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30 Days of Night

USA 2007. R: David Slade. B: Stuart Beattie, Brian Nelson, Steve Niles. K: Jo Willems. S: Art Jones. M: Brian Reitzell. P: Columbia Pictures, Ghost House Pictures. D: Josh Hartnett, Melissa George, Ben Foster.
113 Min. Concorde ab 8.11.07

Tanz der Vampire

Von Sascha Ormanns So alt wie der Mythos Vampir sind wohl auch die Geschichten, die über ihn erzählt werden, Bram Stokers »Dracula« aus dem Jahr 1897 dürfte wohl die berühmteste und heute noch bekannteste darstellen und entstammt einem Jahrhundert, in dem Vampirgeschichten sowieso Kult waren. Das Verpacken dieser Geschichten in das Medium Film steckt nach vampirischer Zeitrechnung zwar noch in den Kinderschuhen, dennoch reicht die weltweit – unter den verschiedensten Herangehensweisen – existierende Liste schon ziemlich lang. Die einen Filmemacher interpretieren den Vampir als einen vom Schicksal geplagten, der keinen anderen Ausweg hat; die anderen als »bezirzenden« Gentleman, dem es so gelingt, seinen Blutdurst zu stillen. Und dazwischen? Da liegen wohl die brutalen blutsaugenden Monster.

Regisseur David Slade dirigierte mit 30 Days of Night eine Comicadaption, die die Vampire als eben diese dazwischenliegenden Wesen präsentiert: als schlachtende Raubtiere. Laut Presseheft gründeten Rob Tapert und Sam Raimi die »Ghost House Productions«, um die Geschichte von Vampiren, die die Stadt Barrow in Alaska pünktlich zur einmonatigen Winterfinsternis heimsuchen, für die Kinoleinwand zu produzieren: Außerdem »bedeutet 30 Days of Night eine Art Rückkehr zu unseren Tanz der Teufel-Wurzeln«. Zutreffend ist die Rückkehr einerseits, weil sich der Film genau wie Tanz der Teufel »kammerspielartig« auf einen recht begrenzten Drehort konzentriert, andererseits trifft die Annäherung insofern nicht zu, da 30 Days of Night einfach ein differenter Film, zwar annähernd im gleichen Genre, aber sehr viel ernster ist: Slapstick ist hier nicht gewollt.

Die Kulisse des Films kann wirklich überzeugen, Slade präsentiert uns ein authentisches Kleinstädtchen in Alaska, bei dem man sich fragt, wieso es Menschen gibt, die dort leben; die Abgeschiedenheit wird durch die Einführung von Melissa Georges Figur, die zu ihrem Mißfallen die letzte Gelegenheit verpaßt, den Ort zu verlassen, noch unterstrichen. Die Kamera fängt die Stimmung stets ein und leistet beim Abfilmen der Kulisse und der in ihr agierenden Darsteller durchgehend solide Arbeit; zusätzlich hält sie teils schaurig beeindruckende Bilder parat, dann nämlich, wenn sie das Städtchen Burrow aus der Vogelperspektive zeigt oder eine immer blutroter werdende Schneelandschaft fotographiert.

Nach für dieses Genre adäquater Charakterzeichnung bereitet das Drehbuch den Zuschauer mit der Einführung der mysteriösen Figur des Fremden – etwas überzogen dargestellt durch Ben Foster – langsam auf die Vampire vor. Schlußfolgernd ist diese Art der vampirischen Interpretation zwar durch den Comic vorgegeben, kann hier aber trotzdem (oder gerade deshalb?) weitestgehend überzeugen: Interessant ist unter anderem die eigene Sprache der Vampire und die Konsequenz, sie als brutal vorgehende, nichtsdestotrotz lernfähige »Monster« darzustellen. Während Genrefans im ersten Teil des Films noch voll auf ihre Kosten kommen, zumal er dort mit wirklich guten Ansätzen aufwarten kann und technisch einige Pluspunkte sammelt, entgleitet 30 Days of Night immer mehr zu einem eher mittelmäßigen Film. Das liegt vor allem an der einsetzenden Inkonsequenz und Vorhersehbarkeit der Geschichte, die es nicht vermag, den Film über annähernd zwei Stunden zu tragen. Bei dieser Laufzeit könnte man vom Ende des Films eindeutig mehr erwarten, stattdessen schustert Slade dem Film eines der langweiligsten und pathetischsten Enden zurecht, das ich seit langem im Kino mit ansehen mußte, und verärgert somit auch all diejenigen, die bisher durchaus Positives finden konnten. 2007-11-05 13:17

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