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50/50 – Freunde fürs (Über)Leben

50/50. USA 2011. R: Jonathan Levine. B: Will Reiser. K: Terry Stacey. S: Zene Baker. M: Michael Giacchino. P: Mandate Pictures, Relativity Media. D: Joseph Gordon-Levitt, Seth Rogen, Anna Kendrick, Bryce Dallas Howard, Anjelica Huston, Serge Houde, Andrew Airlie, Matt Frewer u.a.
100 Min. Universum ab 3.5.12

Packt er’s?

Von Jakob Stählin Augenblick mal! Seth Rogen als Kumpel eines Krebskranken? Gab’s das nicht schon mal? Zugegeben ist der Plot von Judd Apatows Funny People zwar ein wenig anders, erzählt er doch von einem Stand-up-Comedian, der anhand seines Krebsleidens feststellen muß, daß er keine wirklichen Freunde hat, doch geht es ebenso wie bei 50/50 um Freundschaft und den Tod, der dazwischen steht. Womit wir beim Problem des Films wären, denn so sehr man auch versteht, was er erzählen möchte, so wenig vermittelt er dies tatsächlich. Seth Rogens Figur kann man sich zwar aus seinen früheren Filmen zusammenreimen, doch der von Joseph Gordon-Levitt verkörperte Adam bleibt enorm blaß. Dabei ist diese Hauptfigur bedeutend wichtiger, erkrankt sie doch an Krebs und hat die titelgebende geringe (oder hohe – wie man’s nimmt) Überlebenschance.

Leider krankt 50/50 enorm an der Unschlüssigkeit, ob er nun Komödie oder Krebsdrama sein möchte. Natürlich wäre auch beides möglich gewesen. Dazu gehört allerdings ein gutes Drehbuch, doch der Plot hangelt sich stumpf durch die allseits bekannten Kübler Ross-Phasen. Die charakterliche Entwicklung des schwerkranken Adam bleibt stets an der Oberfläche und wird arg einfallslos vor allem in leider völlig mißlungenen Psychologenszenen thematisiert.

Eigentlich müßte 50/50 folglich ein ziemlich schlechter Film sein, doch man kommt trotz seiner eklatanten Schwächen nicht umhin, sich einzugestehen, daß man einigermaßen gut unterhalten wird, was nicht zuletzt an seinem zwar längst zum Mainstream gewordenen Indie-Look und an den weitestgehend unterforderten, aber bemühten Schauspielern liegt. In Nebenrollen tauchen etwa Größen wie Anjelica Huston und Phillip Baker Hall auf, die durch reine Leinwandpräsenz Szenen zu füllen imstande sind. Spannenderweise sind es gerade diese Figuren, die dem Zuschauer mehr Interesse abringen können als die Hauptakteure. Durch die bloße Andeutung von Tiefe ist man geneigt, mehr über sie erfahren zu wollen, als ein Film, der sie nicht als zentrale Punkte wahrnimmt, bieten kann. Schade, denn daß Adam überleben wird, ahnte man schon vorher. Ob’s Phillip Baker Hall packt, kann letztlich nur ein Spin-Off klären. 2012-04-27 20:04

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #66.
© 2012, Schnitt Online

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