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Yella

D 2007. R,B: Christian Petzold. B: Simone Baer. K: Hans Fromm. S: Bettina Böhler. M: Stefan Will. P: Schramm Film u.a. D: Nina Hoss, Devid Striesow, Hinnerk Schönemann, Burghart Klaußner u.a.
89 Min. Piffl Medien ab 13.9.07

Wiederholen ist gestohlen

Von Thomas Warnecke Es geht um Geld. Die Summen und Prozentanteile, um die hier verhandelt wird, sind nüchtern und konkret, in der Wirklichkeit verankert. Es wird von handfester Produktion geredet, Sicherungen für Bohrmaschinen, die bei der Ölförderung eingesetzt werden, und davon, daß DHL den Flughafen nicht in Wittenberge, sondern in Leipzig bauen will. Yella bietet ein Abbild gegenwärtiger Wirtschaft, nicht, indem er sie nach Schauwerten absucht, sondern indem ihre Konkreta zu virtuellen Verschiebemassen werden. Die Heldin erlebt den Traum von einer Ökonomie als Abenteuer, permanent unterwegs, wie Bonnie und Clyde, um Gelder locker zu machen und Bilanz zu ziehen, beides erfolgreich und sinnlich. Wie in einem Gangsterfilm geht es um Kontrolle und Verrat, um Alleingänge und das, was dabei schiefläuft.

Yella ist Christian Petzolds unprätentiösester, »kinomäßigster« Film. Es ist abgedroschen, vom Fluß der Bewegungen und des Films zu sprechen, und bei Yella auch blöd, weil ein Fluß und Wasser so eine große Rolle spielen (und erst der Geldfluß), aber es trifft zu. Yella ist einer der seltenen Filme, die das richtige Verhältnis von Künstlichkeit und äußerer Wirklichkeit treffen. Nina Hoss trägt immer die gleiche Kleidung, Devid Striesow ebenso, was zeitliche Einheit suggeriert, aber auch unwirklich wirkt und damit der Handlung entspricht. Kleidung und Autos sind wie in diesem Film immer Fetische des Gangsterfilms gewesen, doch Petzold inszeniert die Story geradezu gegen diese Effekte, die zahlreichen Wendungen der Handlung werden in den konzentrierten Rhythmus der Bilder eingeebnet. Hell und klar sind die Räume und Landschaften, in denen sich Philipp und Yella bewegen, während Ben, der Yella in seine Vergangenheit zurückholen will, immer aus dem Dunklen, Unsichtbaren auftaucht. Es hätte den Twist am Ende nicht gebraucht und der Film sich im Irgendwo verlieren können, entscheidend ist, daß hier vor aller Moral und nüchtern und intensiv wie selten Gegenwart erlebt werden kann. 1970-01-01 01:00

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Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #47.

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