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1 Mord für 2

Sleuth. USA 2007. R: Kenneth Branagh. B: Harold Pinter. K: Haris Zambarloukos. S: Neil Farrell. M: Patrick Doyle. P: Sony Pictures, Castle Rock. D: Michael Caine, Jude Law.
86 Min. Concorde ab 20.12.07

Schuster bleib bei deinen Leisten

Von Maike Schmidt Der Fluch der Schönheit hat schon so manchen Schauspieler zu Höchstleistungen getrieben. Manch einer konnte dem Vorurteil, nur gut auszusehen und damit genug zu sein, entfliehen; manch anderer nicht und machte mit seinem Versuch gar einer Lawine höhnischen Gelächters und reinen Spotts Platz. Es wurden hierbei Ikonen geboren – auf beiderlei Seiten: Romy Schneider wäre so ein Beispiel oder Alain Delon.

Nun mag sich Jude Law vielleicht nicht durch und durch und von vornherein in die Kategorie »Sieht gut aus, kann aber nichts« stecken lassen, doch will er in seinem neuen Film dies bzw. das Gegenteil anscheinend beweisen – und zwar nach allen Regeln der Schauspielkunst. Er bedient sich dabei des einfachsten Wegs, den auch schon Brad Pitt in Filmen wie Twelve Monkeys und Fight Club wählte: Er spielt einen soziopathisch angelegten Menschen und schämt sich nicht, auch mal spuckend, das Gesicht wild verziehend einen der Figur zugewiesenen Jähzornfall nachzustellen, einen, wie er im Buche steht und der so gut den Schauspieler hinter der Figur zum Vorschein bringt.

Daß ihm die Vorlage so sehr am Herzen lag, daß er jahrelang kämpfte, um sie zu einem Film zu verwandeln, Filmgrößen wie Harold Pinter, Kenneth Branagh und Michael Caine vor und hinter die Kamera holen konnte, sagt viel aus, macht aber natürlich noch lange keinen guten Film. Gerade Letztgenannter tut sein übriges, um einen schalen Geschmack entstehen zu lassen. Michael Caine ist nämlich großartig – wie immer; und neben einem solchen sieht ein »Ich bin Schauspieler, kein Darsteller«-Versuch eines Jude Law eben noch merkwürdiger bis lächerlicher aus. Besonders dann, wenn keine weiteren Charaktere mehr auftreten, sondern knapp 90 Minuten von eben diesen beiden getragen werden müssen. So bleibt das Bäumchen-Wechsel-Dich-Spiel vage, wenn es so sehr darauf ausgelegt ist, eine Plattform für alle in der Schauspielschule gelernten Formen menschlicher Charakterdichte aufzuzeigen, daß der Rest getrost vergessen werden kann.

Was bleibt, ist die Schönheit, aber auch die ist, wie wir wissen, vergänglich. 2007-12-19 11:44
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