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Utopians

USA 2011. R,B: Zbigniew Bzymek. K: Robert Mleczko. S: Kevin Palmer. M: Harvey Valdes. D: Jim Fletcher, Courtney Webster, Lauren Hind, Arthur French, Jessica Jelliffe, Sacha Yanow.
84 Min. Arsenal Institut ab 5.1.12

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Von Tina Hedwig Kaiser Einer der besten Beiträge des diesjährigen Internationalen Forums des Jungen Films der Berlinale kommt von einem polnischen Filmemacher, der in den USA produziert und gedreht hat. Utopians von Zbigniew Bzymek ist ein Traum aus lakonischem Humor, genauen zwischenmenschlichen Beobachtungen, gepaart mit einer trockenen Figurenzeichnung und einer konzentrierten Kameraarbeit (von Robert Mleczko), die immer wieder die Räume zum tragenden Moment der Szenen werden läßt. Der bravouröse Jim Fletcher (ansonsten eher im New Yorker Underground-Theater vertreten) als Roger steht dabei im Zentrum des Geschehens bzw. Nicht-Geschehens. Er ist Yoga-Lehrer, der es nicht immer schafft pünktlich zu sein und auch der Yoga-Show-Inszenierung im Kurs seines Kollegen nebenan kann er letztlich nicht das Wasser reichen. Keine Lichtprojektionen, keine Podeste für den Trainer, keine Videos, nur ein karger Holzfußboden und eine Matte – mehr hat er nicht zu bieten. Als er dann auch noch einen herrenlosen Hund mit zum Seminar bringt, drohen auch seine letzten Kursteilnehmer abzuspringen. Doch was soll er tun? Es gibt soviel zu klären und doch so wenig, das sich kommunizieren läßt. So oder so ähnlich meint man Roger vor sich hinsinnieren zu sehen. Seine Suche nach innerer Ruhe, Spiritualität und nach Achtsamkeit gegenüber allen Lebenwesen läßt ihn immer wieder an die Grenzen seiner eigenen Realität und der seiner Mitmenschen stoßen. Dabei versucht er das schwierige Verhältnis zu seiner frisch aus dem Militärdienst entlassenen Tochter genauso zu retten wie deren komplizierte Beziehung zu ihrer schizophrenen Freundin zu verstehen. Das kann dann dazu führen, daß er apathisch auf einem Bett liegt, oder bei der gemeinsam übernommenen Hausrenovierung kurz vor dem ausrasten steht. Und doch schwingt im Miteinander eine Herzlichkeit, Ironie und Wahrnehmungsgabe mit, die die Kommunikation untereinander so spannend werden läßt. Einmal wird er seinem Yoga-Kurs sagen: »We can make our own time«. Daraufhin werden ihn die meisten alleine im Trainingsraum zurücklassen. Roger wird eben auch noch lernen müssen, daß er nicht zu spät kommen kann, um dann diesen Satz im den Wartenden vor die Füße zu werfen. Oder er lernt es doch nicht. Denn er kann ja auch einfach mal hier den Teppich staubsaugen. Sein zugelaufener Hund wird es ihm immerhin danken. Denn er ist mehr als fasziniert vom Gerät. 2011-03-01 14:05

Info

gesehen im Forum der Berlinale 2011
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