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21 Jump Street

USA 2012. R: Phil Lord, Chris Miller. B: Michael Bacall, Jonah Hill. K: Barry Peterson. S: Joel Negron. M: Mark Mothersbaugh. P: Relativity Media, Original Film Cannell Studios u.a. D: Jonah Hill, Channing Tatum, Brie Larson, Dave Franco, Rob Riggle, DeRay Davis, Ice Cube, Ellie Kemper u.a.
109 Min. Sony Pictures ab 10.5.12

Will you go to prom with me?

Von Nils Bothmann Bromances und Buddy Cop Movie gehören zu den Genres, die sich am eingängigsten mit Männerfreundschaften und Männlichkeitsbildern befassen. Ersteres Genre ist seit Superbad populär, letzteres erlebte seine Blütephase in den 1980er und frühen 1990er Jahren. 21 Jump Street, die Kinoversion der populären TV-Serie, führt beide Genres zusammen, wirkt wie ein Crossover aus Hot Fuzz und einer Apatow-Komödie. Von dem Erbe der TV-Serie verabschiedet sich 21 Jump Street, stellt dieses auch innerhalb des Films klar, obwohl einige Mitglieder der Originalserie (auch Johnny Depp) Cameos in ihren Originalrollen haben und den Staffelstab gewissermaßen hochoffiziell an ihre Nachfolger überreichen. Das sind in diesem Falle Apatow-Spezi Jonah Hill (Superbad, Get Him to the Greek) und der immer wieder als Actionstar zu sehende Channing Tatum (G.I. Joe, Der Adler der neunten Legion), die als jugendlich aussehende Cops Undercoverermittlungen an einer Highschool durchführen.

Gleich zu Beginn legt 21 Jump Street bei der ebenso charmanten wie witzigen Einführung der Hauptfiguren und ihres bisherigen Lebenswegs ein beispielloses Timing und eine Dynamik an den Tag, die der Film fast durchweg halten kann, auch wenn ihm im letzten Drittel kurz die Puste auszugehen droht. Dabei verzichtet 21 Jump Street nicht nur erfreulicherweise auf platten Schenkelklopferhumor und Fäkalgags, sondern erweist sich als famoses Spiel mit Genreelementen und der Tradition, in der er steht: Schon in der ersten Ansprache an seine »Justin-Bieber-Miley-Cyrus-lookin’ motherfuckers« erklärt der von Ice Cube gespielte, dauernd fluchende, dauernd ärgerliche schwarze Captain, daß dauernd fluchende, dauernd ärgerliche schwarze Captains ein Klischee wären, um dann wiederum den Nutzen von Klischees zu erläutern. Seine Kommentare über das intradiegetische Aufgreifen des 21-Jump-Street-Projekts sind natürlich extradiegetische Referenzen auf Filmprojekte wie 21 Jump Street (»They just revive some bullshit from 80ies and think that no one will notice«), dem Explosionsfimmel des Actionfilms wird in einer Verfolgungsjagd Tribut gezollt und an der Schule, an der die Protagonisten Jenko und Schmidt in ihrer Tarnung als angebliche Brüder ermitteln sollen, werden sämtliche Highschoolfilmklischees gegen den Strich gebürstet. Jocks und Sportskanonen sind out, Bullying von Außenseitern ist ebenso uncool wie die massiv Sprit schluckende Schleuder, mit der Jenko und Schmidt vor der Schule vorfahren und protzig einen Behindertenparkplatz belegen. Stattdessen sind gute Noten, Toleranz und Umweltschutz in. Zum Glück gibt es da noch das Interesse am Saufen und Feiern von Partys als gemeinsamen Nenner.

Gleichzeitig ist 21 Jump Street auch ein herrlicher Film über männliche Selbstwahrnehmung und männliche Fehleinschätzung, technisch schön exemplifiziert bei der ersten Verhaftung von Jenko und Schmidt: Meist suggerieren die Aufnahmen einer Fahrradjagd, wie die die beiden sich selbst wahrnehmen, stilisiert, in Zeitlupe, begleitet von dynamischer Musik, ein Zwischenschnitt zeigt die Außenperspektive – zwei auf Fahrrädern strampelnde Cops, die auf ihren blaulichtbestückten Drahteseln eher albern aussehen. Jenko und Schmdit wären gerne wie Crockett und Tubbs in Miami Vice, wie Riggs und Murtaugh in Lethal Weapon, wie Lowrey und Burnett in Bad Boys. In Wahrheit haben sie aber mehr mit den Stonern und Slackern, den Freaks und Geeks des Apatow-Universums gemein, in dem Jonah Hill seine Sporen verdiente. Neue Männer braucht das Land, Retrohelden funktionieren nur noch in Retrofilmen wie The Expendables. Insofern können die beiden in bester Bromance-Tradition offener über ihre Gefühle reden als ihre Buddy-Cop-Ahnen. Wo Riggs und Murtaugh ihre Gefühle meist nur in Situationen größter Anspannung offenbaren konnten, da wird die Versöhnung von Schmidt und Jenko nach einem Ehekrach-artigen Streit mit den Worten »Will you go to prom with me?« besiegelt. Daß auf das ereignisreiche, überraschend harte Abschlußball-Actionfinale noch die Andeutung einer Fortsetzung folgt, ist ein echter Grund zur Freude – diesen neuen Helden sieht man gern bei ihrer Arbeit zu, vor allem wenn das Drehbuch so pointiert und das Timing bei der Regie so überraschend gut ist wie bei 21 Jump Street. 2012-05-06 22:12
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