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Dame, König, As, Spion

Tinker Tailor Soldier Spy. GB/F/D 2011. R: Tomas Alfredson. B: Bridget O’Connor, Peter Straughan. K: Hoyte van Hoytema. S: Dino Jonsäter. M: Alberto Iglesias. P: Working Title, StudioCanal. D: Gary Oldman, Benedict Cumberbatch, Colin Firth, Tom Hardy, John Hurt, Toby Jones, Mark Strong, Ciarán Hinds u.a.
127 Min. Studiocanal ab 2.2.12

Lug und Trug

Von Lena Serov »Die Welt der Spione in meinen Büchern ist eine Metapher für die große Welt, in der wir alle leben. Wir beschummeln einander, belügen uns selbst, erfinden kleine Geschichten und schauspielern uns durchs Leben.« Die Machenschaften des Geheimdienstes als pessimistische Parabel auf soziale Beziehungen – so will zumindest John le Carré, der selbst während des Kalten Kriegs beim britischen Geheimdienst war, seine literarische Vorlage zum seit langem ambitioniertesten Spionage-Thriller verstanden wissen. Mißtrauen als Konstante im politischen Kalkül ist schwer zu beherrschen, im Zwischenmenschlichen ist es vernichtend fatal, im filmischen Erzählen hingegen äußerst produktiv – und all das führt Tomas Alfredson in seiner Verfilmung von John le Carrés bilanzierendem Agenten-Krimi Dame, König, As, Spion meisterlich vor.

Alfredson, der zuvor im Horrorgenre brillierte, und die ingeniösen Drehbuchautoren werfen mit ihrer Adaption ein komplexes, narratives Netz aus um Verrat, Schuld und Rache in der vordere Riege des MI6 – auch »Circus« genannt –, wofür das hochkarätige Aufgebot des britischen Darstellercast zur Verfügung stand. In präzise arrangierten und rhythmisierten Episoden werden eine ganze Reihe Orte, Personen und Handlungen in eine ineinander laufende Konstellation mit einem unfehlbaren Gespür für leitmotivische Details gebracht. Die Komplexität dieser epischen Struktur verdankt sich jedoch auch dem Umstand, daß jede Episode – im Sinne der kriminologischen Suche nach dem Maulwurf im britischen Geheimdienst – eine Hauptfigur der Spionagespitze be- bzw. durchleuchtet und so ein anderes Licht auf die Gesamtkonstellation wirft. Auf diese Weise spielt Dame, König, As, Spion mit den Verläßlichkeiten und Glaubwürdigkeiten der Figuren und behält sich die Vertrauensfrage des Zuschauers vor, um am Ende doch die verstreuten Fäden zu einer konzisen und logischen Essenz zusammen laufen zu lassen. Was aber nach wie vor bleibt, ist der bittere Beigeschmack des besagten Pessimismus, wenn schlußendlich eine Maske nach der anderen fällt. 2012-01-12 08:20

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Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #65.
© 2012, Schnitt Online

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