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30 Minuten oder weniger

30 Minutes or Less. USA 2011. R: Ruben Fleischer. B: Michael Diliberti. K: Jess Hall. S: Alan Baumgarten. M: Ludwig Goransson. P: Columbia Pictures, Media Rights Capital, Red Hour Films. D: Jesse Eisenberg, Danny McBride, Aziz Ansari, Nick Swardson, Michael Peña, Fred Ward, Dilshad Vadsaria, Bianca Kajlich u.a.
83 Min. Sony ab 24.11.11

Weniger ist mehr

Von Nils Bothmann 30 Minutes or Less. Das ist ein Titel der Geschwindigkeit suggeriert, Tempo, ähnlich wie Speed und Crank: Im einen steht der Haupthandlungsort, ein Bus, nie still, im anderen der Protagonist. Ähnliches gilt für die Prämisse: Ein Pizzabote, dessen Arbeitgeber damit wirbt, daß man seine Bestellung in unter 30 Minuten erhält, wird von zwei Möchtegerngangstern mit Armee-Erfahrung zu einem Bankraub gezwungen, indem diese ihm eine Bombe umschnallen. Es könnte eine Parodie auf oder Hommage an all jene professionellen Gangster und Fluchtwagenfahrer des Actionthrillers sein, wie Doc Holiday in The Getaway, den namenlosen Protagonisten aus Walter Hills Driver oder Frank Martin aus The Transporter und seinen Sequels. Nicht zufällig schauen Protagonist Nick und sein bester Freund Chet am liebsten Genrefilme wie Lethal Weapon und Stirb langsam daheim, nicht zufällig läuft das aus Beverly Hills Cop bekannte »The Heat Is On« während einer Verfolgungsjagd.

Leider ist dies jedoch nicht der Pfad, den Regisseur Ruben Fleischer und Hauptdarsteller Jesse Eisenberg in ihrer zweiten Kooperation nach dem Überraschungshit Zombieland verfolgen. Wo Zombieland als Film funktionierte und viele Zuschauer verschiedener Zielgruppen ansprach, da versucht 30 Minutes or Less von Anfang an ein absoluter Crowdpleaser zu sein. Ein paar Anspielungen auf Actionfilme und Thriller, eine Prise Action, Buddy-Komik zwischen dem (natürlich gelegentlich kiffenden) Nick und Chet, der mehr oder minder freiwillig zum »partner in crime« beim Bankraub wird, ein wenig Romantik für die Ladys – wenn man schon Angst hat bis zum Ende des Tages in die Luft geflogen zu sein, dann gesteht man seiner großen Liebe besser seine wahren Gefühle. Dieses Rezept garniert man mit reichlich Gags und fertig ist der Kinohit für die Massen – so mag es zumindest in der Theorie gewesen sein, die Praxis sieht deutlich unschöner aus. Die meisten Referenzen stehen leer im Raum, sieht man von jener gelungenen Szene ab, in der Jesse Eisenberg in Anspielung auf seine The Social Network-Rolle deklariert, er sei nicht mehr bei Facebook – und hierbei handelt es sich noch nicht einmal um einen Actionthriller. Die Actionszenen sind komödiantisch überzeichnete Dutzendware, die nie den Charme der Zombieland-Gefechte erreicht, die Buddy-Komik wirkt forciert. Die Szenen zwischen Nick und seiner holden Maid, ausgerechnet Chets Zwillingsschwester, mögen zwar in sich durchaus funktionieren, harmonieren aber nie mit dem auf ulkig getrimmten Restfilm, dessen bester Gag (»Guess what, officer. You just brought a gun to a bomb fight!«) leider schon im Trailer zu sehen war.

Die durchwachsene Qualität der Witze zeugt vom verschwendeten Potential des Films, dessen größter Fehler die Verheizung des an sich recht talentierten Danny McBride ist: In seiner Schurkenrolle wird er lediglich darauf reduziert meist flache und selten witzige Sprüche über Geschlechtsteile und Sexualpraktiken abzusondern. Dabei ist 30 Minutes or Less passagenweise durchaus witzig, doch das reicht nicht für einen Film, der soviel will und dem dabei so wenig gelingt. Daß Fleischers neues Werk nach einem halbgaren Showdown recht unvermittelt und ohne echten Ausklang verschiedener Erzählstränge endet, ehe eine Szene nach dem Abspann hier ein wenig Abhilfe schafft, ist schade, schwerer wiegt jedoch die Tatsache, daß 30 Minutes or Less auch noch ausgesprochen behäbig daherkommt und das ist das letzte, was man angesichts der kurzen Spieldauer, des Titels und der Ausgangsidee erwartet hätte. 2011-11-21 11:32
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