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Alle anderen

D 2008. R,B: Maren Ade. K: Bernhard Keller. S: Heike Parplies. P: Komplizen Film. D: Birgit Minichmayr, Lars Eidinger, Hans-Jochen Wagner, Nicole Marischka u.a.
124 Min. Prokino ab 18.6.09

Beziehungsfilm, später

Von Werner Busch Zwei Stunden geballtes Drama, das sich in kammerspielartiger Inszenierung sehr stark, beinahe ausschließlich, auf seine Hauptfiguren konzentriert, braucht zur Vollendung ebenso konzentrierte Szenen. Sidney Lumet erreichte diese durch ein ausgefeiltes Drehbuch und eine sehr präzise Schauspielführung: jede Geste, jeder Gang ist genauestens mit der Kamera abgestimmt, jede Dialogzeile genauestens moduliert.

Einige Kinojahre später sind es dann Filme wie Andreas Dresens Halbe Treppe, die es mit einem entgegengesetzten inszenatorischen Ansatz ebenfalls schaffen, zu einer solchen Konzentration zu kommen: Den Schauspielern wird das Ausgestalten ihrer Szenen samt den Dialogen selbst überlassen, und erst die Montage führt die ausschweifenden Improvisationen in das dramaturgische Gesamtkonzept zurück.

Für ihren zweiten Langspielfilm hat sich Maren Ade für den klassischen Ansatz entschieden. Im Gegensatz zu Lumets sichtbar stilisierten Kammerspielen ist Ade allerdings darum bemüht, ihren Willen zur Inszenierung hinter lebensnahen, kolloquialen Dialogzeilen und unauffälliger Handkameraarbeit zu verbergen. Trotz der engagierten Hauptdarsteller wird die inszenierte Natürlichkeit ihres Spiels zu häufig als solche augenscheinlich, da der Film, und somit der Zuschauer, unablässig auf die Darsteller und ihr Interagieren fixiert ist. Alle anderen ist daher leider nicht der ganz große Wurf geworden, den seine enthusiastische Aufnahme bei der Berlinale vermuten läßt. Dennoch beweist Ade hiermit bereits zum zweiten Mal nach Der Wald vor lauter Bäumen ein sehr eigenes und feines Gespür für berührende Geschichten selbstverschuldeter Scheiterer. Es bleibt ihr lediglich zu wünschen, daß sie für ihre Darsteller in Zukunft dasselbe Vertrauen aufbringt, das sie begründeterweise in ihre Fähigkeiten als Regisseurin und Drehbuchautorin setzt.

2009-04-06 15:32

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Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #54.

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