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Vorbilder?!

Role Models. USA 2008. R,B: David Wain. B: Timothy Dowling, Paul Rudd, Ken Marino. K: Russ T. Alsobrook. S: Eric Kissack. M: Craig Wedren. P: New Regency Pictures, Stuber, Parent, Wide Awake Films. D: Paul Rudd, Seann William Scott, Christopher Mintz-Plasse, Jane Lynch, Kerri Kenney, Joe Lo Truglio u.a.
99 Min. Universal ab 26.2.09

Pull the Trigger of my Love Gun

Von Nils Bothmann Was bedeutet es, ein Vorbild zu sein? Über diese Frage können sich potentielle Kandidaten meist im Vorfeld Gedanken machen. Werdende Eltern müssen ebenso wie Prominente an der Schwelle zum Starruhm darüber nachdenken, welches Image sie ihren potentiellen Anhängern vermitteln wollen. Doch was passiert, wenn man ungefragt zum Vorbild avanciert? Genau dieser Frage geht Vorbilder?! nach.

Die beiden Energydrink-Promoter Danny und Wheeler werden nämlich unfreiwillig zu Vorbildern: Als Danny infolge einer Lebenskrise ausrastet und mit dem Firmenwagen öffentliches Eigentum zerstört, werden die beiden zu 150 Sozialstunden bei der Organisation »Sturdy Wings« verdonnert. Hier bekommen Problemkinder einen erwachsenen Betreuer zugeteilt. Menschenfeind Danny muß sich nun um den Live-Rollenspieler Augie kümmern, Partylöwe Wheeler um den ebenso frühreifen wie vorlauten Ronnie. Allein mit dieser Konstellation kann Vorbilder?! punkten, denn das Zusammenspiel der vier Individualisten beinhaltet genug komisches Potential. Doch auch eine Moral hat das Treiben schlußendlich: Durch den Kontakt mit den Jugendlichen lernen Danny und Wheeler selbst erwachsen zu werden – sich also wirklich vorbildlich zu benehmen, während sie den Kindern vorher bloß ihre Marotten vorleben. Erfreulicherweise kommt die Moral jedoch erfrischend dezent daher, wird nicht mit dem Holzhammer präsentiert und propagiert keineswegs das Verbiegen, um gesellschaftlichen Normen zu gehorchen. Am Ende muß nicht Rollenspieler Augie sein Hobby ablegen, stattdessen haben selbst seine Eltern, die in ihm einen Sonderling sehen, gelernt, seine Freizeitaktivität entsprechend zu respektieren.

Ebenso erfreulich ist die Vermeidung von Fäkal- und sonstigen Körperflüssigkeitswitzen, trotz der derben Sprache des Films. Jedoch verkommt selbst dies nicht zum Selbstzweck, die Wortgefechte sind fast durchweg pointiert, z.B. wenn Wheeler seinem Schützling erklärt, worum es bei KISS-Songzeilen der Marke »Pull the Trigger of my Love Gun« wirklich geht. Bei dieser Kombination von Männerkrise, Wortwitze und sexuellen Anspielungen muß man direkt an die Filme vom Team Apatow denken, aber dies ist an dem Film gänzlich unbeteiligt – obwohl einige der Beteiligten in Apatow-Produktionen ihre ersten Sporen verdienen durften. Neben den amüsanten Dialogen ist vor allem das Gespür für Komik, welches die Hauptdarsteller mitbringen, das Vorbilder?! zum Gelingen verhilft. Denn so amüsant der Film auch daherkommt, so ist die Geschichte weder besonders neu noch besonders reich an Überraschungen – allenfalls die kurze Erwähnung Fellinis bei einem Streitgespräch an der Kaffeetheke hätte man hier wohl nicht erwartet.

Doch trotz dieser Schwäche ist Vorbilder?! ein wirklich witziger, kleiner, sympathischer Film, bei dem es sogar etwas zu lernen gibt. Daß man andere mit ihren Eigenheiten akzeptieren soll. Daß man trotzdem seine eigenen Fehler korrigieren sollte. Und daß ein Film, der »Love Gun« von KISS zu seiner Hymne ernennt, nicht wirklich schlecht sein kann. 2009-02-24 11:55

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