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Eine flexible Frau

D 2009. R,B: Tatjana Turanskyj. K: Jenny Barth. S: Ricarda Zinke. M: Niels Lorenz. P: Turanskyj & Ahlrichs GbR. D: Mira Partecke, Katharina Bellena, Laura Tonke, Andina Weiler, Bastian Trost, Sven Seeger, Torsten Haase, Fabio Pink u.a.
97 Min. Filmgalerie 451 ab 6.1.11

Noch 'n Herrengedeck

Von Christian Lailach Kommunikation ist Argumentation. Ja, stimmt. Wenn du mit der K. ein Ziel verfolgst, helfen ein paar gute A. zumindest. Kryptisch kommt Eine flexible Frau daher. Berliner Schnauze, Architektin, kein Job, noch ein paar Freunde, die mehr oder weniger erfolgreich, im Job, am Herd, im Ausland sind. Dein Alltag? Schon, irgendwie findest du dich in den Rollen wieder. Es muß ja nicht gleich Greta sein, deren trostloses, zermürbendes Leben du führst.

Sie hingegen führt es auf, sie inszeniert es. So daß eigentlich jede einzelne Szene zu einer kleinen Inszenierung wird. Ein wenig filmisches Theater. Überinterpretiert, überstrapaziert. Ohne Vorhang, ohne Abgang. Ohne Applaus. Im Inneren entwickelt sich etwas, eine Art gereizte Apathie nimmt den Raum ein. Es flimmert Gretas Leben in Stationen über die Leinwand. Arbeit, Freunde, Familie, Alkohol. Sie säuft mit der Arbeitsvermittlerin, obwohl sie keinen Bock darauf hat. Weder auf Arbeit, noch aufs Amt. Sie fragt ihre Freundin nach einem Job, obwohl ihr die Antwort egal ist. Macht nix, wollt ja nur mal fragen. Tschüß. Sie tanzt mit den Schwulen auf dem Feld, voller Ausdruck. Sie stellt sich jederzeit an den Rand der eigenen Existenz, sie beobachtet sich, sie bemitleidet sich, sie haßt sich.

Der Neue Deutsche Film? Dieses Jahr lief Eine flexible Frau im Forum der Berlinale. Nix mehr mit »alter« Berliner Schule. Die sprachen nicht, die schauten nur. Turanskyj lehrt uns das Sprechen, und wir beginnen das Schreien. Wir lehnen uns auf, kritisieren. Sie stellt die Fragen. Welche Rolle spielt Arbeit? Lohnarbeit? Freundesarbeit? Familienarbeit? Wir ertränken sie. Wir benebeln uns. – Noch 'n Herrengedeck! – Weil wir selbst keine Antworten haben. Weil wir sie in der Vergangenheit suchen. Und zu oft finden. – Für mich auch! – Ein Funke für den Moment. Auf die Zukunft! Ex!
2010-10-14 09:30

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Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #60.
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