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13 Semester

D 2009. R,B: Frieder Wittich. B: Oliver Ziegenbalg. K: Christian Rein. S: Marty Schenk. M: Oliver Thiede, Tobias Jundt, Kris Steinninger, Michael Kamm. P: Claussen Wöbke Putz Filmproduktion. D: Max Riemelt, Alexander Fehling, Robert Gwisdek, Claudia Eisinger, Amit Shah, Dieter Mann, Raúl Semmler, Tobias van Dieken u.a.
102 Min. Fox ab 7.1.10

Ausreichend. Bestanden.

Von Werner Busch Amerikanische Highschool-Komödien zum Beispiel. Die haben über die Jahrzehnte so viele Codes gebildet, daß ein Drehbuchautor tatsächlich keinen Funken mehr an Inspiration braucht, sondern direkt aus einem üppigen Baukasten von Rollenmustern und Erzählkonventionen schöpfen kann, die immer wieder zu neuen, gleichen Resultaten führen. Deutsche Unikomödien aber sind ein neues Feld, eine weiße Seite. Und es wäre einfach, recht und billig, unschuldiges Papier mit den Sünden und Vorzügen amerikanischer Vorbilder zu besudeln. Wenn auch nicht durchgängig, dann doch zumindest dort, wo dem Autor nichts Rechtes einfällt. Insoweit ist 13 Semester eine angenehme Überraschung. Regisseur und Co-Autor Frieder Wittich hat durchgängig eine eigene, landesspezifische Sicht auf die Dinge. Und der Film ist erfreulicherweise deutlich weniger Komödie, als das Werbematerial suggerieren möchte. Vielmehr eine Coming-of-Age-Geschichte mit humoristischem Einschlag, ein gut gelauntes Drama um das Erwachsenwerden. Der universitäre Rahmen ist die Bühne. Lediglich die Bühne.

Der Film bringt die typischen Vor- und Nachteile eines Kinodebüts mit sich: Eine frische Sicht der Dinge und schlecht sitzende Perücken. Unreflektierte Klischees treffen auf deren gutgelaunte Verweigerung anderenorts. Die Dramaturgie holpert etwas. Einige Gags zünden. Andere nicht. Und dennoch ist das Ding an sich grundsympathisch. Einer der wirklichen Vorwürfe, die man machen muß: Trotz Abi-2001-Aufkleber am Auto hat die Geschichte herzlich wenig mit der Wirklichkeit einer Generation zu tun, die in einem Meer unterhaltsamster Bedeutungslosigkeit krepiert. Das Drehbuch lässt deutlich und schmerzhaft Zeitkolorit vermissen. Trotz einiger hübscher erzählerischer Ideen und neuer Gesichter kann man sich dem Eindruck, das alles schon mal so oder ähnlich gesehen zu haben, nicht völlig erwehren. An diesem Punkt hilft das Darmstädter Lokalkolorit ganz erheblich. Den Mut zur ganz konkreten Verortung kann man nicht hoch genug einschätzen, er liefert die besten Gags und ist hauptverantwortlich dafür, daß man dem Film, obwohl er nur altbekanntes in neuem Kleid transportiert, Authentizität zusprechen möchte. Aber 13 Semester kann nicht über das Prädikat »nett« hinauskommen. Im Hinblick auf die Gesamtleistung der sogenannten deutschen Filmindustrie – Stichwort Komödie – ist das dennoch bereits sehr viel. Und seine Abschlußprüfung besteht man schließlich auch mit einem »ausreichend«. 2010-01-06 17:36

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