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The 5th Commandment – Du sollst nicht töten

The Fifth Commandment. USA 2008. R: Jesse Johnson. B,P: Rick Yune. K: Robert Hayes. S: Michael Duthie, Christian Wagner, Ken Blackwell. M: Paul Haslinger. D: Rick Yune, Keith David, Bokeem Woodbine, Dania Ramirez, Roger Yuan, Shaun Delaney, Anthony Loffredo, Boo Boo Stewart u.a.
90 Min. Kinostar ab 18.9.08

Rhythm is it

Von Nils Bothmann Seine Blütephase hatte das Actiongenre Ende der 1980er/Anfang der 90er, als renommierte Genrestars und -regisseure pro Jahr einen Beitrag ins Kino brachten und der Kassenerfolg dieser Strategie recht gab. Mittlerweile sind viele dieser Regisseure kaum noch aktiv, und von den damaligen Stars produziert an sich nur Bruce Willis noch regelmäßig Leinwandspektakel. Der Rest erlebte erst jüngst sein Comeback (Stallone), ging in die Politik (Schwarzenegger) oder dreht nur noch »direct to video«-Produktionen (van Damme, Seagal, Snipes).

Nun versucht sich also Rick Yune, der zuvor Nebenrollen in Filmen wie The Fast and the Furious und Stirb an einem anderen Tag innehatte, als neuer Genrestar in The 5th Commandment. Daß sich das fünfte Gebot »Du sollst nicht töten« schlecht mit dem Actionfilm im allgemeinen und dem Profikillergenre im speziellen in Kongruenz bringen läßt, wird auch hier evident. Zwar versucht The 5th Commandment, seinen Helden, den Auftragsmörder Chance, über das Töten reflektieren zu lassen (vorwiegend unter Verwendung religiöser Allegorien), doch solche Ansätze von Moral sind schwer aufrechtzuerhalten, wenn sie mit Actionszenen gepaart sind, in denen die Protagonisten ganze Gegnerhorden ausradieren. Jedoch konnten selbst Filme wie Luc Bessons Leon – Der Profi und Richard Donners Assassins ein derartiges Dilemma nur umgehen, indem sie die Frage nach der Moral erst gar nicht stellten.

An diese Mitte der 1990er gedrehten Filme kann The 5th Commandment nicht heranreichen, da Rick Yune als Hauptdarsteller, Produzent und Drehbuchautor in Personalunion nicht unbedingt viel Neues eingefallen ist. Die Mär vom Profikiller, der die Seiten wechselt, ist hinlänglich bekannt, und auch sonst gibt sich The 5th Commandment wenig experimentierfreudig: Die Fieslinge sind tötungsfreudige Sadisten, die Polizei muß vor allem die anfallenden Leichen aufsammeln, und die Hauptaufgaben des zu beschützenden Frauchens bestehen darin, zu jammern und hinter dem Helden herzurennen.

The 5th Commandment funktioniert trotzdem als Genrefilm und das sogar ausgesprochen gut, was vor allem Regisseur Jesse Johnson zu verdanken ist. Bereits als aufstrebender Regisseur auf dem B-Actionmarkt bekannt, empfiehlt sich Johnson hiermit auch für höhere Aufgaben. Trotz des Budgets, das bei so manchem Hollywoodblockbuster bestenfalls für die Portokasse gereicht hätte, braucht sich sein Film optisch nicht vor der Studiokonkurrenz zu verstecken und wartet mit schnell geschnittenen, exzellent choreographierten Actionszenen auf. Jedoch gibt Johnson dem Film weniger auf der optischen und mehr auf der akustischen Ebene einen eigenen Stil. Angesichts der zahlreichen Musikbezüge von The 5th Commandment verwundert dies kaum: Die weibliche Hauptfigur ist Sängerin, Chance erhält seine Aufträge als angebliche Club-Gigs kodiert, und der Deckname von Chance' Adoptivvater lautet »Jazz Man«. Von selbigem stammt auch die Weisheit »It's all about rhythm.« Selbige beherzigt auch Johnson, denn gerade durch seinen beschwingten Erzählrhythmus weiß The 5th Commandment seinen Originalitätsmangel auszugleichen.

Musikalisch gibt hierbei vor allem Hip Hop den Ton an, und leider muß The 5th Commandment auch eine der nervigsten Eigenschaften des Hip Hop übernehmen: den Hang zu Gepose und übertriebenen Gesten. Dadurch wirken viele Szenen, gerade wenn es um Chances Emotionen im zwischenmenschlichen Bereich geht, einfach überzogen und unglaubwürdig, was den insgesamt sehr positiven Eindruck des Films leider etwas schmälert.

Wer mit Actionfilmen allgemein wenig anfangen kann, der dürfte auch an The 5th Commandment keinen Spaß haben, der Rest der Welt darf sich trotz einiger Schwächen über gut inszenierte Genreware freuen. Und wo sonst trifft man ein Fieslingspaar, das die Codenamen Collateral und Damage trägt? 2008-09-17 10:07

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