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Ein Leben für ein Leben – Adam Resurrected

Adam Resurrected. D/USA/IL 2008. R: Paul Schrader. B: Noah Stollman. K: Sebastian Edschmid. S: Sandy Saffeels. M: Gabriel Yared. P: Adam Productions, Adam the Film Israel. D: Jeff Goldblum, Willem Dafoe, Joachim Król, Tudor Rapiteanu, Ayelet Zurer, Derek Jacobi u.a.
106 Min. 3L ab 19.2.09

Der wahre Messias

Von Daniel Bickermann Noah Stollmans Adaption und Paul Schraders Verfilmung des Skandalsromans »Adam Hundesohn« von Yoram Kaniuk besticht nicht nur durch eine überaus moderne Aufarbeitung eines individuellen Holocaust-Traumas – also auch der psychologischen, sexuellen und familiären Konsequenzen – sondern vor allem durch eine kulturelle Prägung, die man schon häufig, aber noch nie so gebündelt mitansehen durfte: Adam Ressurected wirkt wie der erste international-jüdische Film. Gedreht in Bulgarien und Israel von einem amerikanischen Regisseur mit einem größtenteils deutschem Team, entsteht doch der Eindruck einer gemeinsamen Kulturleistung.

Denn Witz, Stimmung und vor allem Motivik sind durchdrungen von jüdischem Sentiment und jüdischer Lebensart. Das schließt auch, aber nicht nur, die religiöse Symbolik von brennenden Dornbüschen mit ein – selbst der magische Realismus des Körperkünstlers Adam, dessen größte Show-Sensation in den Vaudevilles der Weimarer Republik seine plötzlichen Wundmale waren, hat eine sakrale Note. Die Jesus-Anspielungen sind entsprechend augenzwinkernd für die Eingeweihten: Adam wird von einer Mitinsassin des Sanatoriums für die Ankunft des prophezeiten Messias’ gehalten, eine perfide Drehung der christlichen Lesart, nach der Jesus ja als »zweiter Adam« gilt, der die menschliche Erbsünde vergibt. Auch der Originaltitel »Adam Resurrected« spielt auf diese Verbindung an.

Aber auch die weltlichen Motive dieses Films verweisen auf jüdische Spezifika: das weltvergessene Sanatorium inmitten der Wüste, ein umzäunter Hort der Sicherheit für Holocaust-Überlebende erscheint wie Israel als Mikrokosmos, genau wie Adams Befreiungskämpfe gegen die Traumata der Vergangenheit die Anstrengung einer ganzen Generation personifiziert. Daß eine solche Kulturleistung als deutsche Koproduktion entstand, ist ein ermutigendes Zeichen; daß ein Mann vom Kaliber Schraders mit einem deutschen Kameramann, einem deutschen Produktionsdesigner und einer deutschen Editorin arbeitet und daß deutsche Schauspieler wie Bleibtreu und Köhler dabei mitwirken, ist ebenso wichtig und gut. Es ist aber vor allem Joachim Król, der mit seiner leisen, eindringlichen Darstellung des suizidalen Mitinsassen Wolfowitz ein drittes emotionales Zentrum des Films aufbaut – neben dem kalten Herz des von Dafoe gespielten Kommandant Klein und dem verwirrt-rastlosen Protagonisten Adam Stein, den Jeff Goldblum in seiner bisher vielleicht eindringlichsten Performance als überlebensgroßen und zugleich erbärmlich geschrumpften Ex-Zampano gibt.

Schrader, der als Regisseur in den letzten Jahren mit seinem gescheiterten Exorcist-Prequel und dem eher lauwarmen High-Society-Krimidrama The Walker nicht wirklich überzeugen konnte, richtet sich hier an seinem fremden Stoff seit fast zwei Jahrzehnten wieder auf. Es hilft, daß der ewige Schrader-Kopmlize Dafoe wieder dabei ist und in Noah Stollmans ebenso klugem wie hintergründig-perfidem Drehbuch die typischen Schrader-Themen von jahrelanger emotionaler Getriebenheit, sexueller Obsession und intellektueller Rastlosigkeit in prominent vertreten sind. Aber in Momenten wie der verstörenden Sexszene, die Adam mit seiner Betreuerin hat, und in der er sein Leben als Hund wieder aufnehmen kann, spürt man auch einen wiedererwachten Willen zur Kontroverse und zum unbedingten Stilwillen ohne Rücksicht auf Verluste, die stets die besten Schrader-Werke begleitete. Der Mann hat noch lange nicht genug. 2009-02-13 15:10

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