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96 Hours

Taken. F 2008. R: Pierre Morel. B: Luc Besson, Robert Mark Kamen. K: Michel Abramowicz. S: Frédéric Thoraval. M: Nathaniel Méchaly. P: Europa Corp., M6 Films, Grive Productions. D: Liam Neeson, Maggie Grace, Famke Janssen, Xander Berkeley, Katie Cassidy, Leland Orser, Olivier Rabourdin, Holly Valance u.a.
94 Min. Fox ab 19.2.09

Im Namen des Vaters

Von Nils Bothmann In der Natur ist es bekanntermaßen so, daß vor allem Muttertiere beim Schutz der Jungen äußerst gefährlich sind und über sich selbst hinauswachsen. Im Actionfilm sind es allerdings nur in wenigen Filmen wie Tödliche Weihnachten oder Eye for an Eye die Frauen, welche die Krallen zeigen; stattdessen radieren normalerweise die Männer zum Schutz von Kind und Kegel ganze Gangstersyndikate aus. In 96 Hours darf nun Liam Neeson nach alter Väter Sitte mit Menschenhändlern kurzen Prozess machen, wobei sich die Besetzung Neesons als geschickter Schachzug erweist: Trotz seiner gewaltigen Körpergröße wirkt er nicht von vornherein wie ein Killer vom Kaliber eines Schwarzenegger oder Seagal, stattdessen denkt man an Neesons früheres Rollenrepertoire, vor allem natürlich seine Leistung in Schindlers Liste.

Doch der von ihm verkörperte Bryan Mills ist ein Wolf im Schafspelz, ein ehemaliger CIA-Agent, dessen Professionalität man bereits beim akkuraten Verpacken des Geburtstagsgeschenkes für seine Tochter erkennt. Ausgerechnet jene wird bei einem Parisurlaub von Menschenhändlern entführt, was Bryan am Telefon mitanhören muß: Doch selbst hier wiegt der Profi seine Tochter nicht in trügerischer Sicherheit, sondern bereitet sie darauf vor, daß sie gleich entführt wird. Es bleiben 96 Stunden die Tochter zu finden und stets regiert die Häme, wenn Kontrahenten den ruhig auftretenden Hünen unterschätzen, was sie stets teuer zu stehen kommt.

Als Zuschauer merkt man schnell, daß Bryans Versprechen, er werde sämtliche Entführer finden und töten, keine leere Drohung, sondern eine Prophezeiung ist. In der Tradition von Jason Bourne und Jack Bauer reiht sich der Ex-CIA-Mann in die Riege der gebrochenen Profis ein, dessen Zwiespalt von 96 Hours explizit gemacht wird. Mag das konsequent umgesetzte Rachemotiv dem Film eine etwas reaktionäre Grundhaltung geben, so erodieren gewisse Momente das Bild des scheinbar strahlenden Helden: Auf der Suche nach der eigenen Tochter bedroht Mills auch die Familien anderer, schreckt vor Folter nicht zurück und an der Befreiung der anderen, vom Menschenhändlerring gekidnappten Mädchen liegt ihm nicht wirklich etwas. Die Sorge um seine Tochter paart sich zudem mit einer Aura von Paranoia und Kontrollwahn.

Vor allem bietet Pierre Morels Film aber angenehm kurz gehaltene und spannende Unterhaltung, wobei die Actionszenen die schweißtreibenden Höhepunkte der Mädchensuche darstellen. Ähnlich wie Bourne ist Mills ein Nahkampfspezialist, der seine Gegner schnell, aber dafür effektiv bekämpft. Die Kampfszenen in 96 Hours bieten von daher eine wunderbare Symbiose aus Realismus, durchdachter Choreographie und dynamischer Inszenierung, versehen mit einer fast fühlbaren Körperlichkeit.

Aufgrund seines hohen Härtegrades ist 96 Hours nicht unbedingt ein Film für jedermann, doch genau diese Form von Kompromißlosigkeit macht 96 Hours zu einem wunderbar geradlinigen Actionreißer der alten Schule, dessen unterkühlte Bildkompositionen scheinbar konträr zum hitzigen Geschehen stehen, die Doppelkodierung Mills’ als Vater und Geheimdienstkiller jedoch gerade dadurch zum Ausdruck bringen. 2009-02-16 11:47

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