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8mm – Acht Millimeter

8mm. USA 1999. R: Joel Schumacher. B: Andrew Kevin Walker. K: Robert Elswit. S: Mark Stevens. M: Mychael Danna. P: Columbia Pictures, Hofflund/Polone, Global Entertainment. D: Nicolas Cage, Joaquin Phoenix, James Gandolfini, Peter Stormare, Anthony Heald, Chris Bauer, Catherine Keener u.a.
123 Min. Columbia ab 1.4.99
Von Carsten Tritt Eine Millionärswitwe findet im Schrank ihres verstorbenen Gatten einen 8mm-Film, offenbar ein Snuff-Film. Ein Privatdetektiv soll nun für ein stattliches Honorar herausfinden, ob der Film echt oder eine Fälschung ist. Nicolas Cage spielt den Detektiv und Familienvater, der sich in dem ihm bisher unbekannten Umfeld der Pornoindustrie behaupten muß, und für den es bald um viel mehr gehen wird als um einen normalen Fall: Bald sieht er seine Familie, sein Leben und sein Seelenheil bedroht.

8mm zeigt eine bieder-bürgerliche, fast puritanische Gesellschaft, von der es nur ein Sprung ist zu ihren Abgründen, die alles Gute zu verschlingen drohen. Und nicht nur in dieser Intention erinnert der Film an Sieben, der eindeutig das Vorbild zu 8mm war und der nicht zufällig vom selben Autor, Andrew Kevin Walker, stammt. Die Bilder des Films, verfallene Häuser, mit dreckigen Straßen und schmierigen Typen, könnten genauso gut David Finchers Film entstammen. Der Regisseur heißt diesmal allerdings Schumacher. Er läßt vor allem fade und düstere Farben dominieren, und in den besten Szenen merkt man gar nicht, daß Schumacher seinen Film in 35mm Cinemascope gedreht hat: Da wirkt das auf die Leinwand Projizierte fast schon so dreckig und grobkörnig wie der titelgebende 8mm-Film. Schumacher entwickelt dennoch sensible und zärtliche Szenen, wenn zum Beispiel der Detektiv zum erstenmal auf die seit Jahren in Ungewißheit über das Schicksal ihres Kindes lebende Mutter des potentiellen Mordopfers trifft; kaum zu glauben, daß ein Regisseur, der noch vor kurzem Batman & Robin verbrochen hat, eine solch große Liebe zu seinen Charakteren zu zeigen vermag.

Ein wenig bedauerlich ist es allerdings, daß der Film dann doch in einem recht konventionellen und völlig unsinnigen Showdown/Massaker enden muß. Da wirkt es schon so, als hätten die Filmemacher der Intensität ihres Stoffes nicht ganz getraut. Wenn aber schließlich der reinigende Regen einsetzt, so wird er mit dem Schmutz der Straße auch manches Ideal der übriggebliebenen Protagonisten fortspülen, und er wird nicht verhindern, daß auch der Zuschauer einige Szenen gesehen hat, die er nicht so schnell vergessen wird. 2009-02-02 11:30

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Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #14.

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