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Die Zukunft der Filmfestivals

#54 ¦ 02.2009

Mit Beiträgen von Adam Pugh (Norwich), Marco Müller (Venedig), Sandra Hebron (London), Olivier Père (Cannes), Silke Johanna Räbiger (Dortmund), Jean-Pierre Rehm (Marseille), Hans Hurch (Wien), Shane RJ Walter (London), Nathalie Hénon und Jean-François Rettig (Paris), Cameron Bailey (Toronto) sowie Lars Henrik Gass.

Vom Markt zur Marke

Trade Market becomes trade mark

Von Lars Henrik Gass (for English version please scroll down)


Es gibt Anzeichen dafür, daß sich Filmfestivals neben dem Internet zur wichtigsten öffentlichen Plattform für Filme entwickeln, also die traditionelle Funktion von Kino und Fernsehen übernehmen. Während sie früher einen Marktplatz für Filme darstellten, also die Voraussetzungen für eine kommerzielle Verwertung von Filmen überhaupt erst schafften und nur eine relativ geringe Öffentlichkeit erreichen konnten, stellen sie jetzt Öffentlichkeit her, werden also selber Verwertung, oftmals die einzige.

Man darf sich darüber keine Illusionen machen: Auch auf den wenigen relevanten Filmmärkten der Welt findet nur weniges Absatz. Wie dramatisch die Situation bereits ist, illustriert ein Beispiel: Marco Müller, Leiter des Festivals in Venedig, hat zuletzt die Gründung einer Stiftung zur Verstärkung von Vertriebsmaßnahmen für die Festivals in Cannes, Berlin und Venedig vorgeschlagen, da auch auf diesen Festivals die Mehrzahl der Filme nicht mehr ins Kino vermittelt werden kann. Das heißt, der Begriff des Marktes selbst ist hier in die Krise geraten. Die Geschäfte werden mittlerweile an anderer Stelle gemacht, mit der DVD und zunehmend auch auf digitalen Kanälen. Der Film als Ware braucht keine Festivals und vielleicht sogar keine Kinos mehr. Und das ist die historische Chance, endlich bessere Filme zu zeigen.

Gerade aber in dem Moment, in dem die Filmfestivals eine neue Öffentlichkeit für den Film behaupten könnten, verschwindet Öffentlichkeit, wie wir sie einmal verstanden. Die Filmverleiher versuchen ihr Produkt gerade auf Kosten des Kinos zu retten. Sie werden künftig ihre Produkte mehr oder weniger zeitgleich ins Kino und auf digitalen Wegen ans Publikum bringen. Die Kinos sind mit immer kürzeren Auswertungsfenstern konfrontiert. Sehr wahrscheinlich wird sich ein Film mittelfristig nur noch im privaten Raum, als Home Entertainment amortisieren können. Die digitale Kinoprojektion, an die sich derzeit die Hoffnungen der Kinowirtschaft klammern und die enorme Investitionen verlangt, sowie die sagenhaften Subventionen, die damit einhergehen, werden diesen Prozeß aller Voraussicht nach nur hinauszögern.

Die kollektive Erfahrung von Kino dürfte bald der Vergangenheit angehören oder zumindest eine untergeordnete Rolle spielen. Im Internet entsteht eine ungeheuere Konkurrenz für Festivals und eine neue, versprengte Öffentlichkeit – eine Öffentlichkeit zum Mitmachen: mit Insiderwissen, Abstimmung, Meinung auf SMS-Niveau. Wer einmal einen Blick auf Hunderttausende von selbstgebastelten und geklauten Bildern auf YouTube, MySpace, MyVideo usw. wirft, wird feststellen, daß Öffentlichkeit sich hier, grammatikalisch auf ein paar Schlüsselwörter zusammengeschnurrt, für neue Marketingstrategien und genau erfaßbares Consumer-Targeting darbietet. Der Zusammenbruch von Öffentlichkeit, zurzeit noch als Politikverdrossenheit verharmlost, wird sich allmählich vollziehen, wie das Verschwinden des Kinos: Im Web 2.0 verhalten sich die Leute genauso, wie sie es im politischen Raum gelernt haben: abstimmend. Wissen ist dazu nicht notwendig, eine Meinung genügt.

Das Kino hat kommerziell gesehen keine Zukunft, belegen zuletzt veröffentlichte Zahlen. Der Kinobesuch ist allein in Deutschland von rund 800 Millionen Eintritten pro Jahr in den 1950er Jahren auf rund 124 Millionen heute zurückgefallen. Allein im Land Nordrhein-Westfalen beträgt die durchschnittliche Anzahl der Kinobesuche pro Jahr und Kopf gerade einmal noch 1,5. Die Videotheken hatten doppelt so viel Umsatz wie die Kinos. Wenn sich also die kommerzielle Verwertung des Films vom Kino abwendet – und nichts deutet darauf hin, daß diese Entwicklung aufzuhalten ist – wo wird man die Filme, mit denen das große Geschäft nicht zu machen ist, noch sehen können; werden sie überhaupt noch entstehen?

Es ist sehr wahrscheinlich, daß mittelfristig die gesamte traditionelle Verwertungskette von Film zusammenbrechen wird. Darüber stellt sich nebenbei die Frage, ob die Subventionen für die Kinowirtschaft künftig überhaupt noch zu rechtfertigen sein werden. Das Kinosterben wird aber auf jeden Fall auch für die Festivals empfindliche Folgen haben, denn wo können sie zu welchen Bedingungen noch stattfinden? Einige Filmfestivals haben bereits schwerwiegende Probleme, geeignete Säle zu finden. Wo und wie also Filmfestivals, die in der Lage wären, das Kino zu beerben, künftig noch abgehalten werden können, bleibt ungewiß.

Die Filmfestivals geraten in die historisch unvorhergesehene Rolle, eine kulturelle Verwertung von Filmen zu werden, für die es keine oder nur noch sehr beschränkte kommerzielle Perspektiven gibt. Zwar dienen sie auch weiterhin der konzentrierten Vermittlung von Inhalten. Insofern stellen sie ein ordnendes Moment in der Unübersichtlichkeit von Inhalten dar. Ihre ursprüngliche Aufgabe aber, Inhalte für andere Verwendungen zu vermitteln und als Markt zu fungieren, stellen sie nur noch sehr eingeschränkt und ausnahmsweise dar. Mit der rapiden Zunahme von Filmfestivals und dem gleichzeitigen Bedeutungsverlust von Zielmärkten wie Fernsehen und Kino verlieren sie diese Funktion. Sie treten das Erbe des Kinos an, ein Erbe aber, das sie zu überfordern droht, ein Erbe, von dem man glaubte, das öffentlich-rechtliche Fernsehen stünde dafür in der Verantwortung. Sie übernehmen heute eine Aufgabe, die in Deutschland einmal Kommunale Kinos und die Filmredaktionen des Fernsehens hatten: ein breites Publikum mit Filmkultur zu versorgen. Ohne die Filmfestivals aber gäbe es so etwas wie gelebte Filmgeschichte schon nicht mehr. Während Politik oftmals noch am Leitbild von Leuchtturmprojekten und Alleinstellungsmerkmalen für Filmfestivals festhält, stellt die Realität ein solches Anliegen bereits nachhaltig in Frage. Alleinstellungsmerkmale sind unter solchen Umständen kaum mehr erreichbar, ja vielleicht sogar fragwürdig geworden, ebenso wie der Kampf um Erstaufführungen und Preise.

Wenn Filmfestivals nicht mehr Markt, sondern Forum sind, nicht mehr Orte des Tauschs, sondern Orte des Austauschs, nicht mehr Vermittlung, sondern Verwertung, was ist dann die Ertragsgrundlage für Filmemacher und Produzenten? Sollten Filmfestivals fortan für die Verwertung zahlen? Da Filmfestivals in ihrer derzeitigen finanziellen Ausstattung auf einen solchen Fall nicht vorbereitet sind, wer übernimmt diese Leistung?

1. Filmfestivals sollten künftig generell für die Auswertung zahlen. So haben wir in Oberhausen als einen ersten Schritt den Förderern und Preisstiftern vorgeschlagen, künftig alle Preisgelder anteilig auf die Filmemacher, die in den Wettbewerben teilnehmen, umzulegen. Wettbewerbe stellen heute keinen hinreichenden Grund mehr dar, von Filmemachern eine kostenfreie Teilnahme zu erwarten. Freilich können Filmemacher auf dem einzelnen Festival keine großen Einnahmen erzielen, in der möglichen Summe jedoch sehr wohl. Fraglos ist die Umlegung von Preisgeldern nur ein behelfsmäßiges Mittel auf dem Weg zu einem neuen Auswertungs- und Refinanzierungsmodell im Rahmen der Festivals. Die Kapitalisierung des neuen Systems könnte durch eine Anpassung der Abgabenmodelle für kommerzielle digitale Verwertungen von Filmen, etwa durch eine Kultur-Flatrate, und eine grundlegende Umstellung von Filmförderung erfolgen, wenn nur endlich die Teilnahme an Festivals als förderwürdig angesehen wäre.

2. Das gesamte Leitbild von Filmförderung muß auf den Prüfstand gestellt werden. Filmfestivals, zumindest im europäischen Kontext, können und müssen Bestandteil des Förder- und Refinanzierungskreislaufes von Filmen werden. Erste Schritte zu diesem Ziel wurden bereits im Zuge der Novellierung der Filmfördergesetzgebung in Deutschland erreicht, wo durch eine bestimmte Anzahl von Festivalteilnahmen oder -preisen Zugang zu Fördermitteln erlangt werden kann. Doch das System geht bei weitem nicht weit genug. Es wäre sinnvoll, aus Festivalteilnahmen oder -preisen neben der Förderung durch Gremien oder Jurys eine zweite Säule der Filmförderung zu etablieren, einen erfolgsabhängigen Automatismus der Förderung.

3. Wirtschaftlich ist es nicht vertretbar, eine kommerzielle Kinostruktur durch Subventionen künstlich am Leben zu erhalten. »Das Kino allein deshalb zu fördern, weil das Kino kulturell wichtig ist, halte ich allerdings für eine etwas zu platte Begründung. Es geht hier um eine grundsätzliche Frage der Kulturpolitik«, sagt der Städteplaner Ralf Ebert. Kinokultur kann nur überdauern, indem einzelne Kinos als besondere Veranstaltungsorte ausgebaut werden, als Exzellenzstandorte, die auch für Festivals dienen können. Die historisch und gesellschaftlich gesehen einzigartige Erfahrung von Kino kann nur überleben, wenn Kino zu einem Ort wird, wie man ihn heute schon selbstverständlich für die zeitgenössische Kunst erwartet: zu einem Museum, das dem Zugriff des Markts enthoben ist. Jedoch nicht zu einer Aufbewahrungsanstalt für das Vergangene, sondern zu einem temporären Museum der bewegten Bilder, einem Museum des künstlerischen Films. Wer also das Kino erhalten will, muß es zerstören, um seine soziale Funktion wiederzubeleben. Das Kino wird nur als Museum überleben können, als ein Museum aber, wie wir es noch nicht kennen. Die Voraussetzung dafür ist gleichwohl ein Bewußtseinswandel bei den Kulturförderern: daß Kino ein Ort mit technischen, sozialen und kulturellen Sonderbedingungen ist. Was wir brauchen, das sind Orte, wo wir die Filme, die im Fernsehen, im Internet, in den Kinos nicht mehr zu sehen sind, sehen können – und besser sehen können. Kulturelle Bildung muß eine Idee davon entwickeln, wo und wie wir das ungeheure künstlerische Erbe des Films zugänglich halten und vermitteln können, ein neuartiger, multifunktionaler Ort, der kommerziellen Motiven enthoben ist: zugleich Ausstellungsraum, Konzertsaal, Bibliothek, Kino, Café, Künstlerstudio und vieles andere mehr: ein transitorischer Raum, ein Raum, der sich mit den Menschen, die ihn nutzen, verwandelt.

Wird aber künftig überhaupt noch Bedarf an Festivals bestehen? Filme werden mit der fortschreitenden Konvergenz von Fernsehen, Telekommunikation und Internet wahrscheinlich überwiegend auf elektronischem Wege verfügbar sein und betrachtet werden. Auch die DVD und ihre Weiterentwickelungen werden nur ein vorübergehendes Stadium sein. Sind also Filmfestivals selber schon ein Anachronismus?

Filmfestivals könnten zum Ort der Erneuerung für den Film werden. Leider aber haben auch sie weitgehend versäumt, etwas anderes zu sein als eine Abspielfläche für neue Filme, versäumt, der Ort für das Andere zu sein. Wahrscheinlich wird auch weiterhin, zumindest für bestimmte Publikumsschichten, Bedarf an den wesentlichen Angeboten von Filmfestivals bestehen, das heißt an einem gut projizierten Bild, kollektiver Wahrnehmung, Qualität der Auswahl, thematischer Ordnung, Austausch. Sicher kann man nicht sein. Sicher aber ist dieses: Wenn es den Filmfestivals nicht gelingt, ihr Produkt zu entwickeln und den sozialen Mehrwert eines Filmfestivals nachhaltig und überzeugend zu formulieren, werden sie verzichtbar. Filmfestivals müssen lernen, die Beschränkung auf Ort und Zeit zu überwinden; sie müssen Bücher und DVDs machen, Partys und Konferenzen, sie müssen das bessere Fernsehen sein und die bessere Universität. Hier versagt in weiten Teilen das öffentlich-rechtliche Fernsehen, das vom Quotendruck korrumpiert ist, nicht weniger als das Kino in seiner gegenwärtigen trostlosen Verfassung oder eine verschulte Universität. Filmfestivals müssen vom Markt zur Marke werden und auch Verantwortung für die Refinanzierung ihrer Produkte übernehmen. Sicher ist also, daß es nicht genügen wird, nur Filme zu zeigen.




There are indications that film festivals, alongside the internet, emerge as the most important public platform for movies and thus assume the role traditionally assigned to cinemas and TV. While they presented a marketplace for movies in the past, establishing the conditions of a commercial application of movies and reaching only a relatively small number of people, they now generate publicity and become a part of the commercialization chain, often the only one.

There can be no doubt about it: Even on the few relevant film markets in the world only few films actually find a ready market. One example illustrates the gravity of the situation: Marco Müller, director of the Venice Film Festival, has recently proposed the founding of a trust to strengthen the distribution for the film festivals of Cannes, Berlin, and Venice, as even most of the films from these festivals wouldn’t find their way into the cinemas. This means that even the concept of the marketplace itself is in crisis. Business is done in other places, with DVD and also increasingly on digital channels. Movies as products don’t need festivals or maybe even cinemas anymore. This opens up the historical chance to finally screen better films.

But just at this moment, when festivals can assert new audiences for films, the public as we once knew is retreating. Distributors right now are trying to save their products at the expense of the movie theatres. They will henceforth publish their products more or less simultaneously in cinemas and digitally. Movie theatres are confronted with ever shorter windows for commercialization. In the medium-term future film will very probably only be profitable in the private space, as Home Entertainment. Digital projection for cinemas, the hope to which the movie theatre industry is now clinging and which demands enormous investments as well as phenomenally high subsidies linked to them, will in all likelihood only postpone the process.

The collective experience of cinema will soon be a part of the past or will at least be of minor importance. From the internet emerges a massive competition to the film festivals and a new, scattered audience – an interactive one: with insider information, voting, and opinions on SMS level. Whoever takes a look at the hundreds of thousands of self-shot or stolen pictures on YouTube, MySpace, MyVideo etc. will find that here is a target audience for new marketing strategies and exactly ascertainable consumer targeting, grammatically compressed to a handful of keywords. The collapse of publicity, which nowadays is still underestimated as disenchantment with politics will progress steadily, like the disappearance of the movie theatres. In the Web 2.0 people behave just as they have learned it in the political realm: they vote. There’s no knowledge required, an opinion is sufficient.

Commercially the cinema has no future, as recent numbers show. Movie attendance in Germany alone has dropped from around 800 million annually in the 1950s to about 124 million. today. In the German state of North Rhine-Westphalia the number of annual cinema visits per capita is down to 1.5. Video rentals achieve twice as much turnover as movie theatres. So when the commercialization of film turns away from the cinemas – and there’s no indication of this development stopping in its tracks – where then can the films be seen, that aren’t going to do the big business? Will they even be produced anymore?

It is probable that in the medium-term future the complete commercialization chain for movies will collapse. Furthermore the question presents itself, whether subsidies for national movie industries can be justified anymore. At any rate, the extinction of the movie theatres will have delicate consequences for the film festivals – where and under what circumstances will they be able to take place? Some festivals already experience severe problems in finding appropriate locations. So where and how in the future the festivals, which are able to succeed the movie theatres, will be held in remains uncertain.

Film festivals have stumbled into a historically unforeseen role to become the cultural distributors of films for which there are no or only very limited commercial prospects remaining. They may still be serving as a purveyor of concentrated contents; and, in this aspect, they will act as a regulatory body for the cluttered world of content. But they will only restrictedly and by way of exception be able to fulfil their original function as a marketplace that conveys content for other usage. Through the rapidly increasing number of film festivals and the simultaneous loss in significance of their target markets like TV and movie theatres, festivals are losing their purpose. They may be the successors of the movie theatres, but are overburdened by this heritage which once was believed to be the responsibility of the governmentally financed TV stations. The film festivals by now have adopted the function formerly held by the communal cinemas and the TV stations’ film departments: to provide the general public with film culture. But without the film festivals there wouldn’t be such a thing as living film history anymore. While the politicians still cling to concepts of cultural »light house« projects and the unique selling points of film festivals, reality already calls those concepts into question. In conditions like this unique selling points can hardly be made anymore and seem even questionable, just like the fight for premieres and prizes.

When the film festivals are no longer marketplace, but forums, not a place of trade anymore, but places of commutation, when they no longer broker but commercialize, what then will be the income base for the filmmakers and producers? Should film festivals in the future pay them for screening the films? As in their current financial situation the festivals are not prepared for such a scenario, who will make the effort?

1. In the future film festivals should generally pay for the commercialization. So as a first step we in Oberhausen have recommended to our sponsors and benefactors to divide up all prize money proportionally amongst the filmmakers who enter the competitions. Competitions alone are no longer a sufficient incentive to expect filmmakers to commit to participation without payment. True, the filmmakers couldn’t gather large amounts of money from a single festival, but between several of them they could. Naturally this division of the prize money is only a provisional tool on our way to a new model of commercialization and refinancing in the frame of the festivals. Financing the new system could result from an adjustment of the rules of compensations for the commercial digital use of films, e.g. via a »cultural flat-rate«, and a general remodelling of film subsidies, if the participation of films at a festival were finally seen as worthy of funding.

2. The whole guiding idea of film subsidies has to be put to the test. At least in the European context film festivals can and must become part of the cycle of film subsidies and refinancing. First steps towards these goals have already been taken by Germany’s amendment to the film subsidies laws, which specifies a certain amount of participations or number of prizes at film festivals as a criteria for receiving subsidies. But this system is not going anywhere far enough. It would make more sense to establish participation or prizes at film festivals as a second column for film subsidies – a more performance-related automatism than the existing decisions by committees and juries.

3. It’s economically unjustifiable to artificially keep a commercial film structure alive by subsidizing it. »To subsidize the cinema just because it is considered culturally important is a platitudinous justification. This is a question of general cultural policy«, urban planner Ralf Ebert states. Film culture can only survive by reconstructing single cinemas as special venues, as »venues of excellence«, that could host festivals, too. The historically and socially unique experience of cinema can only survive, if the movie theatre transforms to a place that is today already considered natural for contemporary art: to a museum, that is beyond the market’s grasp. Not as an institution for conserving the past, but as a temporary museum of moving images, a museum of artistic filmmaking. Thus, who wants to keep the cinema alive must destroy it in order to revive its social function. Cinema will only be able to survive as a museum, but it won’t be like any museum we know. However, the precondition for that is a change of attitude amongst the patrons of the arts, who have to understand that the cinema is a place with special conditions in a technical, social and cultural sense. What we need are locations to view movies that can’t be seen on TV, on the internet, or in the cinemas: where we can view them better. Cultural education should give us an idea about where and how we can keep the enormous artistic heritage of films accessible and arrangeable; a new kind of place, multifunctional and beyond commercial motives: simultaneously showroom, concert hall, library, cinema, café, artists‘ studio and lots more: a transitory space that transforms with the people utilizing it.

But will there even be a demand for film festivals in the future? With the progressing convergence of TV, telecommunication and the internet films will probably be distributed and watched mainly by electronic means. Even the DVDs and their successors will only present transient stages of this. So are film festival themselves already anachronistic?

They could well become the place for a renewal of film. But for the most part they have sadly failed to evolve away from simply being a place for screening movies to something entirely other. In the future there will probably still be, at least from some audiences, a demand for the key qualities a festival has to offer: a well-projected image, collective reception, a quality repertoire, thematic arrangement, conversation. There’s no certainty, though.

What is certain is this: If the festivals fail to develop their product and establish their social surplus convincingly and enduringly, they will become obsolete. Film festivals have to learn to overcome the restrictions of location and time; they have to produce books and DVDs and host parties and conferences; they have to become a better version of television and of university. This is where most of the state-sponsored TV, corrupted by the pressure of ratings, fails just like contemporary cinema in its currently dismal state or the universities, which are regimented like schools. Film festivals have to change from being a marketplace to becoming a brand and taking responsibility to refinance their products. The only sure thing is that screening films will no longer be enough.

(translation: Daniel Bickermann)
2009-04-06 08:57

Info

Der Autor, Kurator und ehemalige Geschäftsführer des Europäischen Dokumentarfilm Instituts Lars Henrik Gass ist seit Oktober 1997 Leiter der Internationalen Kurzfilmtage Oberhausen.

The writer, curator and former head of the European Institute of Documentary Film, Lars Henrik Gass, became the director of the International Short Film Festival Oberhausen in 1997.

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