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Zerrissene Umarmungen

Los abrazos rotos. E 2009. R,B: Pedro Almodóvar. K: Rodrigo Prieto. S: José Salcedo. M: Alberto Iglesias. P: El Deseo, UIP. D: José Luis Gomez, Penélope Cruz, Marta Aledo, Rubén Ochandiano, Javier Coll, Carlos Leal, Lluís Homar, Tamar Novas u.a.
129 Min. Tobis ab 6.8.09

Cruz Missile

Von Mary Keiser Schöne Frauen haben es auch nicht leicht. Als die attraktive Lena eine Perücke im Stil von Marilyn Monroe anprobiert, geht es ihr im Grunde ähnlich wie der verstorbenen Filmdiva: Sie ist schön, reich und unglücklich. Immerzu bestimmen andere über ihr Leben. Um die Operation ihres schwerkranken Vaters zu ermöglichen, wird sie zur Geliebten des obsessiven Milliardärs Ernesto Martel. Als sie schauspielern will, finanziert Ernesto einen Film mit ihr in der Hauptrolle, unter ständiger Beobachtung des klassischen Peeping Toms: Der richtig schön gestörte Sohn Martels verfolgt jede ihrer Bewegungen mit der Kamera – ein selbstironischer Verweis Almodóvars auf den Voyeurismus eines jeden Filmemachers und natürlich den des Zuschauers. Denn die Kamera erlaubt das ansonsten unschickliche Anstarren einer schönen Frau, ganz gleich, ob es sich um die Filmfigur Lena oder die Schauspielerin Penélope Cruz handelt.

Die Crewmitglieder des Films im Film behandeln Lena wie eine Kleiderpuppe und staffieren sie nach Vorbildern großer Stars aus, allen voran ihr neuer Geliebter, der Regisseur und Schürzenjäger Mateo. Auch er betet sie an und versucht, sie Ernesto zu entreißen. Lena bekommt im Grunde keine Chance auf ein normales Leben, es scheint so, als müßte sie entweder vergöttert oder erniedrigt werden. Almodóvar empfindet allerdings nur ersteres für seine Lieblingsschauspielerin, die er für ein und dieselbe Filmfigur in immer neue Rollen schlüpfen läßt, um mit ihr Filmstars und charaktere quer durch Genres und Geschichte zu zitieren. Springt die Filmhandlung von Komödie zu Film noir, ist sie erst Audrey Hepburn, dann Lauren Bacall. Zudem spielt sie ein doppeltes Spiel, sowohl als unaufrichtige Geliebte Martels sowie als Filmfigur, die eine Schauspielerin darstellt (und umgekehrt). Damit zeigt Almodóvar auf sehr erheiternde Weise, daß letztendlich auch die Fiktion real ist und ihm seine Figuren genauso am Herzen liegen wie die Darsteller. Vielleicht ist genau deswegen wieder so ein schöner Film dabei herausgekommen. 2009-07-09 10:58

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Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #55.

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