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1. Mai

D 2008. R,B: Jakob Ziemnicki, Carsten Ludwig. R: Sven Taddicken, Jan-Christoph Glaser. B: Michael Proehl, Oliver Ziegenbalg. K: David Schultz, Daniela Knapp, Daniel Möller, Kolja Raschke. S: Andreas Radtke, Carsten Eder, Jan-Christoph Glaser, Sebastian Marka, Sarah Levine, Jens Klüber. M: Christoph Blaser, Steffen Kahles, Rainer von Vielen, Dirk Dresselhaus. P: Frisbeefilms, jetfilm. D: Hannah Herzsprung, Hinnerk Schönemann, Oktay Özdemir, Jacob Matschenz, Judith Hoersch, Dirk Borchardt, Ludwig Trepte, Torsten Michaelis, Peter Kurth, Steffen Jürgens u.a.
98 Min. Delphi ab 30.4.08

Broken-Nose-Day

Von Bettina Schuler Während sich die meisten am 1. Mai eines freien Tages erfreuen, müssen sich die Bewohner von Berlin-Kreuzberg mit grölenden Demonstranten und besoffenen Teenies herumärgern. Genau das Richtige für die beiden Landeier Pelle und Jacob, die eigens ins Berliner Chaos-Zentrum gereist sind, um bei einer ordentlichen Randale mitzumischen. Auch der kleene Yavuz will am 1. Mai den großen Macker mimen, um seinen großen Bruder endlich beweisen zu können, daß er ein echter Kerl ist. Selbst wenn er dafür einen Polizisten umnieten muß. Der gutmütige Dorfpolizist Uwe hingegen kann der Ausflugsstimmung seiner Kollegen nichts abgewinnen. Anstatt sich für umme im bekannten Kiez-Puff zu amüsieren, fragt sich der gehörnte Ehemann, wie er seine Frau zurückgewinnen kann, ohne sich dabei zu blamieren.

Drei Geschichten, die alle am gleichen Tag, am gleichen Ort, in der gleichen Stadt spielen. Das ist das filmische Konzept dieses Episodenfilms, den die vier Regisseure Sven Taddicken, Carsten Ludwig, Jan-Christoph Glaser und Jakob Ziemnicki inszenieren und deren Protagonisten trotz der unterschiedlichen Sozialisation und des Alters eins miteinander gemein haben: den Wunsch nach Veränderung. Dieser Traum von einem aufregenden Leben, wie es bei Jacob und Pelle der Fall ist, oder nach ein bißchen mehr Respekt, wie es sich Uwe von seiner Frau erhofft, treibt die Protagonisten in Extremsituationen, an denen sie an ihre Grenzen stoßen. Oder wie Pelle, völlig geblendet von seiner inneren Sehnsucht, diese deutlich überschreitet, ohne Rücksicht auf Verluste.

Während Jakob Ziemnicki für seine Episode über den bieder-braven Uwe einen recht humoristisch-harmlosen Erzählstil wählt, schlagen die drei anderen Regisseure in ihren Inszenierungen einen harten Ton an, der sich im Handlungsverlauf immer weiter verschärft. Insbesondere die Geschichte über Jacob und Pelle, die sich auf eine Abenteuerreise nach Berlin begeben, entwickelt sich von der arglosen Erzählung über eine Jungsfreundschaft zur Sozialstudie. Durch ihre Härte und durch die beiden großartigen Jungschauspieler Ludwig Trepte und Jacob Matschenz sticht diese Geschichte aus den drei Episoden hervor. 1. Mai ist ein geglückter Episodenfilm, dem es nicht nur gelingt, drei unterschiedliche Geschichten gekonnt miteinander zu verknüpfen, sondern auch den Eventcharakter der Mai-Demonstrationen sowohl seitens der Polizisten als auch seitens der Randalemacher zu entlarven. Dafür kann man auch über die teils doch sehr klischeehaften Charaktere hinwegsehen. 2008-04-28 13:33
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