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42plus

A 2007. R,B: Sabine Derflinger. B: Mogens Rukov. K: Bernhard Pötscher. S: Karina Ressler. M: Andy Baum. P: Dor-Film. D: Claudia Michelsen, Ulrich Tukur, Tobias Moretti, Petra Morzé, Vanessa Krüger, Jacob Matschenz, Ugo Conti u.a.
95 Min. Zorro ab 24.7.08

So what

Von Tamar Noort So ist das halt. Der Satz stammt von der Regisseurin höchstpersönlich, und um es gleich vorwegzunehmen: Das faßt den Film ganz gut zusammen, wesentlich mehr gibt es zu 42plus nicht zu sagen. So ist das halt: Menschen werden älter. Sie richten sich ihr Leben ein. Alles bekommt seinen Platz, eine Ecke für die Kinder, ein paar Quadratmeter für den beruflichen Erfolg, und irgendwann nehmen die außerehelichen Vergnügungen einen großen Raum ein. So jedenfalls ist das bei Georg und Christine. Ihr Leben kann einen frischen Anstrich gebrauchen – aber ausgerechnet der Urlaub auf Ischia, der die Farbe dafür liefern soll, stellt das Ehepaar gehörig auf die Probe. Christine treibt sich am Strand herum, dort, wo die jungen Leute sich treffen. Hier herrscht die Freiheit, wird Gitarre gespielt und Bier getrunken bis spät in die Nacht, ein Joint zirkuliert, jeder schläft mit jedem. Am schönen Tamaz, gerade in den Zwanzigern, schmeckt Christine das Leben wieder. So ist das halt: Nach ein paar Jahren wird jede Einrichtung fad, und so um die vierzig hat man noch die Kraft, die Möbel umzustellen – oder gar auszutauschen.

42plus schaut dem Ehepaar dabei zu, wie es jede Plattitüde abfrühstückt, die man sich unter der Krise in der Mitte des Lebens so vorstellen kann. Alle Begleiterscheinungen einer solchen Krise, die Sehnsucht nach dem unwiederruflich Vergangenen, die innere Leere, die Angst vor der zweiten Hälfte des Lebens, hakt der Film ab, als ob sie gesetzte Größen für den durchschnittlichen Mittvierziger in der Krise sind. So erzählt 42plus weniger die Geschichte von Christine, Georg und Tochter Sonja, sondern verkommt mehr zur klinischen Beobachtung von Menschen in einer bestimmten Lebensphase. Das Ensemble wäre stark genug, um auch eine solche Studie sehenswert zu machen – doch dafür legt der Film die Emotionen der Figuren zu oberflächlich und ihre Krisen zu banal an. Und dem Zuschauer entschlüpft der Film, sobald die Credits durch sind. So ist das halt. 2008-07-18 11:18

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #51.
© 2012, Schnitt Online

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