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11th Hour – 5 vor 12

11th Hour. USA 2007. R: Leila Conners Petersen, Nadia Conners. B: Leila Conners Petersen, Nadia Conners. S: Pietro Scalia, Luis Alvarez y Alvarez. M: Jean-Pascal Beintus, Eric Avery. P: Appian Way, Greenhour, Tree Media Group, Warner Independent.
91 Min. Warner ab 15.11.07

Öko-Systemkritik

Von Constanze Frowein Die Welt als entzündeter Organismus dient hervorragend dazu, das Gefühl menschlicher Schmerzen auf unseren Erdplaneten zu übertragen, all seine Krankheiten für uns spürbar zu machen. Neben synästhetischen Beschreibungen der längst eingetretenen Umweltkatastrophen nutzt die Dokumentation 11th Hour – 5 vor 12 eindrückliche Animationen und Statistiken, um die Dringlichkeit einer Änderung unseres Umgangs mit der Natur zu betonen.

Das Filmprojekt für einen gesunden Erdplaneten bedient sich einer gigantischen Menge einflußreicher Namen: Werden in Interviews Stephen Hawking, Michael Gorbatschow oder Wangari Maathai zum Zustand des blauen Planeten befragt, wartet Leonardo DiCaprio als Erzähler und Kapitelgeber des Films auf. Das entscheidende emotionsverstärkende Element der Musik wird von keinem geringeren als Kent Nagano geleitet. Es zeigt sich, daß die Regisseurinnen Leila Conners Petersen und Nadia Conners mit Hilfe des Produzenten DiCaprio weder Kosten noch Mühen gescheut haben, die alarmierende Wichtigkeit des Themas aufzuzeigen. 11th Hour macht aber vor allem deutlich, daß die alleinige Beendigung unserer bisherigen Ignoranz gegenüber den Problemen des Ökosystems nicht ausreicht, um unsere Welt vor der baldigen – mit apokalyptisch aufgereihten Bildern angedeuteten – Katastrophe zu bewahren. So verbindet der Film die Erderwärmung mit dem politischen Machtstreben unserer Menschheit ebenso wie mit dem psychologischen Gedanken vom Selbstbewußtsein und auch mit sozialen Problemen des Miteinanders verschiedenster Kulturen zur Zeit der Globalisierung.

Die Überfrachtung des Films mit vielen verschiedenen Ansätzen zur Verbesserung unseres Erdengrunds erscheint durchaus berechtigt, da immer wieder nachdrücklich auf den ganzheitlichen Zusammenhang bestanden wird: Die Erde wird – in welcher Art und Weise auch immer – kollabieren, wenn die Menschheit nicht von Heute auf Morgen mit ihrem Handeln das ökologische System als gleichberechtigten Partner in unser dominantes menschliches System integriert. Diese so gut wie unmöglich erscheinende Voraussetzung für eine Rettung unseres Lebensraumes gibt kaum Zuversicht, wenn der Film uns zum Ende mit einer gigantischen Schönheit der Natur überflutet. Im Gegenteil: Die Lähmungserscheinungen dieser Reizüberflutung macht uns unsere Unfähigkeit des Handelns als Einzelkämpfer umso bewußter. Was bleibt, ist die Hoffnung, daß nach der Vergabe des Friedensnobelpreises an Al Gore und dem über die Erderwärmung aufklärenden Film Eine unbequeme Wahrheit möglichst viele Menschen sich für DiCaprios Film interessieren und jeder für sich etwas tut, um die apokalyptische Zukunft etwas länger Zukunft bleiben zu lassen. 2007-11-12 16:22
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