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Weil ich schöner bin

D 2012. R: Frieder Schlaich. B: Claudia Schaefer. K: Benedict Neuenfels. S: Karina Ressler, Robert Kummer, Kolja Kunt. M: Don Philippe. P: Filmgalerie 451. D: Mariangel Böhnke, Angeles Aparicio, Mira Aring, Anton Buchenhorst, Lavinia Wilson, Andrea Sanchez del Solar u.a.
Filmgalerie 451 ab 27.12.12

Teen Spirit

Von Susan Noll Für die dreizehnjährige Charo beginnt bald ein neues Leben. Sie wird von der Grundschule aufs Gymnasium wechseln, zu den Großen gehören und aufs Abitur hinarbeiten. Charo will Anwältin werden, so wie ihre erwachsene Freundin Jutta. Die soll sie an der neuen Schule anmelden, denn Charos Mutter kann diese Aufgabe nicht übernehmen. Sie ist von Kolumbien nach Deutschland gekommen, um ihrer Tochter ein besseres Leben zu bieten. Doch entgegen aller Hoffnungen ist das neue Leben vor allem ein angsterfülltes, eingegrenztes, geheimes, denn die Familie ist illegal in Deutschland.

Wirklich frei sein wie ihre Freundinnen kann Charo nicht, trotzdem versucht sie, ein ganz normaler Teenager zu sein, mit Schulpartys, dem ersten Schwarm und einem Bauchnabelpiercing, wie es ihre beste Freundin Laura hat. Der kann sie nichts von ihrer Situation erzählen, und so blockt Charo auch ab, wenn Laura wissen will, wie es denn bei ihr zuhause so ist. Die Dialoge zwischen den Mädchen, aber auch zwischen Charo und den Erwachsenen sind nicht immer tiefsinnig, es sind eher vorgefertigte Worthülsen. Eine wirklich bedeutsame Unterhaltung kommt daraus nicht zustande. Dafür aber konzentriert sich der Film verstärkt auf die visuelle Abbildung der Empfindungen seiner jugendlichen Protagonistin, die das Erwachsenwerden vor Problemen durchlebt, die eben noch weitergehen als das pünktliche Heimkommen und das viel zu kleine Taschengeld, das einem die nervigen Eltern mitgeben. Charos Gedanken werden durch animierte und collagierte Passagen inszeniert, in denen das junge Mädchen in einem gezeichneten Flugzeug über allem schwebt oder voll jugendlicher Spitzbübigkeit mit Laura einen Hasen aus dem Zoofachhandel klaut.

Als Charos Mutter auffliegt und von der Polizei ein Ultimatum für ihre Rückreise nach Kolumbien gestellt bekommt, möchte das Mädchen sein neues Leben nicht aufgeben und rebelliert gegen die Entscheidung der Mutter, das Ultimatum einzuhalten. Die Suche nach dem Zuhause, nach einer Heimat und Verwurzelung ist hier Teil einer Coming-of-Age- und einer Migrationsgeschichte zugleich, in farbenfrohen Bildern erzählt, ohne zu sehr in Sozialkitsch abzudriften. 2012-12-24 09:20

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #68.
© 2012, Schnitt Online

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