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Public Enemies

USA 2009. R,B: Michael Mann. B: Ronan Bennett, Ann Biderman. K: Dante Spinotti. S: Jeffrey Ford, Paul Rubell. M: Elliot Goldenthal. P: Forward Pass, Misher Films, Tribeca Productions. D: Johnny Depp, Christian Bale, Marion Cotillard, Channing Tatum, Giovanni Ribisi, Stephen Dorff, Jason Clarke, James Russo u.a.
143 Min. Universal ab 6.8.09

Oberflächenspannung

Von Sascha Ormanns Nicht selten geht es in Michael Manns Filmen um männliche Protagonisten, die, obgleich sie mit selbstaufopfernder Hingabe handeln, zum Scheitern verurteilt sind. Häufig erzählt Mann von zwei konträren Gegenübern, die ihre Profession zwar perfektioniert haben, in denen sich dennoch eine meist unbezwingbare Unzufriedenheit offenbart. Ein für sie signifikantes Problem scheint unüberwindbar. In Heat war es Al Pacinos Figur des Polizisten, die in ihrem Privatleben scheitern mußte, um ihrem Konterpart das Handwerk zu legen, und Robert De Niros Charakter war es ob seiner Professionalität letztlich nicht einmal vergönnt, teilweise erfolgreich zu sein. Beide scheitern nicht nur an sich selbst, sondern ebenso aneinander.

Die Heat-ähnliche Protagonistenkonstellation in Public Enemies ist es schließlich, die einen Vergleich beider Filme geradezu nahelegt, dem der neue Film jedoch nicht standhalten kann. War in Heat (oder auch Collateral) nahezu jede Szene unverzichtbar, sind die meisten Sequenzen in Public Enemies austauschbar: Nicht daß sie langweilig oder von minderer Qualität wären, doch gelingt es Michael Mann nur selten, die Handlungsräume, die eben beispielsweise in Heat und Collateral noch als eigenständiger Protagonist empfunden werden konnten, adäquat zu inszenieren. Es mangelt Manns neuem Film schlicht an den perfekt kadrierten Bildausschnitten, die in früheren Werken des Regisseurs für die Grundstimmung und die Metaebene verantwortlich zeichneten. Die Einstellungen in Public Enemies wirken zumeist beliebig, partiell zwar durchaus schön anzuschauen, doch eben nicht der gewohnt ambivalenten Fotographie eines Mann-Films würdig. Sozusagen scheitert der Regisseur an seinen eigens gesetzten Maßstäben.

Eine ähnliche Problematik zeichnet sich leider auch auf dramaturgischer Ebene ab, eine Geschichte mag sich, wie schon im Vorgänger Miami Vice, nicht so recht entwickeln. Zwar bildet Public Enemies gleich zu Anfang mit großen, antiquierten Lettern, die Jahreszahl 1933 auf schwarzer Kinoleinwand ab, um so auf die Handlungszeit zu verweisen, doch erfährt der Zuschauer auf inhaltlicher Ebene schlicht zu wenig über diese Epoche und ihre Protagonisten: Jene bleiben stets oberflächlich und eindimensional. Daß Michael Mann sich darauf beschränkt, einen kurzen Lebensabschnitt John Dillingers abzubilden, wäre völlig in Ordnung gewesen, gäbe es in Public Enemies, wie seinerzeit in Heat, die zwar kurzen aber famosen Momente der Figurencharakterisierung. So allerdings fehlt die Entwicklung einer Dramaturgie gänzlich, und die Erzählung gerät eher zu einem episodenhaften Aneinanderreihen von Momentaufnahmen, in denen es auch den Darstellern nicht gelingt, ihren Figuren die nötige Tiefenschärfe zu verleihen. Doch nicht nur fehlt ihnen der Raum, ihre Charaktere zu entwickeln, ihnen gelingt es bisweilen auch nicht, ihren mittlerweile scheinbar anhaftenden Rollenbildern zu entsagen: Ein zumindest ähnliches Spiel von Johnny Depp und Christian Bale konnte man schon in ihren drei letzten Filmen beobachten. Insgesamt gelingt es Michael Mann mit Public Enemies erneut, einen routinierten Film mit Überlänge zu kreieren, der zwar nie Langeweile aufkommen läßt – es aber leider nicht schafft, mehr als Oberflächenspannung zu erzeugen. 2009-08-05 15:12

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