— — —   DER SCHNITT IST OFFLINE   — — —

Whisky mit Wodka

D 2009. R: Andreas Dresen. B: Wolfgang Kohlhaase. K: Andreas Höfer. S: Jörg Hauschild. P: Senator Film Produktion. D: Henry Hübchen, Corinna Harfouch, Sylvester Groth, Markus Hering, Valerie Tscheplanowa, Peter Kurth, Karina Plachetka, Matthias Walter u.a.
104 Min. Senator ab 3.9.09

Ideale Parabel für das Leben

Von Bettina Schuler Die Intensität, mit der Menschen während der Produktion eines Films miteinander verbunden sind, können wohl nur diejenigen kennen, die einmal selbst an einem Film mitgewirkt haben. Denn in fast keiner Berufssparte ist man gezwungen, so viel Zeit mit mehr oder minder unbekannten Menschen auf sehr engem Raum zu verbringen, was emotionale Konflikte jedweder Art fast unausweichlich macht. Himmelhochjauchzend, zutodebetrübt, extreme Hochs und Tiefs werden hier in der kürzesten Zeit durchlebt. Ein Nährboden der Emotionen und zugleich eine ideale Parabel für das Leben. Insbesondere, wenn man selbst Filmemacher ist und weiß, was am Set so läuft.

Das scheint sich auch Andreas Dresen bei seinem neuen Film Whisky mit Wodka gedacht zu haben, in dem sich alles um den gealterten Schauspielstar Otto Kuhlberg dreht, der seit geraumer Zeit mit einem Alkoholproblem kämpft. Was die Produzenten seines neuen Films nach einem verpatzten Drehtag dazu veranlaßt, ihm einen jüngeren Konkurrenten zur Seite zu stellen, mit dem alle Szenen ein zweites Mal gedreht werden, damit bei einem Totalausfall Kuhlbergs der Film trotzdem fertiggestellt werden kann. Eine hochbrisante Situation, die dadurch noch verschärft wird, daß Kuhlbergs Schauspielkollegin seine ehemalige Geliebte ist, die nun jedoch mit dem Regisseur des Films verheiratet ist. Obwohl sie eigentlich viel lieber die Frau Kuhlberg geworden wäre, wenn der Ex-Lover nicht so unstet wäre. Altern, verpatzte Chancen, Neid, Liebe, menschliche Charakterschwächen und Konkurrenz, alles existentielle Themen, die von den Drehbuchautoren Dresen und Kohlhaase anhand dieses Stoffes diskutiert werden. Zugleich zeigen sie durch die Film-im-Film-Szenen, die in den 20er Jahren spielen und mit ihrer Lakonie an Fassbinders Filme denken lassen, wie sich der Umgang mit diesen Problemen und Themen innerhalb der Gesellschaft verändert hat.

Dabei schwingt über der Geschichte des im Beruf erfolgreichen und im privaten Leben gescheiterten Schauspielers ein Hauch von Melancholie, der allen Filmen Dresens eigen ist und dank der es Dresen in seinen Komödien wie Sommer vorm Balkon immer wieder gelingt, sich von dem üblichen deutschen Kino-Klamauk abzusetzen. Was vor allem den Dialogen von Autor Kohlhaase zu verdanken ist. Denn auch wenn seine Dialoge den Zuschauer zum Schmunzeln, ja Lachen bringen, zielen sie nie auf die bloße Pointe ab. Vielmehr treffen sie in ihrer Knappheit zielgenau die Schwachstellen der Gesellschaft und entblößen mit ihrem Witz emotionale Schwächen wie Eitelkeit, Mißgunst oder Neid, von denen sich keiner gänzlich freisprechen kann. Ein tragisch-komischer und trotz der aufwendigen Inszenierung ein typischer Andreas-Dresen-Film, der sich, auch wenn es vordergründig ums Filmgeschäft geht, letztendlich doch wieder gekonnt mit den Fragen beschäftigt, die für alle Menschen von Bedeutung sind.

Die Sache mit der Zweierbesetzung ist übrigens keine Erfindung der Autoren, sondern beruht auf einer wahren Begebenheit: So hat der DEFA-Regisseur Kurt Mätzig 1957 bei den Dreharbeiten zu Schlösser und Katen zu Beginn einige Szenen mit dem Schauspieler Raimund Schelcher mit einer Zweitbesetzung gedreht, um sich vor dessen drohenden durch Alkohol bedingten Ausfällen zu schützen. Mit Erfolg. 2009-08-31 11:29

Weitere Autoren

Medien

© 2012, Schnitt Online

Sitemap