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Ananas Express

Pineapple Express. USA 2008. R: David Gordon Green. B: Seth Rogen, Evan Goldberg, Judd Apatow. K: Tim Orr. S: Craig Alpert. M: Graeme Revell. P: Columbia Pictures, Apatow Productions, Relativity Media. D: Seth Rogen, James Franco, Rosie Perez, Danny R. McBride, Kevin Corrigan, Craig Robinson, Gary Cole, Nora Dunn, Amber Heard, Bill Hader, James Remar u.a.
111 Min. Sony Pictures ab 23.10.08

Smoking Aces

Von Nils Bothmann In gewisser Weise haben es Kifferkomödien ja einfach, da man die antriebslosen Protagonisten meist nur bei simplen Aufgaben zeigen muß: Das begehrte Burger-Restaurant erreichen, die Traumfrau ansprechen oder schlicht und einfach rumhängen. Judd Apatow und Teile seiner Crew von Freaks & Geeks machen den Kiffern in Ananas Express nun wirklich Beine, denn ihre Hauptfiguren, der Dealer Saul und sein Kunde Dale, geraten in einen Gangsterkrieg. Nun haben die Beteiligten vor allem gelungene, romantisch angehauchte Komödien wie Beim ersten Mal oder Forgetting Sarah Marshall auf dem Kerbholz und können tatsächlich eine der Qualitäten der Vorgänger auch auf Ananas Express übertragen: Die extrem sympathischen Hauptfiguren, die nicht einfach dem Klischeebild eines Filmkiffers entsprechen. Gerade Dale hat tatsächlich Antrieb und Ambitionen, wenngleich seine Vorliebe für Rauchwaren ihm dabei hilft sie zumindest in der ersten Filmhälfte zu verbergen.

Leider ist die Actionkomödie, deren Fokus allerdings klar auf dem Comedy-Aspekt liegt, eine extrem heterogene Angelegenheit, deren Ton und Klasse von Szene zu Szene schwankt. Fast infantile Blödeleien wechseln sich mit einigen überraschend blutigen Schießereien ab, auf wunderbar beschwingte Humoreinlagen wie Dale bei seiner eigenwilligen Arbeit als Zusteller von Gerichtsbeschlüssen folgen teilweise Lachnummern aus der Mottenkiste. Ananas Express macht es dem Zuschauer nicht leicht, da man ihn weder als brüllend komisch noch als furchtbar unlustig abstempeln kann. Einzig und allein die unbeschwerte Grundeinstellung, die der Film auch auf den Zuschauer übertragen kann, bleibt eine Konstante in dem sonst so eigenwilligen Gemisch, ebenso die Vorliebe für Details. In einer Dialogszene ist ein Aquarium im Hintergrund zu sehen, nur zu einem Drittel mit giftgrünem Wasser gefüllt, was den Zuschauer direkt veranlaßt zu schauen, ob es sich bei den schwarzen, im Wasser treibenden Gegenständen um Dekoration oder verendete Fische handelt. In einer anderen Szene stellt ein Bild des zweifach mit dem Taurus Award ausgezeichneten Stunt Coordinator Simon Rhee den getöteten Bruder eines asiatischen Gangsterbosses dar. Und der liebevoll gestaltete Auftakt wartet mit einer schwarz-weiß-Sequenz auf, in der das Militär in einer Art Area 51 Marihuana an einem Rekruten testet.

Die Darsteller, darunter die Apatow-Spezis Seth Rogen und Bill Hader, sind immerhin mit großer Spielfreude am Werk, die moralische Keule wird gen Filmende nur ganz sanft geschwungen und man kann sich ob des Ideenreichtums von Ananas Express erfreuen – nur ausgerechnet beim Humor, der nun mal der Grundstoff einer jeden Komödie ist, da ist der Film dann zu durchwachsen, um komplett zu überzeugen. 2008-10-20 12:00

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