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UFO In Her Eyes

D/F 2011. R,B: Xiaolu Guo. K: Michal Tywoniuk. S: Nikolai Hartmann. M: Mocky. P: corazón international, Les petites lumières. D: Shi Ke, Udo Kier, Mandy Zhang, Y. Peng Liu, Z. Lan, Massela Wei, Dou Li u.a.
110 Min. Pandora ab 26.4.12

Alien Nation

Von Lena Serov War das unidentifizierbare Flugobjekt in der amerikanischen Populärkultur mit der Symbolik für die Invasion des Fremden konnotiert und diente als Projektion für die kollektive Xenophobie, so eignet sich Ufo in her Eyes diese Metapher an, um den gewaltsamen Einbruch einer grotesken Form des Hochkapitalismus in das chinesische Hinterland zu schildern. Es ist die zweite Regiearbeit der chinesischen Autorenfilmerin Xiaolu Guo, die zudem als Schriftstellerin erfolgreich ist und mit Ufo in her Eyes die eigene Romanvorlage verfilmt. Sie gehört zu einer Generation von Künstlern, die ihr künstlerisches Wirken ins Ausland verlagern und sich mit den Entwicklungen des eigenen Landes kritisch auseinandersetzen.

Die Regisseurin wirft in ihrem Film einen ironischen Blick auf das ökologisch, ökonomisch und gesellschaftlich intakte Nest »Dreiköpfiger Vogel«, das zum Schauplatz für die surreale Vision einer fliegenden Untertasse der Landarbeiterin Kwok Yun und deren Rettung eines amerikanischen Geschäftsmannes – superb: Udo Kier – vorm Schlangenbiß wird. Daraufhin gerät das Dorfleben aus allen Fugen. Der paradoxe Fünfjahresplan der feisten und autoritär durchgreifenden Dorfvorsteherin sieht vor, dieses in eine Hochburg des Kapitalismus zu verwandeln und die Ufo-Erscheinung als Hauptattraktion auszuschlachten. Das Dorf mutiert zum touristischen Vergnügungsareal, während die Landbevölkerung die überrollende und rasante Transformation ihrer Lebensumgebung verdutzt beobachtet. Die Ereignisse kulminieren in einer bizarren Parallelmontage einer traditionellen Dorfhochzeit und dem Bauernaufstand.

Der Film besticht durch seine audiovisuelle Stilsicherheit – in der Verknüpfung einer grellen Bildsprache und Montage mit einer ungezähmten, die farbenprächtige Naturschönheit einfangenden Kamera – und durch den anarchischen Humor einer abgedrehten Satire. Indem Xiaolu Guo die absoluten Extreme des ruralen Lebens und der technifizierten und globalisierten Urbanität in ihrer stilistischen Schrillheit konfrontiert und überzeichnet, gelingt ihr die zugleich schrägste und genialste Kritik des globalisierten und amerikanisierten Turbo-Kapitalismus. 2012-04-20 15:22

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #65.
© 2012, Schnitt Online

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