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Klaus Dudenhöfer 2002 bei Film+

Klaus Dudenhöfer – Ein Nachruf

Von Oliver Baumgarten Mit Klaus Dudenhöfer verstarb der wohl dienstälteste deutsche Schnittmeister, dessen eindrucksvolles künstlerisches Schaffen sich wie eine Reise durch den erfolgreichen deutschen Nachkriegsfilm liest.

1924 geboren, kommt Klaus Dudenhöfer über seine schauspielende Schwester mit dem Film in Kontakt und volontiert ab 1943 bei der Terra-Filmkunst in Berlin. Er landet beim Schnittmeister Helmuth Schoennenbeck, hilft bei der Herstellung von Die Feuerzangenbowle und absolviert seine Aufnahmeprüfung zur Lehrstelle an einer Sequenz von Helmut Käutners Große Freiheit Nummer 7. Bis 1944 kann er seine Einberufung abwenden, verbringt die Bombennächte unter anderem damit, sich in einem Babelsberger Bunker heimlich dort für Goebbels gelagerte Filme wie Disneys Fantasia vorzuführen, bis er doch noch eingezogen wird.

1946 kommt Klaus Dudenhöfer nach Hamburg, wo er Helmut Käutner wiedertrifft und bei dessen erstem Nachkriegsfilm, In jenen Tagen, assistiert. Seinen ersten Film als Schnittmeister bieten ihm schließlich Walter Koppel und Gyula Trebitsch, die 1947 in Hamburg ihre Real-Film gründen, mit Werner Klinglers Arche Nora an. Innerhalb der nächsten 15 Jahre entwickelt sich die Real-Film zur erfolgreichsten westdeutschen Produktionsstätte und feiert ihren Höhepunkt 1957 mit der Oscarnominierung von Der Hauptmann von Köpenick – inszeniert von Helmut Käutner und geschnitten von Klaus Dudenhöfer. Neben den insgesamt 18 Filmen, die er für den bedeutenden Nachkriegsregisseur schneidet, arbeitet er mit einigen der kassenträchtigsten Regisseuren des deutschen Kinos: von Géza von Cziffra und Hans Deppe über Akos von Rathonyi bis zu Tierfilmer Bernhard Grzimek. An dessen bahnbrechendem Dokumentarfilm Serengeti darf nicht sterben ist Klaus Dudenhöfer nicht nur als Editor maßgeblich beteiligt. Nachdem mitten in den Dreharbeiten Grzimeks Sohn ums Leben kommt, nimmt sich Dudenhöfer der Produktion an, läßt Szenen nachdrehen, erfindet den erzählerischen Faden und konstruiert die Narration so, daß der Film noch beendet werden kann. Und das sehr erfolgreich: 1960 gewinnt Serengeti darf nicht sterben den Oscar – ohne allerdings, daß Dudenhöfer je Erwähnung findet.

Als das deutsche Kino zunehmend in die Krise gerät, verlagert Klaus Dudenhöfer seinen Schwerpunkt in den Bereich des noch jungen Fernsehens. Späten Kinokooperationen mit Staudte, Käutner und Bernhard Wicki folgen Arbeiten, die sich gegen den drohenden Zusammenbruch des deutschen Unterhaltungsfilms stemmen. So schneidet er mit Der Fluch der grünen Augen einen der ersten deutschen Horrorfilme, er montiert Werner Jacobs’ ersten Lümmel-Film und schneidet Fritz Umgelters Beitrag zur Jerry-Cotton-Reihe. In den späten 60ern bietet das Fernsehen Dudenhöfer die Möglichkeit, drei Folgen der Krimiserie Cliff Dexter zu inszenieren, während er dort später für die Endfassungen solcher Gassenhauer wie Diese Drombuschs oder Weltenbummler verantwortlich zeichnet. In Grimme-Preisträger Christian Görlitz hat er in den letzten Jahren eine neue künstlerische Partnerschaft gefunden. Gemeinsam sind ihnen einige der eindrücklichsten Fernsehfilme der letzten Dekade gelungen, ihr letzter gemeinsamer Film Ein Job mit Vanessa Redgrave hat noch im September 2008 Premiere gefeiert. Das Ehrenmitglied des Bundesverbands Filmschnitt und der erste Hommage-Preisträger bei Film+ hat die Bildsprache des deutschen Films mit der Montage von über 200 Filmen in 61 Berufsjahren wesentlich mitgeprägt. Am 19.12.2008 verstirbt Klaus Dudenhöfer 84jährig in Ahrensburg.
2009-04-07 11:02

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