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Der wilde Haufen von Navarone (Force 10 from Navarone, 1978)

Die Methode MacLean

Ein Überblick über die Verfilmungen des schottischen Schriftstellers Alistair MacLean

Von Nils Bothmann »Inglourious Basterds will be my guys-on-a-mission-movie. My favourite guys-on-a-mission-movie is Where Eagles Dare.« So tönte Quentin Tarantino post-Kill Bill, aber prä-Death Proof über sein geplantes Projekt, und wenngleich der fertige Film dann gar keinen so großen Fokus mehr auf die titelgebenden Basterds legt, so huldigt Tarantino mit dieser Aussage einem Film und seinem Autor, der das Männerkino des actionreichen Films prägte. Es handelt sich um den 1922 geborenen Schriftsteller Alistair MacLean, der es auf 15 »echte« Verfilmungen brachte (drei weitere Verfilmungen nutzen seinen Namen und seine Grundideen), aber nur zu vieren auch das Drehbuch beisteuerte (Agenten sterben einsam, Die Ratten von Amsterdam, Das Mörderschiff, Nevada Pass). Doch warum MacLean nicht nur als literarische, sondern auch als cineatische Kraft wahrgenommen werden sollte, sollen die nun folgenden Zeilen zeigen.

MacLean diente von 1941 bis 1946 bei Royal Navy – der Einsatz zu Zeiten des Zweiten Weltkriegs sollte sich auch auf seine Romane auswirken. Nach Ende seines Dienstes an der Waffe studierte MacLean Englisch an der University of Glasgow, arbeitete anschließend als Lehrer und gewann 1954 einen Schreibwettbewerb. Daraufhin bot ihm der Collins Verlag eine Buchveröffentlichung an, woraufhin MacLean den Roman »HMS Ulysses« schrieb, der auf seinen eigenen Kriegserfahrungen basierte. Es folgten Abenteuer-, Spionage- und Kriegsromane, die sich gut verkauften, weshalb auch Hollywood auf MacLean aufmerksam wurde. 1961 erschienen die ersten beiden Verfilmungen: Geheime Wege (The Secret Ways) und Die Kanonen von Navarone (The Guns of Navarone). Während Geheime Wege, ein in schwarz-weiß gedrehter Spionagefilm mit Film Noir-Anleihen, zu den wenig bekannten und bisher noch nicht auf DVD veröffentlichten MacLean-Adaptionen zählt, wurde Die Kanonen von Navarone ein voller Erfolg und gleichzeitig einer der Begründer des »guys-on-a-mission-movies«. Und an diesem Punkt begann das filmische Schaffen Einfluß auf das literarische zu nehmen, da MacLean seine Romane von da an immer mehr mit Blick auf filmische Umsetzungen schrieb: Sein 1974 geschriebener Roman »Breakheart Pass« baut gewisse Szenen schon im Stil einer Montage auf, wie sie in der ein Jahr später erscheinenden Verfilmung vorkommen sollten. Nach dem ersten kommerziellen Filmerfolg wurden auch die Paratexte der MacLean-Verfilmungen anders gestaltet: Im fast vierminütigen Originaltrailer zu Die Kanonen von Navarone wurde der Name des Vorlagenautors nur einmal kurz genannt, später wurde der Name MacLean in den Trailer und auf den Covern prominent gezeigt – selbst im Falle von Werken wie Death Train, die gerade mal auf Ideen des Schriftstellers basieren.

Die nächste Verfilmung sollte Geheimagent Barrett greift ein (The Satan Bug, 1965) sein, basierend auf einem der beiden Romane, die MacLean unter dem Pseudonym Ian Stuart geschrieben hatte – um zu demonstrieren, daß nicht nur sein Name, sondern auch tatsächlich sein Schreibstil für den Erfolg verantwortlich waren. Der immerhin von John Sturges gedrehte The Satan Bug gehört ebenfalls zu den etwas untergegangenen Adaptionen und ist eher eine Art Bondvariante als das, was man im ersten Moment von einer MacLean-Verfilmung erwartet. Im Gegensatz zu Ian Flemings James Bond-Reihe setzten MacLeans Romane nicht nur auf Einzelgänger in den Hauptrollen, sondern häufig auf Teams, wobei sich auch hier meist ein oder zwei klare Hauptfiguren herauskristallisierten. 1967 erschien die nächste Adaption, erneut unter der Regie von John Sturges und wesentlich näher am gewohnten MacLean-Stil: Eisstation Zebra (Ice Station Zebra). Dieser wurde zum Kassenerfolg, ebenso wie die wohl bekannteste MacLean-Verfilmung, die ein Jahr später erschien: Agenten sterben einsam (Where Eagles Dare). Auf Wunsch von Hauptdarsteller Richard Burton schrieb MacLean selbst Drehbuch und Roman parallel als »boy’s own adventure«, da sich Burton ein Spektakel wünschte, an dem auch sein Sohn Spaß haben konnte. Agenten sterben einsam war kommerziell erfolgreich und zementierte den Starruhm Clint Eastwoods, der in der zweiten Hauptrolle des Films zu sehen war.

Es folgte eine kleine Welle von MacLean-Verfilmungen, bestehend aus dem Schmugglerthriller Die Ratten von Amsterdam (Puppet on a Chain, 1970), Das Mörderschiff (When Eight Bells Toll, 1971), einer Geschichte über die Jagd auf moderne Piraten, und Angst ist der Schlüssel (Fear is the Key, 1972), einer Mischung aus Spionagefilm und Rachethriller. Auch der trashige Duell in Vaccares (Carravan to Vaccares, 1974) schadetet dem Ruf des Autors aufgrund seiner geringen Bekanntheit nicht. 1975 wurde die MacLean geschriebene Mixtur aus Western und Spionagefilm Nevada Pass (Breakheart Pass) zum gewinnbringenden Studiofilm und präsentierte seinen Hauptdarsteller Charles Bronson mal als besonnenen Ermittler und nicht als schießwütigen Rächer. 1977 erschien Rendezvous mit dem Tod (Golden Rendezvous), ein früher Actionthriller mit Richard Harris in der Hauptrolle. Danach kam allerdings der Knick in der Erfolgskurve: Der wilde Haufen von Navarone (Force 10 from Navarone, 1978), übrigens auch in Buchform das einzige von MacLean geschriebene Sequel, wurde trotz einer Besetzung mit Edward Fox, Robert Shaw, Franco Nero und Harrison Ford, der Regie von Bond-Spezialist Guy Hamilton und der Wiedervereinigung von Richard Kiel und Barbara Bach nach Der Spion, der mich liebte nur noch von AIP, der Firma des B-Produzenten Samuel Z. Arkoff, produziert und verliehen, Die Bäreninsel in der Hölle der Arktis (Bear Island, 1979) war zwar der der bis dato teuerste kanadische Film aller Zeiten, wurde aber zum Kassenflop.

Infolgedessen nahm MacLean gerne das Angebot an, eine Reihe von Treatments um eine fiktive Spezialeinheit namens UNACO abzuliefern. Diese Treatments wurden von anderen Autoren zu Büchern umgearbeitet, einer davon wählte das Pseudonym Alistar MacNeill, um das Gedankengut des Autors möglichst unbemerkt weiterstricken zu können. Gleichzeitig war angedacht die Treatments möglichst schnell zu TV-Filmen umzuarbeiten, der erste erschien direkt 1980: Operation Eiffelturm (The Hostage Tower) mit Billy Dee Williams, in den 1990er Jahren kamen noch Death Train (Death Train, 1993) und Der Rembrandt-Deal (Night Watch, 1995) hinzu, in denen Pierce Brosnan als Geheimagent Mike Graham bereits für seine Rolle als James Bond üben konnte. Diese Filme erlebt MacLean aufgrund seines frühen, durch Alkoholismus bedingten Todes im Jahre 1988 nicht mehr. Nach seinem Tod erblickten nur noch zwei Adaptionen das Licht der Leinwand. 1989 versuchte die Cannon Group ihren Helden Michael Dudikoff als Abenteurer in River of Death – Fluß des Grauens (River of Death) zu etablieren, scheiterte damit aber ebenso wie Geoffrey Reeve, der mit Way to Dusty Death (Way to Dusty Death, 1995) die zweifelhafte Ehre hatte, seinen Duell in Vaccares zu unterbieten und die schlechteste aller MacLean-Verfilmungen vorzulegen: Ein grauenhaftes, hanebüchenes Werk in billigstem TV-Look, das zurecht schnell der Vergessenheit anheimfiel.

Insofern ist bei einer Betrachtung der filmischen Adaptionen des Schriftstellers einzurechnen, das manche Verfilmungen schwerer wiegen als andere, da ihr Erfolg und ihre Popularität auf das hinweisen, was MacLean vor allem in den Augen des Publikums auszeichnete – wobei sich diverse Charakteristika auch aus den Nebenwerken herauslesen lassen. Das hier aufgestellte Konzept läßt sich freilich nicht paßgenau auf jede MacLean-Adaption anwenden. Dies ist jedoch analog zum Konzept des »genre contract« zu sehen. Der damit bezeichnete Vertrag besteht zwischen Film und Zuschauer, d.h. der Zuschauer stellt bestimmte Erwartungen an einen Film eines bestimmten Genres. Der Film kann diesen Erwartungen nun entsprechen oder sie unterlaufen – letzteres kann durchaus einen willkommengeheißenen Bruch mit den Erwartungen darstellen, im Zweifelsfalle aber auch das Genre verändern, wenn das Novum irgendwann zur Konvention wird. Der Zuschauer prüft bei jeder Filmsichtung also, inwiefern ein Film den festgelegten Standards entspricht, inwieweit er die Regeln bricht und ob der Zuschauer diese Regelverstöße toleriert oder ablehnt.

Gerade MacLeans »guys-on-a-mission-movies« zeigen einen kohärenten Stil, vor allem im Vergleich zu anderen Vertretern dieser Filmgattung. Während andere besonders bekannte Söldnerfilme wie Das dreckige Dutzend und Die Wildgänse kommen chronologisch erzählt sind und viel Zeit mit der Planung der Mission und dem entsprechenden Training verbringen, so gehen die MacLean-Verfilmungen direkt in medias res. Kurze Rückblenden etablieren das Ziel der Mission, wenn die Truppe bereits im Flugzeug sitzt (Agenten sterben einsam), oder erläutern die Hintergrundgeschichte der Figuren während der Reise durch Feindesland (Die Kanonen von Navarone). Um bei diesem Tempo Kohärenz zu bewahren, benötigt MacLeans Material fähige Regisseure, andernfalls droht eine Verwirrung des Zuschauers wie sie zum Beispiel der etwas konfuse Einstieg von Das Mörderschiff schafft.

MacLean-Verfilmungen sind Männerfilme, nicht nur im Sinne der anvisierten Zielgruppe, sondern auch im Bereich der Figuren. Kernige Kerle spielen die Hauptrollen, darunter Clint Eastwood, Harrison Ford, Richard Burton, Donald Sutherland, Charles Bronson, Gregory Peck und Anthony Hopkins. Häufig handelt es sich bei diesen Besetzungen um Spiele mit dem Image (wobei fairerweise gesagt werden muß, daß dies eigentlich quasi für jede Besetzung in jedem Film gilt): Barry Newmans Hauptrolle in Angst ist der Schlüssel in Verbindung mit einer überlangen Autojagd im ersten Drittel des Films erinnert an dessen Fluchtpunkt San Francisco-Figur, Clint Eastwoods Elitesoldat in Agenten sterben einsam ist eine Weiterführung seiner Parts als professioneller Killer in den Western der Dollar-Trilogie, während die Kombination von Richard Harris, dem Thema Terrorismus und dem Schiffsschauplatz in Rendezvous mit dem Tod ein Versuch war noch mal an den drei Jahre zuvor entstandenen Juggernaut zu erinnern und Besucher garantieren sollte. Und bei Charles Bronson in Nevada Pass war schnell klar, daß er mehr als nur der verschüchterte Gefangene sein mußte, auch ohne Death Wish-artige Racheszenarien. MacLean wurde häufig vorgeworfen, wenig mit Frauenfiguren anfangen zu können, und dieses Merkmal setzt sich in den Verfilmungen fort. Die meisten Frauen stehen ihren Mann, sind Agentinnen, Widerstandskämpferinnen oder Freischälerinnen. Die resolute Ärztin in Die Bäreninsel in der Hölle der Arktis stellt sich den Bösewichten gemeinsam mit dem Protagonisten und selbst die zu beschützenden Damen in Nevada Pass und Rendezvous mit dem Tod greifen dem Helden tatkräftig unter die Arme, selten sind die klassischen, von Laura Mulvey als passiv abgestempelten Frauenbilder in MacLeans Filmen zu finden (z.B. in Geheime Wege oder Angst ist der Schlüssel). Romantische Subplots sind vorhanden, meist aber untergeordnet, und diverse Frauenrollen könnten genausogut männlich besetzte Parts sein; Eisstation Zebra kommt sogar ganz ohne Frauenrolle aus.

Der Umstand, daß MacLean seine Figuren nicht so klar nach Geschlechterrollen sortiert (weshalb die romantischen Subplots oft eher als Pflichtübung erscheinen, im Falle der Filmversion von Die Kanonen von Navarone sogar ins Drehbuch geschrieben wurden, da es sie im Roman nicht gab – gewissermaßen gemäß dem Bordwellschen Diktum, daß jeder klassische Hollywoodfilm neben seinem Mainplot die Geschichte einer heterosexuellen Romanze erzählt), führt zu einer eigenwilligen Form der Gleichberechtigung, wie zum Beispiel eine Szene aus Die Kanonen von Navarone illustriert, in der eine weibliche Verräterin ebenso mitleidslos von den Hauptfiguren hingerichtet wird, wie es sonst meist männlichen Figuren im Hollywoodkino vorbehalten ist. Töten ist für MacLeans Figuren eh Teil ihres Lebens: Sie tun es nicht aus persönlichen Gründen (eine Ausnahme stellt beispielsweise die Szene in Das Mörderschiff dar, in welcher der Held seinen besten Freund rächen kann), aber auch nicht wirklich aus patriotisch-ideologischen Gründen: Töten ist ein Teil des Jobs, der ebenso professionell wie unemotional erledigt wird, ein notwendiges Übel bei der Ausübung eines gefährlichen Berufes, das in Kauf genommen wird.

Zwei Feindbilder dominieren MacLeans Schaffen: Kapitalisten und Nazis. Bei ersteren handelt es sich um Schmuggler, moderne Seeräuber oder Waffenhändler, die sich auf Kosten anderer bereichern. MacLean spürt keine besondere Verachtung für sie, es sind einfach dankbare Antagonistenfiguren, da auch das kommerzielle Kino lieber ideelle als materielle Werte preist. Wesentlich auffälliger ist MacLeans Obsession mit Nazis, die augenscheinlich seiner Militärzeit geschuldet sein dürfte: Geheime Wege, Die Kanonen von Navarone, Agenten sterben einsam und Der wilde Haufen von Navarone spielen während des Zweiten Weltkriegs, die titelgebende Bäreninsel in Bear Island ist ein ehemaliger Nazistützpunkt, dessen Geschichte wichtig für den Plot ist, und in River of Death ist ein ehemaliger KZ-Arzt die zentrale Fieslingsfigur. Nur selten schlägt sich der Kalte Krieg in den MacLean-Verfilmungen nieder, lediglich Eisstation Zebra behandelt das Wettrüsten von USA und Sowjetunion und verzichtet dabei überraschenderweise auf platte Russenklischees. Bei den Nazidarstellungen sind MacLeans Werke meist einseitiger, wobei sich Die Kanonen von Navarone hier wohltuend von den herkömmlichen US-Filmen abhebt: Hier tauchen verschiedene Wehrmachtsoffiziere auf, welche zwar die deutsche Uniform tragen, sich aber gegen Folter und Mißhandlung Gefangener aussprechen – im Gegensatz zu manch anderem Autor (gerade in den Nachkriegsjahren) zog MacLean durchaus einen Unterschied zwischen Deutschen und Nazis, die von manchem Medienerzeugnis einfach über einen Kamm geschoren wurden. Freilich muß man zugeben, daß auch in seinen differenzierteren Werken immer wieder klar als unmenschliche Antagonisten gezeichnete Nazis auftauchen, deren Tötung durch die Helden vollkommen legitimiert wird.

MacLean arbeitet an sich allerdings selten mit dem Unterlaufen von Klischeevorstellungen, sondern vor allem mit einer Unklarheit, was die Absichten seiner Figuren angeht. Da seine Geschichten fast ausnahmslos im Kriminal- oder Spionagemilieu spielen, quasi immer um Verschwörungen kreisen, gibt es fast in jeder MacLean-Geschichte die obligatorische Verräterfigur – und kommt sie mal nicht vor, so stellt dies eine willkommene Abwechslung, einen gewünschten Bruch mit dem »genre contract« dar. Doch es muß nicht immer nur Verrat sein, auch die Motivation seiner Hauptfiguren ist teilweise eine andere als die, die sie offiziell vorgeben zu haben. In Agenten sterben einsam kann man sich nie sicher sein, welches Spiel Richard Burtons Figur mit dem »telling name« Jonathan Smith wirklich spielt, man erahnt in Nevada Pass bereits, daß mehr hinter der Fassade von Charles Bronsons Deakin steckt, nur was genau, das weiß man nicht.

Manche Kritiker werfen MacLeans Geschichten Formelhaftigkeit vor, was sich nicht gänzlich von der Hand weisen läßt, doch es handelt sich meist um spannende Romane, die in den richtigen Händen auch zu ebenso spannenden Filmen wie Agenten sterben einsam, Nevada Pass oder dem sträflich unterschätzten Bear Island werden konnten. Das häufig verwendete Label Pulp sollte man übrigens nicht im Sinne der (vor allem in Deutschland immer noch häufig vorgenommenen) Unterteilung in U- und E-Kultur sehen: Viele große Noir-Klassiker beispielsweise basieren auf Pulpliteratur der »hard boiled«-Schule, darunter Die Spur des Falken und Tote schlafen fest, aber auch heutzutage werden noch viele Autoren mancherorts als Pulpschreiber bezeichnet, während ihre Verfilmungen als Starvehikel, mit viel Budget und oft auch Preishuldigungen, daherkommen – man denke an die Werke von Elmore Leonard (Jackie Brown, Todeszug nach Yuma) und James Ellroy (L.A. Confidential, The Black Dahlia).

In das literarische Ausgangsmaterial, das den narrativen Rahmen lieferte, konnten sich verschiedene Regisseure und Trends einschreiben: River of Death steht in der Tradition von Cannons Versuchen den Indiana Jones-Filmen nachzueifern (weitere Titel wären Feuerwalze und die beiden Quartermain-Teile), der in Italien gedrehte Duell in Vaccares wirkt nicht nur wie Eurotrash, sondern beinhaltet auch eine leicht gialloeske Mordszene, während die häufige Verwendung der Amerikanischen, also der Einstellung, die eine Person bis etwas unterhalb der Gürtellinie zeigt, in Eisstation Zebra auf John Sturges’ Erfahrungen als Westernregisseur verweist. Die Amerikanische und ihre Bezeichnung stammen nämlich aus dem Western, da man in dieser Einstellung das Utensil des Coltgürtels noch im Bild sehen konnte.

Doch welches Erbe hat Alistair MacLean in der Film- und Popkultur hinterlassen – immerhin nahm die Anzahl der Verfilmungen nach seinem Tod rapide ab. Zum einen etablierten einige MacLean-Verfilmungen bereits in Ansätzen jene von Isabella Reicher und Drehli Robnik als »Action-Kammerspiel« bezeichnete Filmgattung, welche Stirb langsam zur Perfektion und zu großer Popularität brachte. Dabei ist es gar nicht der auf den ersten Blick sehr ähnliche Operation Eiffelturm, auch nicht Nevada Pass, in dem Charles Bronson eher als Ermittler und weniger als Actionheld auf dem begrenzten Raum eines Zuges gegen die Schurken vorgeht, sondern vor allem Rendezvous mit dem Tod, in dem nicht nur ein Kreuzfahrtschiff als Handlungsort dient, in dem nicht nur die Antagonisten Terroristen sind, sondern der Held auch mit jener Mischung aus Körpereinsatz und Köpfchen gegen seine Gegenspieler vorgeht, die John McTiernans Meilenstein auszeichnet. Sicherlich ist der Vorläufer noch nicht so ausgereift wie Stirb langsam, nicht zuletzt, da Richard Harris in dieser Rolle bei weitem nicht die gleiche Ausstrahlung und die Glaubwürdigkeit von Bruce Willis besitzt, doch dies erklärt dann auch, warum die spätere Variante zum Klassiker avancierte. Doch auch kleinere, weniger einschneidende Einflüsse lassen sich unter den MacLean-Adaptionen finden: Die erste Hälfte von Eisstation Zebra ist ein früher U-Boot-Thriller, eine Filmart, die später immerhin Werke wie Das Boot, Jagd auf Roter Oktober und Crimson Tide hervorbringen sollte; die Motorbootjagd in Die Ratten von Amsterdam dürfte die zentrale Actionszene aus Dick Maas’ (ungleich besserem) Verfluchtes Amsterdam inspiriert haben.

Gleichzeitig wurde das »guys-on-a-mission-movie« in den letzten Jahren wieder populärer, gerade Tarantinos Inglorious Basterds bediente die MacLeanschen Genremuster, Centurion und Black Death verlegten sie in antike bzw. mittelalterliche Gefilde, während moderne Nachkommen wie G.I. Joe, Das A-Team – Der Film, The Losers und The Expendables dann nur noch teilweise die Einflüsse ihrer klassischen Vorgänger erkennen ließen, aber auch hier greift der »genre contract«: Das, was der Zuschauer heute als »guys-on-a-mission-movie« versteht, kann infolge generischer Entwicklung bzw. Evolution unter Umständen nicht deckungsgleich mit der Definition der 1960er und 70er Jahre sein, als Filme wie Die Kanonen von Navarone, Das dreckige Dutzend und Die Wildgänse kommen Hochkonjunktur hatten. Immerhin haben sich mehrere Jahrzehnte Filmschaffen in das Genre eingeschrieben, unter anderem die goldene Actionära der 1980er Jahre, die gewisse Genrestrukturen und Männlichkeitsbilder einer Umdeutung unterzog.

Die Metalband Iron Maiden, deren Texte öfters Film- und Buchreferenzen beinhalten, widmete dem Autor mindestens einen Song: »Where Eagles Dare« ist eine genaue Nacherzählung des bei uns als Agenten sterben einsam bekannten Films. Ihr Song »Fear is the Key« trägt den Namen eines MacLean-Romans, der Text läßt allerdings keine direkten Anspielungen erkennen – wobei die Zeile »You’re outnumbered by the bastards till the day you die« das Credo diverser MacLean-Helden treffend zusammenfassen dürfte. 2010-12-08 18:01
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