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Mavro Livadi

GR 2009. R,B: Vardis Marinakis. K: Marcus Waterloo. S: Giannis Halkiadakis. M: Dimitris Maramis. P: Highway Productions. D: Sofia Georgovassili, Hristos Passalis, Despina Bebedelli, Maria Panouria, Rania Ekonomidou, Despina Kourti, Evangelia Adreadaki, Hakan Boyav.
106 Min.

Abwege

Von Natalie Lettenewitsch In Karlovy Vary richtet man den Blick gern nach Osten. Dort liegt auch das ökonomisch schwer gebeutelte Griechenland – nicht gerade berühmt für großes Filmhandwerk. Jenseits von Altvater Angelopoulous und der einen oder anderen Komödie wird es international kaum beachtet. Ausgerechnet mit einem historischen Stoff scheint sich nun eine zaghafte Blüte des griechischen Independentkinos anzudeuten. Das niedrig budgetierte Debüt von Vardis Marinakis, angesiedelt im 17. Jahrhundert, konzentriert sich nicht auf Kostüm und Ausstattung, dafür umso mehr auf Kameraarbeit und Lichtsetzung – und entwickelt dabei erstaunliche visuelle Kraft. Das karge, reduzierte Setting eines Klosters: Hier wird ein verwundeter Mann, ein Janitschar, aufgenommen und gepflegt. Als er geht, folgt ihm die Nonne Anthi und verläßt den vermeintlich sicheren Hort. Dieser zweite Teil hält für seine zunächst archetypisch wirkenden Charaktere einen Wendepunkt bereit, den die offizielle Synopsis vage mit der »Suche nach Freiheit und sexueller Identität« umschreibt. Das wird zuletzt so konsequent ausgespielt, daß zwei Halbstarke im Festivalkino unbehaglich auf ihren Sitzen zu rutschen beginnen. Ein ungewöhnlicher Film, dem ein Start über die Landesgrenzen hinaus zu wünschen wäre. 2011-01-12 09:28

Info

gesehen auf dem Karlovy Vary International Film Festival

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #60.
© 2012, Schnitt Online

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