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14 Kilometer – Auf der Suche nach dem Glück

14 kilómetros. E 2007. R,B,K: Gerardo Olivares. K: Alberto Moro. S: Raquel Torres. M: Santi Vega. P: Explora Films, Wanda Visión S.A. D: Mahamadou Alzouma, Aminata Kanta, Adoum Moussa.
95 Min. Kairos ab 14.6.10

Ethno-Spaß und Grenz-Tragödie

Von Julian Bauer Rhythmischer Schnitt des Fußballspiels bei Trommelmusik. In Gerardo Olivares Film 14 Kilometer ist »Afrika« kein trauriger, vom Elend durchzogener Kontinent, sondern humorvoll. Selbst der Auswanderungswunsch wird scherzhaft imaginiert: Eine Malierin träumt davon, in Europa mit einem weißen Mann Kinder wie Café au lait zu haben. Sobald jedoch die Ernsthaftigkeit ins Spiel gerät, wird der Film abgeschmackt.

Violeta aus Mali und Buba aus dem Niger verlassen im Parallelschnitt ihre Heimatländer um ihr Glück in Europa zu suchen. Sie treffen sich auf halber Strecke, um den Weg schließlich gemeinsam zu bestreiten und anzubändeln. Zur Veranschaulichung der Personenwanderung dient eine immer wieder auf der Leinwand auftauchende Landkarte; der Reiseweg wird mit rotem Strich nachgezeichnet. Die dazwischen gestreuten, dokumentarisch-ethnographisch anmutenden Aufnahmen stehen wie Landmarken im Sujet und versprechen mit Wahrheit vermischte Fiktion. Doch auch filmtechnisch wird Realität generiert. So geschieht die illegale Einreise nach Spanien auch in Nachtsichtbildern: Was wir sehen ist wahr, weil es passiert. Dagegen prallen jedoch die plumpen Repräsentationen der mit illegaler Auswanderung Geschäfte machenden Menschen. Der Pässe verkaufende Mr. Passport benutzt den Klingelton »Eye of the tiger« und der Schlepper, der die Überfahrt von Marokko nach Spanien ermöglichen soll, steht großkotzig am Fenster, indes er mit dem hinter ihm stehenden Buba spricht. Wohlgenährt, im Anzug mit Schal und überdimensionierter Goldkette, ist sein unmoralisches Geschäft physiognomisch eingeschrieben.

Wunderbar sind hingegen die Aufnahmen in der Ténéré-Wüste. Wo der Horizont mal waagerecht, mal schief, mal höher, mal tiefer das Bild strukturiert und schließlich die klare Grenze zwischen dem Blau des Himmels und dem Sand der Wüste im Zuge des sich anbahnenden Verdurstens verschwimmt. Die Grenzgänger im Grenzland, das als Idee in der Natur kein Equivalent besitzt. So wird Buba einmal zwischen der marokkanisch-algerischen Grenze hin- und hergeschickt, weil niemand ihn haben will. Das Niemandsland, in dem er sich dort bewegt, erzählt nichts von nationalen Kartierungen. Die Grenze ist unsichtbar, das Abschieben wird absurd. Anstatt sich jedoch der Bildhaftigkeit des Kinos hinzugeben, verläßt sich der Film leider allzusehr darauf, Geschichte zu erzählen. 2010-06-11 10:05
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