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Hangover

The Hangover. USA 2009. R: Todd Phillips. B: Jon Lucas, Scott Moore. K: Lawrence Sher. S: Debra Neil-Fisher. M: Christophe Beck. P: BenderSpink, Green Hat Films, Legendary Pictures. D: Bradley Cooper, Ed Helms, Zach Galifianakis, Justin Bartha, Heather Graham, Sasha Barese, Ken Jeong u.a.
100 Min. Warner ab 23.7.09

Zehn Schuß, kein Treffer

Von Jakob Stählin Todd Phillips hat mit dem mäßigen Old School – Wir lassen absolut nichts anbrennen seltsamerweise einen äußerst populären Film geschaffen, dem es zum Kultstatus gereicht hat, und gleichermaßen verwunderlich ist die positive Reaktion auf The Hangover. Darüber mag sich zwar nicht streiten lassen, doch es ist ein interessanter Fakt, wie uninspiriert die Masse zum Prusten gebracht werden kann. In den letzten Jahren sind eine Handvoll wirklich sehenswerter amerikanischer Mainstreamkomödien erschienen, die, ohne jemals eine erzwungene Subtilität in den Humor hineinzulügen, auf einer zwar plumpen, aber dennoch durch ihre anarchische Absurdität nachhaltigen Ebene begeistern konnten: Anchorman, Ricky Bobby, Zoolander und auch Austin Powers in Goldständer waren solche Filme, The Hangover nicht.

Die Geschichte ist klassisch: Ein paar erwachsene, aber sich wie Kinder aufführende Jungs schießen sich in Las Vegas beim Junggesellenabend die Lampen aus und müssen das nächtlich verursachte Chaos wieder ins Lot bringen. Soweit so langweilig. Doch gerade solche Nichtplots wurden in der Vergangenheit häufig durch radikales Ausweiten und humorvolles Todreflektieren in sehr amüsante Szenarien verwandelt. So ist es in Peter Bergs Very Bad Things – dessen Handlung ohnehin recht analog ist – sehr unterhaltsam, dabei zuzusehen, wie die Filmrealität in extremer Drastik zu einem karikierten Psychokrieg wird, der sich optisch in einem exaltiert blutigen und herb respektlosen Desaster entlädt. Um bei diesem Beispiel zu bleiben, sei noch angeführt, daß Bergs Film, der ebenso wie The Hangover viel Witz mit Dialog- und Slapsticksituationen sucht, natürlich von guten Schauspielern getragen wird: Cameron Diaz als heiratsgeile Psychopatin, der als Ari Gold in Entourage derzeit zu später Bekanntheit gelangte Jeremy Piven und natürlich der stets tolle Christian Slater. In Todd Phillips' The Hangover ist kein einziger Schauspieler lustig, niemand geht aus sich heraus, und so bleiben alle Scherze, die zugestanden im Sekundentakt aus der Leinwand springen wollen, ernüchternd kühl.

Am wenigsten funktioniert der Film in seinen gewollt respektlosen und anarchischen Momenten. Völlig grundlos werden hier Polizisten gezeigt, denen es eine Freude ist, die drei Protagonisten mit Taser-Pistolen zu quälen. Das mag in irgendeinem Kontext witzig sein, doch so völlig unromantisch und uneingerahmt einen solch derben Faustschlag zu servieren, stößt nicht zuletzt aufgrund der in der Realität stattgefunden Mißhandlungen und Tötungen durch leichtfüßige Benutzung jener Waffe übel auf. Das soll jetzt um Gottes Willen nicht nach einer Befürwortung irgendeiner Gutmenschenmentalität klingen, doch es darf nicht sein, daß ein Film, der sich einerseits damit brüstet, überdreht und infantil zu sein, sich auf der anderen Seite in eine Rahmenhandlung flüchtet, die in völlig einfältigem Romantikkitsch gipfelt; denn gerade dadurch verspielt er die Möglichkeit, ein wertfreies Szenario zu entfalten. So sprengt der Film häufig bei weitem die Grenzen des guten Geschmacks, seine Rezeption umgeht die Fremdschamgrenze ob so viel angestrebter Lustigkeit höchstens knapp, und so bleibt alles unterm Strich lediglich ein großes Wollen: eine leere Pistole, die permanent abgefeuert wird. 2009-07-22 10:53

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