Gunther Philipp und Peter Alexander hält sich die Klischeetunte hartnäckig im traurigen Repertoire deutschen Komödienguts und hat durch die Bullyparade noch einmal kräftig Aufschub bekommen. Neues kann (T)Raumschiff Surprise diesbezüglich also nicht vorweisen und schickt seine drei schwulen Weltraumhelden zur Erde, wo sie beauftragt werden, via Zeitreise die Welt zu retten. Mit dabei sind außerdem der Spacetaxifahrer Til Schweiger und die Erdenkönigin Anja Kling. Und wenn auch auf der durchaus turbulenten Reise wahrlich nicht jeder Gag zündet, so ist das alles dennoch wunderschön anzusehen.

Es wird der Tag kommen, da Michael Herbig seiner flachsten Gags selbst überdrüssig wird und eine etwas subtilere Form des Humors entwickelt. Hat seine Liebe und seine Leidenschaft zum Kino bis dahin weiter Bestand, dann ist noch wahrhaft Großes zu erwarten. 1970-01-01 01:00
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