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The Raid

Serbuan maut. RI 2011. R,B,S: Gareth Evans. K: Matt Flannery. M: Aria Prayogi, Joseph Trapanese, Fajar Yuskemal. P: Pt. Merantau Films, XYZ Films. D: Iko Uwais, Joe Taslim, Donny Alamsyah, Yayan Ruhian, Pierre Gruno, Ray Sahetapy, Tegar Satrya, Iang Darmawan u.a.
100 Min. Koch Media ab 12.7.12

Die Hard-Boiled

Von Nils Bothmann Mit Merantau – Meister des Silat hatte der derzeit in Indonesien tätige Waliser Gareth Evans 2009 einen Kampfsportfilm in der Tradition des thailändischen Überraschungshits Ong Bak vorgelegt, der ihm ein gewisses Maß an Bekanntheit einbrachte, doch sein nächster Actionreißer The Raid löste wahre Begeisterungsstürme nach den ersten Festivalsichtungen aus. Nicht wenige sahen darin die Wiedergeburt bzw. den legitimen Nachfolger des Hongkong-Actionkinos der 1980er und frühen 90er Jahre, das trotz geringer Budgets Kampfkunst- und Shoot-Out-Spektakel auf die Leinwand zauberte, die Hollywood Konkurrenz machten, das Regisseure wie John Woo und Ringo Lam und Darsteller wie Jackie Chan und Jet Li zu international bekannten Stars machte. Und tatsächlich kann The Raid jedem Verehrer dieser Phase asiatischen Filmschaffens die Freudentränen in die Augen treiben. Jedoch: Ganz so heiß gegessen, wie er von den Fanboys im Vorfeld gekocht wurde, wird The Raid nicht.

The Raid erweist sich als auf seine Essenz destilliertes Actionkino, das seine Exposition innerhalb weniger Minuten abhakt: Man sieht die Hauptfigur, einen jungen Neuling bei einer Spezialeinheit, kurz daheim bei Frau und Kind, danach bricht er zu einem brisanten Einsatz auf. Die Worte des Einsatzleiters sind ebenso für die Mitglieder des Teams gedacht wie für den Zuschauer: Ein Gangsterboß verschanzt sich in einem Hochhaus, das fast ausschließlich von seinen Untergebenen und anderen Gauner bewohnt wird, hat zwei gefährliche Handlanger (einen Denker und einen Schläger) als linke und rechte Hand parat und soll nun in dem 30stöckigen Hochhaus verhaftet werden. Innerhalb weniger Minuten hat The Raid damit sein Setting, seine auf Stereotype heruntergebrochenen Figuren und deren Motivation eingeführt, ehe der (natürlich nicht nach Plan verlaufende) Einsatz zum Survivaltrip der Cops in einem für sie lebensfeindlichen Umfeld wird. The Raid wirkt dabei wie ein Best-Of-Querschnitt des Actionkinos, borgt sich das Hochhausszenario von Die Hard, um es mit den ausladenden Schießereien eines Hard-Boiled und der Martial Arts-Lastigkeit eines Red Force aufzubereiten, angereichert mit einer Prise Black Hawk Down, wenn sich die Cops gegen schlechter bewaffnete, schlechter ausgebildete, aber motivierte und zahlenmäßig massiv überlegene Angreifer zur Wehr setzen.

Das Hochhausszenario ist ein großer Vorteil für den Film, denn die zeitliche und räumliche Beschränkung der Handlung gibt dem Film genug Drive und Spannung – etwas, das andere Actionorgien neueren Datums aus Fernost wie der bereits erwähnte Ong Bak schmerzlich vermissen ließen, da sie zu einer mehr oder minder motivierten Aneinanderreihung von Actionszenen zu verkommen drohten. In seinen Actionszenen versagt The Raid ebenfalls nicht, dank einer furiosen Choreographie haben die Shoot-Outs und Kampfszenen des Films eine beeindruckende Wucht, wobei Evans und seine Fight Choreographer Iko Uwais und Yayan Ruhian für genug Abwechslung sorgen, damit die zahlreichen Gefechte nicht eintönig werden: Mann gegen Mann, einer gegen viele, Gruppen gegen Gruppen, mit bloßen Händen, mit Schußwaffen, mit Macheten, Schlagstöcken und Messern wird hier gekämpft. Durch wohlplazierte Ruhepausen zwischen den Gefechten bleibt die Spannungskurve gewahrt, während Gangster wie Polizisten auf die handlungstragenden Figuren reduziert werden, die einander im Showdown begegnen. Passenderweise spielen beide Fight Choreographer Hauptrollen: Uwais ist Rama, besagter Jungpolizist aus der Auftaktszene und Held der Geschichte, Ruhian dagegen Mad Dog, die brutale rechte Hand des zu verhaftenden Schurken.

Doch trotz alldem, was The Raid richtig macht: Mehr als ein famoser Actionfilm ist er nicht, er ist kein potentieller Genreklassiker vom Schlage eines Die Hard oder Hard-Boiled. Zu rudimentär ist die Figurenzeichnung, als daß man mit den um ihr Leben kämpfenden Figuren mitfiebern würde, zu einfach ist die Geschichte gestrickt, die genau nach der zu Beginn vorgegebenen Lagebeschreibung verläuft, einzig variiert durch ein, zwei Plottwists im letzten Drittel des Films. Aber das, was The Raid sein will, ein einfacher, wie geölt laufender, spektakulärer Reißer der alten Actionschule, das ist er auf jeden Fall und damit einen Kinogang für den Genrefan wert. 2012-07-10 09:20

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